Nürnberger Wilhelmstraßenprozess - links Ernst von Weizsäcker

Die Weizsäckers sind eine der einflussreichsten Familien Deutschlands: Seit Generationen besetzen sie wichtige Schlüsselpositionen in Verwaltung, Wissenschaft und Politik: Richard von Weizsäcker war Bundespräsident, dessen Vater Staatssekretär im Auswärtigen Amt unter Adolf Hitler und der Großvater Ministerpräsident Württembergs. Besonders an Ernst von Weizsäcker wird der Widerspruch zwischen Verantwortung, Staatstreue, Loyalität und Schuld deutlich

 

 

Ernst von Weizsäcker wird am 25. Mai 1882 als Sohn des späteren württembergischen Ministerpräsidenten und Juristen Karl Hugo Weizsäcker geboren. Die Verdienste des Vaters als köngistreuer und gewissenhafter Verwalter führen zur Ehrung mit dem erblichen Freiherrntitel. In der Marine steigt Weizsäcker langsam, aber bestimmt auf – er eckt jedoch mit seinem selbstbewussten Auftreten und Kritik an Vorgesetzten an. Mit dem Sohn des Kaisers Adalbert hat Weizsäcker kein gutes Verhältnis, dessen Ausbilder er ist.

1911 heiratet Weizsäcker Marianne von Graevewitz – Marianne entstammt aus einem alten Adelsgeschlecht, dessen EInfluss jedoch beschränkt ist. Dem Beginn des 1. Weltkriegs blickt Weizsäcker euphorisch entgegen. Da er keine Admiralsausbildung vorweisen kann, scheint ihm das Bewähren in der kämpfenden Flotte als einzige Aufstiegsmöglichkeit. Er ist jedoch zunehmend enttäuscht, dass Wilhelm II. die Flotte zurückhält und erkennt, dass diese der britischen nicht gewachsen ist. Jedoch kann er während des Krieges wichtige Bekanntschaften knüpfen, die ihm später hilfreich sein werden.

Nach dem Ende des I. Weltkriegs bewirbt sich Weiszäcker beim Auswärtigen Amt – zwar werden regelmäßig nur Bewerber angenommen, die ein Studium vorweisen können. Weizsäcker wird jedoch ausnahmsweise auch ohne akademischen Grad angenommen. 1920 nimmt er seine Tätiigkeit als Diplomat auf und leitet 1921 das Basler Konsulat. Dort kommt beobachtet er die nationalsozialistische Bewegung und kauft sich nach eigener Aussage öfters den Völkischen Beobachter (die Parteizeitung der NSDAP). Er schätzt Hitler und die Nationalsozialisten als Wutmacher und Antreiber – eine Regierungsbeteiligung kann er sich aber nicht vorstellen.

Ab 1924 – 1927 arbeitet er als Gesandschaftsrat nach Kopenhagen und beobachtet weiter die Entwicklung in der Weimarer Republik. Wie sein Vater ist Ernst von Weizsäcker kein Demokrat. Politisch fühlt er sich wohl der Deutschen Volkspartei nahe, die sehr nationalistisch positioniert war. 

1931 wird Weizsäcker Gesandter in Norwegen und wird 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten konfrontiert. Deren Außenpolitik wertet er als gefährlich für den Frieden und traut sich irrigerweise zu, mäßigenden Einfluss auf die deutsche Außenpolitik nehmen zu können. Als Konstantin von Neurath durch Joachim von Rippentrop als Außenminister ersetzt wird, wird Weizsäcker der Staatssekretärsposten angetragen – mit diesem Posten erreicht Weizsäcker das höchste Amt, das er als Beamter erreichen kann. Den Krieg, den Hitler vorantreibt, kann Weizsäcker nicht verhindern. Sein Vehältnis zu Rippentrop ist stark angespannt – mehrmals bietet er seinen Rücktritt an, kann jedoch stets auf die Unterstützung Hitlers bauen.

Die anfänglichen Kriegserfolge begeistern auch Weizsäcker – Kontakte zu Widerstandskreisen hat er abgebrochen. Da sein Einfluss als Staatssekretär immer weiter schwindet, wird seiner Versetzung als Botschafter zum Vatikan stattgegeben. Dort vermittelt er zwischen Vatikan und dem NS-Reich nach der Besetzung Italiens und Roms. 

Weizsäcker hat 3 Söhne und 1 Tochter mit Marianne. Sohn Heinrich, der ebenfalls im auswärtigen Amt arbeitete, fällt bereits zu Beginn des Polen-Feldzuges. Sohn Richard, der spätere Bundespräsident, bewährt sich als Hauptmann und Offizier im Krieg und baut starke innerliche Distanz zum Regime auf. Carl Friedrich von Weizsäcker ist im 3. Reich ein anerkannter Physiker, der von den Engländern interniert wird. Nach Kriegsende ist die gesamte Familie zersprengt – Richard hat desertiert, Carl Friedrich ist in englischer Haft und die Eltern dürfen den Vatikan anfangs nicht verlassen.

 

Ernst von Weizsäcker mit seinem Sohn Richard

Ernst von Weizsäcker wird durch das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal angeklagt. Sein Sohn Richard assistiert bei seiner Verteidigung – über 100 Zeugen ruft die Verteidigung auf – darunter der weltbekannte Physiker Niels Bohr. Ernst von Weizsäcker wird zu 7 Jahren Haft verurteilt, jedoch bereits 1950 entlassen. Er stirbt am 4. August 1951 an einem Schlaganfall.

 

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