Das nördliche Syrien war eine der Keimzellen der Entstehung der Landwirtschaft: Während der Mittleren Steinzeit herrschten hier günstige klimatischen Bedingungen: Niederschläge zwischen 300mm (= Wald) und 150mm (= Steppe) führten dazu, dass der “Fruchtbare Halbmond” viel breiter war als heute.

Abu Hureyra war eine mittel- bis jungsteinzeitliche Siedlung am Euphrat und die größte Siedlung in der Region mit Tausenden von Einwohnern; sie ernährten sich mit Hilfe von “Wüstendrachen” noch lange nach Entwicklung der Landwirtschaft überwiegend von der Gazellenjagd. Erst als durch Überjagung diese Herden fast vernichtet waren, ernährten sich die Bewohner von Schafen, Ziegen und der Landwirtschaft. Es waren aber immer noch genug Tiere da, dass diese Art von Gazellenjagd in gemauerten, kilometerlangen Fanggehegen noch im letzten Jahrhundert von Arabern betrieben werden konnte. Als im 6.Jt.v.Chr. die Niederschläge zurückgingen, wurde die Landwirtschaft immer schwerer, und um 5500 v.Chr. waren die Böden der Umgebung so übernutzt, dass die Siedlung aufgegeben werden musste.

Literatur:

Andrew T.Moore: Ein vor-jungsteinzeitliches Bauerndorf am Euphrat. In: Spektrum Verständliche Forschung: Siedlungen der Steinzeit. S.72-79.

Anthony J.Legge, Peter A.Rowley-Conwy: Gazellenjagd im steinzeitlichen Syrien. In: Spektrum Verständliche Forschung: Siedlungen der Steinzeit. S.80-89.

Ella van der Meijden Zanoni: Syrien – Wiege der Kultur. Zu einer Ausstellung im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig. In: Antike Welt 1998, S.495ff.

Ebenso wichtig für die Entwicklung der späteren Stadtkultur wie die große Zahl von jagdbarem Wild und fruchtbaren Böden war die Lage an Flüssen, die gute Handelsverbindungen zwischen Mittelmeer, Anatolien, Südmesopotamien, Indien und Innerasien garantierten. Zu Beginn des 3.Jts. v.Chr. kam es (unter Einfluss veränderter Umweltbedingungen ? Durch Einwanderungswellen in Mesopotamien, die auch Auswirkungen auf Syrien hatten ?) zu einem “Urbanisierungsschub”, der beinahe gleichzeitig in Mesopotamien, in Syrien, aber auch in Troja, an der Levante und anderswo zur Entstehung städtischer Siedlungen führte. Hintergrund war eine drastische Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion in Verbindung mit einer Perfektion gemeinschaftlicher Vorratshaltung. Der dadurch ermöglichte Überschuss an Nahrungsmitteln machte einerseits Ressourcen frei, die zur Ausbildung einer Zivilisation nötig waren (Handwerk, Verwaltung), andererseits bedurfte sie eines ausgeweiteten Handels und ermöglichte ihn gleichzeitig erst; dadurch konnten die benötigten Rohstoffe aus weit entfernten Regionen besorgt werden. Die einzelnen Zentren waren dabei durch ein Netzwerk wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Beziehungen verbunden. Die effiziente Speicherhaltung, die durch Ausgrabung von Großspeichern festgestellt wurde, legt einerseits nahe, dass eine große Bevölkerung von den Überschüssen zehren konnte, dass aber andererseits auch Händler und Karawanen versorgt werden konnten; die Lage vieler alter Städte an noch älteren Karawanenstrassen legt dies nahe.

Literatur:

Bretschneider: Das Geheimnis von Nabada. In: Spektrum der Wissenschaft 4/99, S.42ff.

Dank für mündliche Auskünfte auch an Joachim Bretschneider (Kath.Uni Leuven und Altoriental.Seminar d. Uni Münster) sowie Annemarie Dietrich (Uni Zürich)

Nachdem die Entwicklung der Städte in Syrien an Elan verloren hatte, nahm Mesopotamien einen Aufschwung durch die Übernahme der in Anatolien und Syrien entwickelten landwirtschaftlichen Methoden. Die Böden der Schwemmlandebenen waren leicht bearbeitbar, Überschwemmungen sorgten für Nachschub an Nährstoffen (Schwemmböden sind normalerweise durch die andauernden Ausspülungen während der Überschwemmungen nährstoffarm), machten jedoch Kanalisierungen (Drainage zur Bewässerung auch flussentfernter Äcker sowie zur Trockenlegung der versumpften Niederungen, dazu Verbesserung der Flussschifffahrt und Hafenanlagen), immer wieder neue Vermessungen und Schutz vor Nachbarn nötig. Daher wurden in dieser Zeit Mathematik, Schrift und staatliche Organisation entwickelt.