Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus am Beispiel der Roten Kapelle

 

Welche Motivation und soziale Herkunft hatten die Frauen?

 

von Name d. Red. bekannt, Historikerin

 


 

TEIL 1

 

1. EINLEITUNG

1.1. Frauen im Nationalsozialismus und im Widerstand

2. ARBEITERWIDERSTAND UND DIE ROTE KAPELLE

2.1 Kommunistischer Widerstand

2.2 Rote Kapelle

 

1. Einleitung

„Am Ende des Hofes stand ein kleines Backsteingebäude, in dem an einer schweren Eisentrosse unter der Decke fünf schwarze Fleischerhaken befestigt waren, die massiver aussahen als die blanken Haken, an denen in Schlachthäusern Rinder aufgehängt werden.“[1]

Das Bild mit den fünf Fleischerhaken ist uns allen bekannt. Diese Haken wurden 15. Dezember 1942[2] auf Befehl der Führung der Nationalsozialisten montiert, um an einer Widerstandsgruppe ein Exempel zu statuieren. Am 22. Dezember 1942 starben hier die Schlüsselfiguren der Harnack/Schulze-Boysen Organisation – in der Folge Rote Kapelle genannt – Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen, John Graudenz, Kurt Schumacher und Rudolf von Scheliha durch Erhängen. Am gleichen Tag starben durch das Fallbeil Libertas Schulze-Boysen, Elisabeth Schumacher, Ilse Stöbe, Hans Coppi, Kurt Schulze und Horst Heilmann. Alle wurden am 19. Dezember 1942 durch den Chefankläger des Reichsgerichtshofs Manfred Roeder wegen Hochverrats zum Tode verurteilt.

Im ersten Teil der Serie geht es um die Frauen und ihre Arbeitssituation gegen Ende der Weimarer Republik, die NS-Ideologie im Bezug auf die weibliche Bevölkerung Deutschlands und den Frauenwiderstand und den Arbeiterwiderstand. Hier stehen der kommunistische Widerstand und die Rote Kapelle im Vordergrund. In diesem grossen Bereich des Widerstandes kann in dieser Serie nur der Bereich untersucht werden, der im Zusammenhang mit der Roten Kapelle stehen.
Der zweite Teil der Serie erforscht die Frauen der Roten Kapelle. Neben der sozialen Herkunft und Motivation gehe ich auf die Arbeit der Frauen innerhalb der Gruppe ein und darauf, in wie weit sie sich mit dem kommunistischen Widerstand decken. Im zweitletzten Kapitel betrachte ich dann die Rote Kapelle nach 1945, auch hier mit dem Blick auf die Frauen.

 

1.1. Frauen im Nationalsozialismus und im Widerstand

Wenn man sich mit dem Frauen-Widerstand beschäftigt, kommt man nicht darum herum, die Lebenssituation der Frauen in der ausgehenden Weimarer Republik und dem Dritten Reich sowie die NS-Frauenideologie genauer zu betrachten.
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges lag der Frauenanteil in der deutschen Bevölkerung bei 54 Prozent[3]. Sie waren in den Arbeitsprozess eingebunden und hatten seit 1919 das aktive und passive Wahlrecht. In der Weimarer Republik waren viele Frauen in der sozialdemokratischen oder in der kommunistischen Partei aktiv. Diese Politikerinnen waren den Nationalsozialisten schon während dieser Zeit ein Dorn im Auge. Denn die NSDAP war eine reine Männerpartei, Frauen spielten darin keine tragende Rolle. Neben den politisch aktiven Frauen waren viele in den Arbeitsmarkt integriert. 1925 lag der Anteil der arbeitenden weiblichen Angestellten bei 51,5 Prozent, dieser sank dann infolge der Wirtschaftskrise auf 49,3 Prozent[4]. Während des Dritten Reiches stieg der Anteil der arbeitenden Frauen. Vor allem die Rüstungsindustrie beschäftigte einen grossen Teil der Frauen.

