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Vorgeschichte: der 1. Weltkrieg

Nach der Entlassung Bismarcks übernahm ein neuer, prunksüchtiger und sprunghafter Kaiser, Wilhelm II, die Macht im Deutschen Reich. Mit ihm wurde die Politik unberechenbar, er verfolgte einen Kurs, der außenpolitisch völlig konträr zu Bismarcks Friedenspolitik war (er nannte ihn einen „Brausekopf“).

Es war der Anfang des Imperialismus, des Militarismus, des Wettrüstens, dem Wettlauf um Kolonien und dem Verfolgen des „Platzes an der Sonne“.

Der Rückversicherungsvertrag mit Russland wurde 1890 nicht verlängert, da Wilhelm das Deutsche Reich wegen der Annäherung zu Österreich-Ungarn auf der sicheren Seite sah. Das näherte Russland Frankreich an. Das Flottengesetz von 1897 beschloss eine Aufrüstung, die ein Wettrüsten mit England und ein verspanntes Verhältnis mit sich brachte (Marokkokrise 1905), das 1904 in den „Entente Cordial“ bzw. „Triple Entente“ mündete (eine Verbindung von Russland, Frankreich und Großbritannien). Das Deutsche Reich sah sich nun außenpolitisch isoliert.

Als es 1912 zu Verspannungen zwischen Österreich- Ungarn und Russland wegen der Vormachtstellung im Balkan kam, wurde Deutschland in den Konflikt mit hinein gezogen.

Als am 28.06.1914 wurde der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo von einem serbischen Untergrundkämpfer ermordet wurde, hing vieles von der Reaktion Deutschlands ab. Deutschland versprach sich viel von einem Krieg- vor allem die Beendigung seiner Isolation. Kaiser Wilhelm sicherte der Österreichischen Regierung dieser Tage ohne Absprache mit der deutschen Regierung Hilfe für alle Zeiten zu (Blankoscheck). Da sich Österreich nun auf sicherer Seite sah, ging es auf Konfrontation mit Russland und löste so letztlich den 1. Weltkrieg aus (Julikrise). Frankreich schloss sich Russland an, wenig später folgte England.

Diese Kriegserklärungen folgten einem Automatismus, der aus den verschiedenen Bündnisbeziehungen der Nationen hervorging. Wilhelm hätte hier einschreiten können, sah aber mehr Vorteile für das Reich in einem Krieg.

Die deutsche Oberste Heeresleitung hatte nur einen bereits relativ veralteten Plan als Kriegsstrategie- den „Schlieffenplan“, der vorsah, erst einen schnellen und effektiven Blitzkrieg in Paris zu gewinnen, um dann die gesamten Truppen in den Osten zu schicken. Dafür musste es das neutrale Belgien besetzen, was ein Bruch des europäischen Vertrauens war. Weil England sich bedroht sah, erklärte es Deutschland den Krieg, womit Deutschland eigentlich nicht gerechnet hatte. In ganz Deutschland entwickelte sich eine große Kriegsbegeisterung, da man sich viel von einem Sieg versprach(„Platz an der Sonne“). Das Selbstbewusstsein der Deutschen war auf einem Höhepunkt und zeigte sich in einer großen Opferbereitschaft. Im August 1914 ging aus diesen Gefühlen der „Burgfrieden“ hervor, in dem alle Parteien ihre innenpolitischen Differenzen beilegten („Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“- Wilhelm II).

Aus dem geplanten Blitzkrieg in Frankreich wurde jedoch ein Stellungs- und Erschöpfungskrieg, der lediglich auf Materialschlachten basierte. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg gegen England erwies sich auch schnell als sinnlos- die Folge war der Kriegseintritt der USA 1917, der Deutschland letztlich zum Unterlegenen machte. Die Motivation der zivilen Soldaten schwand immer mehr.

