https://en.wikipedia.org/wiki/File:Casino_Royale_2_-_UK_cinema_poster.jpg
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»Faites vos jeux!« Wann genau die erste Einladung dieser Art erfolgte, steht nicht fest, doch gehört der französische Spruch seit jeher zum Roulette dazu. Die Geschichte dieses besonderen Glücksspiels gestaltet sich sehr bewegt – wir werfen einen Blick auf die Entwicklung des Roulettes.

 

Traditionsspiel mit antiken Wurzeln?

Das Roulettespiel besitzt eine lange Tradition, die eng mit der Geschichte des Casinos verwebt ist. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein gehörte das bekannte Glücksspiel mit der rollenden Kugel zu einer nur kleinen Auswahl offizieller Casinospiele, hinzu kamen einige traditionelle Kartenspiele. Die große Auswahl an Glücksspielen, die die heutigen Spielbanken bieten, hat sich erst nach dem 2. Weltkrieg allmählich entwickelt. Das drehende Rad jedoch könnte sogar aus der Antike stammen, es fasziniert aber mindestens seit dem 17. Jahrhundert nicht nur passionierte Glücksspieler, sondern auch mathematisch begeisterte Menschen, die ein Faible für Wahrscheinlichkeitsrechnung haben.

Dass das Roulettespiel antike Wurzeln besitzen soll, basiert eher auf Vermutungen als auf handfeste Fakten. In römischen Feldlagern soll das Glücksspiel angeblich erlaubt worden sein, um die Soldaten zwischen den einzelnen Schlachten zu beschäftigen. Nach der Theorie einzelner Wissenschaftler ließen die Kämpfer ihre Kugeln auf Wagenrädern oder Schilden rotieren. In anderen Lehrmeinungen sind die Ursprünge des Roulettes im antiken China zu suchen, die Chinesen sollen ein horizontales Rad dazu genutzt haben, um einen hineingeworfenen Stein ins Rotieren zu bringen. Reisende Dominikaner-Mönche haben dann dieses Spiel für sich entdeckt und in Europa etabliert. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Parallelentwicklung, denn die menschliche Erfindungsgabe ist bekanntlich breit gestreut.

Unbestritten ist jedoch, dass in Frankreich die erste europäische Blüte des Roulettes stattfand. Der Mathematiker, Literat und Naturwissenschaftler Blaise Pascal soll im Jahr 1655 die Kugel schlussendlich ins Rollen gebracht haben, als er die Faktoren der Wahrscheinlichkeitsrechnung genauer erforschte. Er baute sich zu diesem Zweck ein drehbares Rad mit 36 durchnummerierten Fächern und setzte Rad und Kugel in entgegengesetzte Richtungen in Bewegung.

Im Jahr 1842 nahmen sich die Brüder Louis und Francois Blanc der Erfindung ihres Landsmannes an und ergänzten die 36 Fächer durch ein weiteres, das sie mit einer 0 – Zéro – beschrifteten. Damit wurde das Roulette endgültig zu einem perfekten Glücksspiel. Glücksspielfreunde fügten später noch eine Doppelnull hinzu, die sich allerdings nur im amerikanischen Roulette etablierte und auch heutzutage noch Anwendung findet. Da alle Zahlen eines Rouletterades in der Summe 666 ergeben, die berühmte Zahl des Antichristen, kam schnell das Gerücht auf, die Blanc-Brüder seien einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, als sie das schwarz-rote Rad vervollständigten.

Ludwig XV, der Sohn des berühmten Sonnenkönigs, der Frankreich von 1715 bis 1774 regierte, bemühte sich im Folgenden die zügige Ausbreitung des Glücksspiels in seinem Reich zu unterbinden. Die Spielbanken gehörten Ludwigs größtem Widersacher, dem Herzog von Orléans, der seine Finanzen mit den Einnahmen aus dem Glücksspielbetrieb stetig aufbesserte. Doch die Mühen des Königs blieben ohne Erfolg, denn seine Verbote blieben zum größten Teil unbeachtet. Napoleon Bonaparte nahm schließlich das Roulette-Verbot wieder zurück, der Pariser Palais Royal durfte sich unter seiner Herrschaft ganz legal dem inzwischen in weiten Kreisen bekannten Glücksspiel widmen.