Die Vorstellung über die Frauenpolitik der Nationalsozialisten fasste Hitler am Reichsparteitag der NSDAP vom 8. September 1934 in Nürnberg vor der NS-Frauenschaft zusammen:

„Wenn früher die liberalen intellektualistischen Frauenbewegungen in ihren Programmen viele, viele Punkte enthielten, die ihren Ausgang vom so genannten Geiste nahmen, dann enthält das Programm unserer nationalsozialistischen Frauenbewegung nur einen einzigen Punkt, und dieser Punkt heißt das Kind. (…) Was der Mann an Opfern bringt im Ringen seines Volkes, bringt die Frau an Opfern im Ringen um die Erhaltung dieses Volkes in den einzelnen Zellen. (…) Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für das Sein oder Nichtsein ihres Volkes.“ [5]

Die Nationalsozialisten sahen in einem weiblichen Wesen nicht die Frau, sondern die Mutter, die sich um Mann, Familie, Kinder und Haushalt kümmern muss, um so dem Volkswohl zu dienen. Die Mutterschaft wurde überbetont, um so zu verdeutlichen, dass das weibliche Geschlecht für verantwortliche Positionen in Beruf und Gesellschaft nicht taugte. Sie verloren das passive Wahlrecht, wurden aus dem öffentlichen Dienst herausgedrängt, und der Zugang zu den Universitäten wurde auf 10 Prozent für Neuimmatrikulationen beschränkt.[6] Zahlreiche Berufe waren für die Frauen nicht mehr zugänglich. Dazu gehörten juristische Berufe und leitende Stellungen im Gesundheitswesen. Mit diesen Massnahmen versuchten die Nationalsozialisten, das Familienleben zu politisieren. In der Propaganda wurde die Mutter als der Inbegriff des Frauseins dargestellt, und viele Frauen fanden es reizvoll, propagandistisch umworben zu werden und passten sich den nationalsozialistischen Normen an.
Nach dem Beginn des zweiten Weltkrieges, im September 1939, änderten sich diese Einschränkungen. Jetzt mussten die Frauen dort einspringen, wo die Männer, die eingezogen worden waren, fehlten. Sie wurden zu militärischen Hilfeleistungen verpflichtet, und ab 1940/41 kamen Ausbildungen als Telefonistinnen, Fernschreiberinnen und Funkerinnen dazu.
Trotz der Gefahren, die vom Regime ausgingen, beteiligten sich einige Frauen am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Der Frauenanteil am gesamten Widerstand im Dritten Reich lag bei schätzungsweise 15 Prozent[7]. Diese Frauen hatten nicht die Möglichkeit, das Regime zu stürzen oder den Krieg zu verhindern, dennoch sahen die Nationalsozialisten in ihnen eine Gefahr für die Volksgemeinschaft.[8] Sobald ihre Namen bekannt wurden, waren sie der Verfolgung durch die Gestapo ausgesetzt.
Wenn man zwischen verschiedenen Milieus und möglichen Gründen für die Verfolgung durch die Gestapo unterscheidet, sieht die Beteiligung von Frauen wie folgt aus: Laut Gestapoakten waren fünf bis zehn Prozent politisch Verfolgte, 20 bis 25 Prozent wurden aus religiösen Motiven verfolgt, davon der grösste Anteil Zeugen Jehovas (Jüdinnen sind in dieser Zahl nicht enthalten), und 15 bis 22 Prozent wurden aus Alltagskonflikten heraus verfolgt. Viele der Frauen, die am Widerstand teilnahmen, wurden durch die Arbeiterbewegung geprägt. Sie waren in der Sozialdemokratischen oder Kommunistischen Partei organisiert und stammten vorwiegend aus der Unter- oder Mittelschicht.
Das politische Leben spielte sich ohne grossen Einfluss von Frauen ab, viele von ihnen waren unpolitisch. Das widerspiegelt sich ebenfalls in der Widerstandsarbeit wieder. Ihre Haupttätigkeit beschränkte sich auf das Verteilen von Flugblättern, Sammeln von Geldern, Übersetzungen von Flugblättern und Predigten sowie das Abhören von ausländischen Sendern. Eine spezifische Form von Frauenwiderstand lag laut Ludwig Eiber[9] „vor allem im weiten Bereich der Hilfe für Verfolgte.“ Sie unterstützen die Familien von verhafteten Freunden mit Lebensmittelkarten oder der Betreuung ihrer Kinder.
Zusammengefasst kann man sagen, der Widerstand der Frauen reichte vom Verweigern des Hitlergrusses bis hin zur aktiven Teilnahme an der Verteilung von Flugblättern an öffentlichen Plätzen oder Gebäuden.

 

2. Arbeiterwiderstand und die Rote Kapelle

Bevor die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, gab es schon einen Widerstand aus der Arbeiterbewegung heraus. Gewerkschaften, Sozialdemokraten, Kommunisten und Sozialisten setzten sich gegen die Ideen Hitlers zur Wehr. Ein gemeinsamer Widerstand konnte aber nicht zustande kommen, weil sich die Sozialdemokratische und die Kommunistische Partei gegenseitig anfeindeten.
Nach der Machtergreifung vom 30. Januar 1933 und dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 wurde die Verfolgung gegen Kommunisten und Sozialdemokraten intensiver. Zahlreiche Menschen wurden inhaftiert, nur einigen gelang die Flucht ins Ausland, wo sie ihren Kampf gegen das Regime fortzusetzen versuchten.