Der damalige US-Präsident Woodrow Wilson nahm eine vermittelnde Stellung ein. Seine „14 Punkte“ zielten auf einen schnellen Verständigungsfrieden. Gleichzeitig bedeuteten sie eine Niederlage & Demütigung für das nationalistische Deutschland. Das Deutsche Reich war allerdings erst ein Jahr später zu Verhandlungen bereit., denn man hoffte immer noch auf einen Sieg.

Im Februar 1917 fand in Russland die bolschewistische Revolution mit Lenin als ihrem Führer statt- er sprach alle Bedürfnisse der Bevölkerung an („Frieden-Land-Brot“). Anfang 1918 wurde die “Russische Sozialistische Sowjet-Republik“ verkündet. Russland entsendete Waffenstillstandsgesuche an ganz Europa- nur Deutschland reagierte. Der Kriegszustand wurde als beendet erklärt, worauf Russland mit Druck der Mittelmächte zum Unterzeichnen des Friedenvertrages von Brest-Litowsk gezwungen wurde.

Das Deutsche Reich versuchte 1918 eine letzte verzweifelte Großoffensive, die jedoch scheiterte.

Am 8. August starteten die Alliierten eine Gegenoffensive, die das deutsche Heer endgültig besiegte („Schwarzer Tag des deutschen Heeres“). Der Widerstandwille der Soldaten war erschöpft. Ludendorff verlangte nach einem sofortigen Waffenstillstand (28. September). Das Verlieren des Krieges kam für die deutsche Bevölkerung völlig überraschend. Propaganda und Medien hatten sie immer im Glauben gelassen, die Deutschen wären überlegen. Das Vertrauen war stark erschüttert und es wurde unruhig im Land. Die politischen Parteien spalteten sich in die Anhänger eines weiterführenden „Verzweiflungskampfes“ und die, die die Kriegsbeendigung für dringend nötig hielten.

1918

Nun wurde vom Deutschen Reich eine Parlamentarisierung erwartet. Tatsächlich waren die Eliten des deutschen Reiches nur zu einer Parlamentisierung „zum Schein“ bereit, ums ich mit den Amerikanern gut zu stellen. Man hoffte, sie möglichst schnell wieder rückgängig machen zu können. Doch nicht nur der Druck von außen war Grund für die Anstrengungen zum Gründen einer Republik.

 

Die Führungsschichten erhofften sich so auch eine Abwälzung der Verantwortung auf die Politiker. Das war auch der Beginn der Dolchstoßlegende, die besagt, dass das deutsche Heer nur unterlegen hätte, weil die Heimat mit der Revolution den Truppen in den Rücken gefallen wäre. Außerdem fürchtete man eine Revolution von unten.

 

 

Prinz Max von Baden wurde von Wilhelm II zum Reichskanzler ernannt. Er bildete die erste parlamentarische Regierung des Reichs aus MSPD, Zentrum und Fortschrittspartei (DVP).

In der linken Arbeiterbewegung kristallisierten sich zur Zeit der Gründung verschiedene Interessen heraus. Die SPD spaltete sich in dieser Zeit in drei verschiedene Gruppen auf: dem marxistischen Spartakusbund, der eine Räterepublik nach russischem Vorbild vorsah, der USPD, die eine sozialistische Politik anstrebten und die MSPD, die eine sozialistische Revolution ablehnten und die Ordnung aufrecht erhalten wollten. Diese Abwendung der MSPD von sozialistischen Grundsätzen zeigt sich vor allem in ihrer Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien DVP und Zentrum sowie im Ebert-Groener-Pakt und der Zusammenarbeit mit den rechten Freikorps.