 

Das Roulettespiel erstmals in Deutschland

Bad Homburg
Bad Homburg

Der Weg von Frankreich nach Deutschland ist nicht weit: Der hessisch-homburgsche Landgraf Ludwig erlaubte den französischen Brüdern Blanc, ein Casino in Bad Homburg zu eröffnen. Im Mai 1841 war es schließlich soweit und der Glücksspielbetrieb hielt in dem verschlafenen Ort am Rande des Taunus erstmals Einzug. Bald schon trafen sich an Bad Homburger Roulettetischen die internationale Prominenz sowie zahlreiche Kururlauber, die in exklusiver Atmosphäre ihr Glück auf die Probe stellten. Dass das Bad Homburger Casino auf die Doppelnull verzichtete und damit die Gewinnchancen der Spieler erhöhte, kam dem Spielbetrieb wahrscheinlich sehr zugute. Die Stadt erlebte eine wirtschaftliche Blütezeit, die unter anderem zur frühen Einführung einer öffentlichen Straßenbeleuchtung führte.

Bis zum Jahr 1864 gab es im Deutschen Bund insgesamt zwölf Spielbanken, die sich hauptsächlich in den kleineren Teilstaaten befanden. Die Fürsten von Kurhessen, Nassau, Mecklenburg-Schwerin und Waldeck erhielten so die Möglichkeit, ihre Finanzen aufzubessern und ihrem Herrschaftsgebiet dadurch eine verbesserte politische Stellung zu verschaffen. So diente das Roulettespiel indirekt dazu, bestimmte Regionen in Deutschland aufzuwerten und die wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen.

 

Juristische Widrigkeiten und neuzeitliche Ausprägungen

Im Deutschen Kaiserreich erfolgte zum Ende des Jahres 1872 ein Verbot aller Spielbanken, das brachte sowohl das Rouletterad als auch den wirtschaftlichen Aufschwung Bad Homburgs zum Stillstand. Erst 67 Jahre später feierte Deutschlands ältestes Casino seine Neueröffnung – natürlich inklusive neuer Roulettetische. Bad Homburg erlangte den ehrenvollen Titel »Mutter von Monte Carlo«, als Standort der ältesten Spielbank Deutschlands.

Mit Beginn der technologischen Revolution änderte sich auch das Glücksspiel fundamental. Wurde vor wenigen Jahren noch ausschließlich in Casinos und Spielbanken gezockt, so entstand mit Einzug des Internets nun eine völlig neue Möglichkeit, um jederzeit und überall an spannenden Spielen teilnehmen zu können. Auf renommierten Anbietern lässt sich so mittlerweile Roulette zeit- und ortsunabhängig zocken – auch ohne ein Casino wie in Bad Homburg besuchen zu müssen. Regelmäßige neue Inventionen wie das Live-Casino, welches echtes Casino-Flair in die digitale Welt überträgt, sorgen für eine stetige Weiterentwicklung des populären Klassikers.

 

Gesellschaftliche Relevanz von Glücksspiel

Die Geschichte des Roulettespiels wurde stets eng von einem gesellschaftlichen Wandel begleitet. Zunächst erfreuten sich ausschließlich gehobene Schichten und Adelige an dem Nervenkitzel, den die rollende Kugel mit sich bringt, doch im frühen 19. Jahrhundert stellten sich allmählich Veränderungen ein. Das Volk entdeckte das spannende Freizeitvergnügen nach und nach für sich, die exklusive Atmosphäre berühmter Spielbanken verweist jedoch noch immer auf die Ursprünge der gehobenen deutschen Casino-Tradition.

Auch in Literatur und Film wurde das Thema »Roulette« immer wieder aufgegriffen. Der passionierte Glücksspieler Fjodor Dostojewski, der auch am Bad Homburger Roulettetisch zu Gast war, brachte im Jahr 1866 das Buch »The Gambler« (Deutsch: Der Spieler) heraus und zahlte mit den Verkaufserlösen seine Spielschulden ab. Der Roman enthält zahlreiche Roulette-Szenen. Auch George Elliot nahm sich 1876 dieses Themas an, in seinem Roman »Daniel Deronda« verpfändet eine junge Frau ihre Halskette, um weiter am Roulettespiel teilnehmen zu können. Daniel Deronda löst das Schmuckstück letztlich für die junge Dame aber wieder aus. Unvergessen bleibt natürlich auch der James-Bond-Roman »Casino Royale« von Ian Fleming aus dem Jahr 1953, der später verfilmt wurde. Der berühmte Agent lässt sich auch in den darauf folgenden Abenteuern immer wieder am Roulettetisch nieder. Fans haben sogar bereits James-Bond-Systeme entwickelt, das bei dem beliebten Glücksspiel zum Erfolg führen soll.

Der Traum von Glück und Reichtum ist und bleibt eine starke Triebfeder der Menschheitsgeschichte. Am Roulettetisch hat sich schon mancher Spieler die Frage gestellt: Ist das Glück berechenbar? Die Antwort kennen wir bis heute nicht.