 

2.1 Kommunistischer Widerstand

Nach dem 30. Januar 1933 rief die Kommunistische Partei zum offenen Protest auf. Da sie nur mit einer kurzen NS-Herrschaft rechnete, versuchte sie, mit Demonstrationen und Flugblättern gegen die NSDAP vorzugehen. Diese Aktionen führten zu Festnahmen und zu der Lahmlegung der kommunistischen Führung. Nach dem Reichstagsbrand verstärkten die Nationalsozialisten die Verfolgung. Nach den ersten Verfolgungswellen nahmen die übrig gebliebenen Kommunisten ihre Widerstandstätigkeit wieder auf. Sie versuchten mit propagandistischen Aufklärungsschriften die Bevölkerung über die neuen Machthaber aufzuklären. Zahlreiche Flugblätter zu aktuellen Ereignissen, Zeitungen in Kleinformat und Streuzettel wurden produziert und verteilt.[10] Die Kommunisten waren meist langjährige Mitglieder der Partei, ihre politischen Vorbilder lagen in der Sowjetunion. Viele der Widerstandsgruppe Rote Kapelle waren in der Weimarer Republik schon Mitglieder der Kommunistischen Partei oder des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands. Trotz dieser politischen Haltung passten die Mitglieder der Roten Kapelle nicht in das klassische Bild eines Kommunisten. Sie gehörten eher dem Bildungsbürgertum an als dem Arbeiter- oder Handwerkermilieu, welches einen großen Teil der Klientel der KPD ausmachte. Walter Küchenmeister zum Beispiel wurde 1926 aus der KPD ausgeschlossen und war eher der Typus des Bildungsversessenen Arbeiters, der sich über seine Tätigkeit als Parteijournalist hinaus ausführlich mit kunst- und kulturhistorischen Arbeiten beschäftigte[11].
Ein wichtiger Unterschied zwischen der Roten Kapelle und den anderen kommunistischen Organisationen war die Verbindung zum sowjetischen Nachrichtendienst. Alle anderen Tätigkeiten wie das Verteilen von Flugblättern waren in beiden Organisationen gleich. Über die Verbindung zum Nachrichtendienst gehe ich im nächsten Kapitel näher ein.

 

2.2 Rote Kapelle

Der Name Rote Kapelle ist ein von der Gestapo geschaffenes Organisationskonstrukt. Sie machten aus einer namenlosen Widerstandsbewegung eine Spionagegruppe mit kommunistischem Hintergrund. Der Name der Gruppe leitet sich aus der Geheimdienstsprache ab. Darin wird jemand, der ein Morsegerät betätigt, als Pianist bezeichnet; eine Gruppe von Pianisten nennt man Kapelle und „rot“ ist traditionell die Bezeichnung der kommunistischen Todfeinde.[12]
Die Personen, die 1942 von der Gestapo verhaftet wurden, gehörten zu unterschiedlichen autonomen Gruppen und Einzelpersonen. Das waren:

Leopold Treppers Netz der nachrichtendienstlichen Stützpunkte in Frankreich und Belgien im Auftrag des sowjetischen militärischen Nachrichtendienstes (GRU[13])
Anatoli Gurewitsch, Deckname Kent. Er war für die GRU als Résident in Belgien tätig.
Konstantin Jefremow, Deckname Charles, arbeitet mit dem Funker Johann Wenzel, Deckname Hermann zusammen. Verbindungen bestanden nach Holland, Deutschland und in die Schweiz.
Die Gruppe um Anton Winterink, Deckname Tino, in Holland
Sandor Rado, Deckname Dora, installierte in der Schweiz ein Netz der GRU.
Henry Robinson, Deckname Harry; er hatte Verbindungen zur französischen Résistance.
Die Widerstandskreise um Arvid Harnack und Harro Schulze Boysen, Deckname Choro.
Der Legationsrat im Auswärtigen Amt Rudolf von Scheliha und dessen Umfeld.
Diverse Fallschirmspringer, die nach Deutschland kamen, um mit einzelnen Gruppen Kontakt aufzunehmen.
Anlaufpartner der Fallschirmspringer in Deutschland.[14]