Im Volk jedoch vermehrte sich die negative Stimmung. Das verlieren des Krieges kam unerwartet, da die Propaganda immer auf einen für das Deutsche Reich positiven Verlauf des Krieges schließen ließ. Die Soldaten waren verbittert, man wollte Frieden und zurückkehren nach Hause. Als die Marineleitung m November ein letztes verzweifeltes Auslaufen der Flotte befahl, weigerten sich die Matrosen und meuterten. Binnen kürzester Zeit hatten sie die Stadt Kiel eingenommen, der Protest weitete sich über das ganze Reich aus und kam in Berlin an. Es bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, die ein sofortiges Kriegsende und die Abdankung des Kaisers forderten, der daraufhin flüchtete. Am 9.11. übertrug Max von Baden die Regierungen Friedrich Ebert von der MSPD, der damit das erste demokratische Staatsoberhaupt Deutschlands war. Außerdem verkündete Max von Baden eigenhändig die Abdankung des Kaisers. Am 9. November erfolgte die Verkündung der Republik doppelt und beinahe zeitgleich: Scheidemann von der SPD verkündete die parlamentarische Demokratie, Liebknecht aus dem Spartakusbund verkündete die deutsche Rätedemokratie nach russischem Vorbild.

Um seine Vorstellungen durchsetzen zu können ging Ebert einen Pakt mit der OHL ein, die die Revolution auf der Straße beenden sollte (Ebert-Groener-Pakt). Groener, der Generalstabschef der OHL, hoffte dabei auf die Verhinderung eines Eingriffes der Revolution in die Struktur der Reichswehr und wollte sich so die Option einer Wiederaufnahme des Krieges freihalten. Dies scheiterte allerdings wieder an der Kampfmüdigkeit der Soldaten. Erst mit der Bildung von zivilen Freikorps aus dem Milieu des Nationalismus konnte der Bürgerkrieg in Berlin niedergeschlagen werden (Spartakuswoche). Dabei wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet. Ebert ging hier also ein Bündnis mit seinen eigentlichen politischen Gegnern ein, was in den Kreisen der SPD als Verrat angesehen wurde.

Die Reichskonferenz der Arbeiter- und Soldatenräte wählte letztlich für das parlamentarische System.

Gründung der Weimarer Republik

1919 wurden im Versailler Vertrag die Kriegsfolgen festgelegt. Deutschland hatte einen Katalog von Bestimmungen zu erfüllen, darunter das Abtreten von Elsass-Lothringen, die Aufgabe aller Kolonien und das Zahlen von Reparationen (deren Höhe allerdings nie wirklich langfristig feststand, da Deutschlands finanzielle Leistungsfähigkeit unklar blieb). Deutschland wurde außerdem offiziell zum Kriegsschuldigen. Deutschland unterschrieb erst mit der Drohung der Siegermächte, die Kriegshandlungen wieder aufzunehmen.

Wenn Deutschland nicht unterschrieben hätte, hätte eine Besatzung sowie eine Aufteilung in West- und Ostdeutschland stattgefunden- genau das Szenario von 1945. Unter Betrachtung der Jahre 1933-1945 wäre dies wahrscheinlich nicht die schlechteste Alternative gewesen. Der Versailler Vertrag hinterließ eine große Demütigung in der deutschen Mitte, deren Folgen noch viele Jahre anhielten- es blieb das Gefühl der ungerechten Behandlung und der Wunsch nach „Rache“.

Wirklich großen Schaden nahm das Reich allerdings nicht, innerhalb weniger Jahre erlangte es seine Großmachtstellung zurück. Das Problem, wegen den Deutschland in den Krieg gezogen war, hatte sich inzwischen von selbst gelöst: die „Einkreisung“ war nicht mehr vorhanden. Österreich-Ungarn war in seiner alten Form nicht mehr vorhanden, Russland war eine Sowjetunion geworden und damit isoliert, Amerika hielt sich fortan aus den europäischen Geschäften heraus, England & Frankreich hatten Meinungsverschiedenheiten.

Trotzdem wurde der Vertrag in der Bevölkerung als eine Schande aufgenommen. Vor allem das Abtreten Elsass-Lothringens an den „Erbfeind“ Frankreich und die Kriegsschuld kratzte am deutschen Stolz. So wurde die Revision des Versailler Vertrages bald zum Hauptziel der deutschen Außenpolitik. Wo eine demokratische Ausgleichspolitik erwartet wurde, verlangte das Volk nun nach einer radikalen Politik, deren Ziel die Wiederherstellung von Deutschlands Großmachtstellung sein sollte.

Das Abschütteln der Reparationen und die Wiederbewaffnung wurden die wichtigsten Ziele der neuen deutschen Republik. Letzteres wurde 1920 zuerst erfolgreich in Zusammenarbeit mit Russland versucht. Man wollte in einem Krieg gegen Polen eine Aufteilung Polens zwischen Russland & Deutschland erreichen. Das Vorhaben scheiterte am Sieg Polens.

Am 14. August 1919 unterschrieb Reichspräsident Ebert den Verfassungsentwurf, der abseits vom unruhigen Berlin in Weimar beraten worden war. Er war eine klare Absage an das Rätemodell und eine Annäherung an den westlichen Parlamentarismus. Zentrales Organ war der Reichstag (Legislative), der die Reichsregierung (Kanzler & Minister) überwachen sollte (Exekutive). Der Reichspräsident sollte das Gegengewicht zum Parlament schaffen, der sehr viel Macht in sich vereinigte. Er

  • war Oberbefehlshaber der Armee
  • ernannte den Reichskanzler
  • konnte den Reichstag auflösen
  • konnte Notgesetze erlassen
  • durfte die höchsten Richter bestimmen.

Die Deutschen hatten sich einen Ersatzkaiser geschaffen, der alles nach seinem Belieben ändern konnte (Art. 48). Es wurden Elemente der direkten Demokratie in die Verfassung mit einbezogen, die allerdings nur selten Anwendung fand. Es gab Grundrechte, sie waren allerdings daher, weil sie nicht einklagbar waren, nur wenig gewichtig. Es durften erstmals Frauen wählen und gewählt werden, was für diese Zeit ein sehr großer Fortschritt war. Das Verhältniswahlrecht wurde eingeführt und löste das Dreiklassenwahlrecht ab. Es förderte jedoch die Zersplitterung der Mandate. Die Erwartungen an die neue Regierung waren groß, sie hatte außen- wie innenpolitisch mit vielen wirtschaftlichen und politischen Problemen zu kämpfen und war sozusagen „zum Erfolg verdammt“.

Verlauf & Niedergang der Weimarer Republik

Die Weimarer Koalition bestand aus SPD, DDP und Zentrum. Beinahe alle anderen Parteien bekämpften dagegen das neue System. Alle Parteien waren Interessenparteien, waren vollkommen Koalitionsunfähig und vertraten nur ihre eigenen Standpunkte. Es gab keine Bereitschaft zu Kompromissen.

Die ersten Jahre der Weimarer Republik waren gezeichnet durch wirtschaftliche Probleme, innenpolitischer Unruhe aufgrund der wachsenden radikalen Parteien und regimefeindlichen Beamten in der Regierung („Republik ohne Republikaner“). Der Extremismus nahm links wie rechts zu, jedoch nahm man den linken Extremismus sehr viel ernster.

1921 hatte man die deutschen Reparationszahlungen auf 132 Milliarden Mark festgelegt, wogegen die Deutschen protestierten. 1924 wurden mit dem „Dawes-Plan“ Erleichterungen erreicht.

Als Deutschland 1923 mit den Reparationen für Frankreich zurücklag, besetzten die Franzosen das Rheinland als „produktives Pfand“, worauf die Regierung zu passivem Widerstand aufrief- also den Arbeitern befahl, die Arbeit einzustellen. Diese Monate fügten der deutschen Wirtschaft einen erheblichen Schaden zu. Doch Ebert verfolgte ein Ziel mit dieser „Verarmung Deutschlands“: Er hoffte so die Reparationszahlungen abschütteln zu können, also Deutschland „zu arm“ für weitere Zahlungen zu machen- auf Kosten des Volkes. Tatsächlich wurden die Reparationen bald darauf eingestellt, allerdings danach auch wieder aufgenommen. Die Frage blieb die meiste Zeit ungeklärt.