Die nationalsozialistische Führung verknüpfte diese Gruppen und Personen miteinander und konstruierte eine vom Ausland gesteuerte Spionageorganisation. Dies wurde dann in der Nachkriegsliteratur aufgenommen und weiter miteinander verknüpft.
In Wahrheit war die Widerstandsorganisation ein komplexer Freundschaftskreis, der sich unabhängig von einander um Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen, dem Ehepaar Kuckhoff und Hans Coppi bildete. Diese verschiedenen Freundschaften gingen auf die Zeit kurz vor Ende der Weimarer Republik zurück.
Die Rote Kapelle gehörte zu den bedeutendsten Gruppierungen der deutschen Opposition. Sie waren bis zu ihrer Auflösung durch die Gestapo mehr als acht Jahre lang tätig.[15] Laut der Gestapo-Akten waren es Kommunisten, doch so eindeutig lässt sich die Organisation nicht einordnen. Es kamen verschiedene politische und weltanschauliche Motivationen zusammen. Diese reichten von der christlichen Verantwortungsethik, der parteipolitischen Bindung an die Kommunisten und die Sozialdemokraten über politische Prägungen durch die alternative Jugendkultur der Weimarer Republik oder den Liberalismus des Bürgertums bis hin zu den Nationalrevolutionären und nationalbolschewistischen Einflüssen.[16]
Jede der Freundschaftsgruppen hatte eine andere Zusammensetzung. So war Harro Schulze-Boysen der Herausgeber der linksliberalen Zeitschrift „Gegner“. Arvid Harnack gründete zusammen mit Friedrich Lenz die Gruppe „ARPLAN“[17]. Sie studierten die sowjetische Planwirtschaft und die Vorzüge und Grenzen einer staatlichen Wirtschaftssenkung und wollten erreichen, dass Deutschland eine geistige und wirtschaftliche Brücke zwischen Ost und West wird. Dazu reiste die Gruppe 1932 in die Sowjetunion, wo sie wichtige Kontakte knüpften, die für die spätere Widerstandsarbeit noch entscheidend sein konnten. Adam Kuckhoff war der Herausgeber der Kulturzeitschrift „die Tat“. Innerhalb dieses Umfeldes entstand eine Gesprächsgruppe, die sich der Tat-Kreis nannte. Die Gruppe um Hans Coppi kam vorwiegend aus der kommunistischen Jugendbewegung. Einige darunter hatten schon mit den Nationalsozialisten Erfahrungen gemacht, weil sie kommunistische Flugblätter verteilt hatten.
Zwischen 1933 und 1939 war der Widerstand der einzelnen Gruppen ein Versuch, die aus der Weimarer Republik gewonnene politische und kulturelle Identität zu behaupten. Sie trafen sich zu Gesprächsgruppen, um über die aktuellen Ereignisse zu diskutieren. Dabei lernten sich das Ehepaar Kuckhoff und Schulze-Boysen näher kennen. Greta Kuckhoff war schon seit ihrer Studienzeit mit den Harnacks bekannt, und so kamen sich die verschiedenen Freundeskreise näher. Mit dem Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts vom 23. August 1939 begann eine engere Zusammenarbeit. Arvid Harnack meinte im Beisein von seiner Frau und dem Ehepaar Kuckhoff zu dem Hitler-Stalin-Pakt:

„(…) Es ist doch völlig klar, dass Hitler den Krieg gegen die Sowjetunion nun noch zielstrebiger vorbereiten wird – ökonomisch ist er vorläufig noch nicht soweit. Grad deshalb wird er schnellstens versuchen, anderer Völker Rohstoffe und Produktionskapazitäten in seine Gewalt zu bekommen.“[18]

Ab 1940 kam dann die Jugendgruppe um Hans Coppi zur der Roten Kapelle dazu. Es begann eine intensive Widerstandstätigkeit, die bis 1942 andauerte. Auslöser dafür waren der Kriegsverlauf und die militärischen Vorbereitungen für den Überfall auf die Sowjetunion. Harro Schulze-Boysen erfuhr bei seiner Arbeit im Reichsluftfahrtministerium von diesen Plänen, und zusammen mit Arvid Harnack, der seit seiner Reise in die Sowjetunion Kontakte zur sowjetischen Botschaft hatte, entschieden sie, mit der Botschaft Kontakt aufzunehmen, um die Pläne zu verraten. Sie waren „von der westlichen Appeasementpolitik gegenüber Hitler“ enttäuscht und „sahen in der Sowjetunion die einzige reale Macht, den Weltherrschaftsambitionen der NS-Führung Einhalt gebieten konnten“.[19] Die Angriffspläne wurden von der Leitung des sowjetischen Nachrichtendienstes mit Argwohn betrachtet, dennoch wollten sie die Rote Kapelle als Informationsquelle nutzen.[20] Sie übergaben der Gruppe Mitte Juni 1941 zwei Funkgeräte, um so einen möglichen Nachrichtenstützpunkt aufzubauen. Die Leitung eines solchen Stützpunktes sollte Arvid Harnack übernehmen. Er weigerte sich aber und stellte sich lediglich für die Verschlüsselung von Nachrichten zur Verfügung. Einzelne Mitglieder, vor allem Frauen, stellten ihre Wohnungen den Agenten des sowjetischen Nachrichtendienstes als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung.