Erst am Höhepunkt der Hyperinflation im September 1923, als die Reichsmark geradezu völlig entwertet war, brach Reichskanzler Stresemann den sog. „Ruhrkampf“ ab. Die Finanzmisere wurde mit der Währungsreform erfolgreich bekämpft.

Der Locarno-Vertrag von 1924 besiegelte einen neuen europäischen Frieden und machte Frankreich zu einem reinen „Selbstverteidigungsstaat“. Außenpolitisch näherten sich Deutschland und Russland wieder an (Rapallo-Vertrag 1922), versöhnte sich mit Frankreich und wurde 1926 in den Völkerbund aufgenommen.

In den Jahren bis 1929 stabilisierte sich die Wirtschaft wieder, man nennt sie daher die „goldenen 20er“, die auch wegen den neuen Medien und deren Blendung so positiv gesehen wurden. Patriotismus und Führerglaube wurden in diesen Jahren bewusst gestärkt. Das politische System jedoch war und blieb instabil. Seit dem Tod Eberts 1925 fehlte der Republik der stabilisierende Faktor. Sein Nachfolger war der monarchistisch-konservative Hindenburg, der den extremen Rechten nahestand und die Rolle als „Ersatzkaiser“ völlig ausfüllte.

Der „Young-Plan“ von 1930 regelte letztlich die Reparationen und zwang die Franzosen, das Rheinland zu räumen.

1929 kam es in den USA zu einer Wirtschaftkrise, die Auswirkungen auf die ganze Welt hatte. Auch in Deutschland mussten Banken schließen, jeder Dritte wurde arbeitslos und die Löhne halbierten sich. Der damalige Reichskanzler Brüning hoffte, die Situation nutzen zu können um die Reparationszahlungen hinfällig zu machen- man wollte Deutschlands Zahlungsunfähigkeit demonstrieren. In dieser Zeit der außen- und innenpolitischen Spannungen zerstritt sich die große Weimarer Koalition aufgrund der Frage, ob die Arbeitslosenversicherung gekürzt werden sollte. 1930 trat die Regierung zurück.

Bei den neuen Wahlen wurde die NSDAP zweitstärkste Fraktion. Reichskanzler Brüning erreichte keine Mehrheit mehr im Kabinett und herrschte somit völlig autonom- nur noch über Notverordnungen. Der Reichspräsident Hindenburg näherte sich immer mehr der extremen Rechten an. Im Jahre 1932 entließ er Brüning und setzte von Papen als Reichskanzler ein. Im neuen Kabinett entstammte niemand mehr der Arbeiterschaft oder dem Mittelstand („Kabinett der Barone“). Das bis dahin verhängte SS- und SA-Verbot wurde aufgehoben. Bei den folgenden Neuwahlen gingen beinahe ausschließlich extreme Parteien als Sieger hervor- eine Mehrheit zu bilden war wegen den verschiedenen Zielen unmöglich. Bei den nächsten Neuwahlen ging die NSDAP als stärkste Fraktion hervor. Hitler wurde 1933 Reichskanzler.

Warum scheiterte die Weimarer Republik?

1) „Republik ohne Republikaner“ in Beamtenschaft und Justiz- keine Unterstützung von innen

2) Verfassungsdualismus: Mixtur aus parlamentarischen und plebiszitären Elementen

3) Art.48: Zu starker Reichspräsident, „Ersatzkaiser“

4) Keine Bildung stabiler Mehrheiten im Parlament: Verantwortungsscheu und –unfähigkeit der Parteien, zu wenig Kompromissbereitschaft (auch durch Verhältniswahlrecht)

5) Vertrauensverlust der Bevölkerung durch falsche Propaganda, Inflation, Arbeitslosigkeit, Rechtsruck des Bürgertums durch patriotisch-nationalistische Kriegspropaganda, obrigkeitsstaatliches Denken passt nicht zur freiheitlichen Verfassung

6) Belastungen des Versailler Vertrages

7) Spaltung der linken Parteien macht die Republik schwach

8) Die Verfassung war eine Mixtur aus verschiedenen Einzelinteressen, ein großer Kompromiss um die vielen kleinen Extreme zu beruhigen

9) Zu wenig Mut zu mehr Demokratie, man vertraute dem System nicht (Erbe des Bismarckschen Systems)

10) Die politische Auseinandersetzung wurde immer gewaltsamer, Bürgerkrieg satt Diskussion

11) Verharmlosung von Rechtsextremismus durch die Justiz

12) Fast durchgehend wirtschaftliche Probleme

ð Die Rufe nach einem „starken Mann“, der endlich wieder Ruhe, Ordnung und Sicherheit schafft, wurden laut.

Vergleich Weimarer Verfassung/ Grundgesetz der BRD

Weimarer Verfassung

Grundgesetz der BRD

Mächtiger Reichspräsident, „Ersatzkaiser“, wird direkt vom Volk gewählt (7 Jahre)

Bundespräsident hat vorwiegend repräsentative Aufgaben, ein Vetorecht, wird von der Bundesversammlung gewählt (5 Jahre)

Stellung der Grundrechte ist nicht geschützt (nicht einklagbar sowie abänderbar)

Stellung der Grundrechte ist geschützt (Art. 1- 20)

Wahlrecht mit 20, passiv ab 35

Passives & aktives Wahlrecht ab 18

Verhältniswahl

Personalisierte Verhältniswahl (Erst- und Zweitstimme) mit Sperrklausel (5%)

Reichsrat (Ländervertretung) hat wenig Einfluss

Bundesrat hat Vetorecht, große Beteiligung & Mitbestimmung

Möglichkeit zum Volksentscheid (z.B. Young-Plan, Fürstenenteignung)

Keine Volksentscheide auf Bundesebene, nur auf Landesebene

Vergleich Rätesystem/ Parlamentarische Demokratie

Parlamentarische Demokratie

Rätesystem

Mehrheitsprinzip
Bestimmung der Vertreter ohne klassen- oder produktionsspezifische Unterschiede durch das Wahlvolk

Klassenherrschaft
Organisation des Wahlvolkes in den Vollversammlungen von Betrieben, Truppeneinheiten, bäuerlichen Dörfern etc.

Die Souveränität liegt beim gesamten Staatsvolk

Die Souveränität liegt beim Proletariat

Kompromiss und Koalition

Diktatur

allgemeines Wahlrecht

beschränktes Wahlrecht
öffentliche und direkte Wahl

Gewaltenteilung und Kontrolle

Zusammenfassung aller exekutiven, legislativen und rechtsprechenden Gewalt beim Proletariat; Interessenidentität bei Exekutive, Legislative und Justiz

freies Mandat:
keine Bindung an Weisungen der Wähler

imperatives Mandat:
– Bindung an die Weisungen ihrer Wähler bei allen Entscheidungen
– Kontrolle
– Jederzeitige Abwählbarkeit

Unmittelbarkeit der Wahl bis hinauf in die höchsten Organe parlamentarischer Vertretung.
Diese Organe sind nach dem Prinzip der Gewaltenteilung von der Exekutive und der Justiz getrennt

Bildung eines Rates auf Gemeindeebene, der alle Befugnisse (s.o.) in sich vereinigt
Entsendung von Deputierten durch die Räteversammlungen in den Rat der nächsthöheren Organisationsebene, die Räte oberhalb der Gemeindeebene sind also durchweg aus mittelbarer Wahl hervorgegangen

In der geschichtlichen Wirklichkeit ist die Rätedemokratie ein Mittel, um bisher benachteiligte Gruppen (Proletariat) gegenüber dem politisch etablierten Bürgertum Einfluss zu bringen. Daraus erklärt sich die Abkehr vom Prinzip der Gewaltenteilung.


Quellen:

Kompakt-Wissen Geschichte (Ulrich Winkler) ISBN 978-3894496623

Geschichtsbuch Oberstufe Band 1, ISBN 978-3464643013

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