Zwischen 1941 und 1942 verfassten die verschiedenen Gruppen, hier vor allem die Schulze-Boysen Gruppe, Flugblätter, welche die Bevölkerung über die Verbrechen des Regimes aufklären sollten. Das Flugblatt AGIS[21] zum Beispiel verteilten sie auf dem Postweg an ausgesuchte Personen in Berlin. Neben den Flugschriften organisierten die Schulze-Boysen-Organisation und Schüler aus dem Heilschen Abendgymnasiums eine Zettelaktionen im Berliner Lustgarten, um gegen die Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies“ zu protestieren. Zwanzig Männer und Frauen klebten am 18. Mai 1942 die Zettel:

„Ständige Ausstellung,
Das Nazi-Paradies, Krieg, Lüge, Gestapo,
Wie lange noch?“

an Bäume und Hauswände.[22]

Einen wichtigen Teil dieser Arbeit übernahmen die weiblichen Mitglieder der Gruppe.

 

Lesen Sie in TEIL 2 der Serie: Die Frauen in der Roten Kapelle

_______________________________________

[1] Stefan Roloff. Die Rote Kapelle, Die Widerstandsgruppe im Dritten Reich und die Geschichte Helmut Roloffs, Ullstein, München, 2004, S. 7

[2] Ebd., S. 252

[3] Christl Wickert, Widerstand und Dissens von Frauen, in: Christl Wickert Frauen gegen die Diktatur – Widerstand und Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland, Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin, 1995, S. 19

[4] Ebd.

[5] Informationen zur politischen Bildung (Heft 254), Frauen in Deutschland, Online Ausgabe, Stand 28. Februar 2006: http://www.bpb.de/publikationen/9GZCD0,7,0,Weg_zur_Gleichberechtigung.html#art

[6] Informationen zur politischen Bildung (Heft 254), Frauen in Deutschland Online Ausgabe, Stand 28. Februar 2006: http://www.bpb.de/publikationen/9GZCD0,7,0,Weg_zur_Gleichberechtigung.html

[7] Wickert , Widerstand und Dissens von Frauen, S.18

[8] Ebd.

[9] Ludwig Eiber, Widerstand der „kleinen Leute“ 1938/1939 bis 1945, in Karl Heinz Roth/Angelika Ebbinghaus (Hrsg.), Rote Kapelle – Kreisauer Kreise – Schwarze Kapellen, Neue Sichtweisen auf den Widerstand gegen die NS-Diktatur 1938 – 1945, VSA-Verlag, Hamburg, 2004, S. 279

[10] Beatrix Herlemann, Kommunistischer Widerstand, in: Wolfgang Benz/Walter H. Pehle (Hrsg.) Lexikon des deutschen Widerstandes, Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001, S. 30

[11] Beatrix Herlemann, Die Rote Kapelle und der kommunistische Widerstand, in: Hans Coppi, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel, Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, 1. Aufl, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, 1994, S. 83

[12] Stefan Roloff, Die Entstehung der Rote Kapelle und die Verzerrung ihrer Geschichte im Kalten Krieg, in Karl Heinz Roth/Angelika Ebbinghaus (Hrsg.), Rote Kapelle – Kreisauer Kreise – Schwarze Kapellen, Neue Sichtweisen auf den Widerstand gegen die NS-Diktatur 1938 – 1945, VSA-Verlag, Hamburg, 2004, S. 190

[13] Glavnoe Razvedivatel’noe Upravlenie – Hauptabteilung Aufklärung beim Generalstab der Roten Armee, die Zentrale des sowjetischen militärischen Nachrichtendienstes in Moskau

[14] Hans Coppi, Die Rote Kapelle im Spannungsgeld, S. 431-433

[15] Jürgen Danyel, Rote Kapelle, in Peter Steinbach, Widerstand gegen die Nationalsozialistische Diktatur 1933 – 1945, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 438, Bonn 2004, S. 396

[16] Danyel, Rote Kapelle, S. 396

[17] „Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft“, wurde 1933 von Hitler aufgelöst.

[18] Greta Kuckhoff, Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle, Ein Lebensbericht, Verlag Neues Leben, Berlin, 1976, S. 243

[19] Boris Chawkin, Hans Coppi, Juri Zorja, Russische Quellen zur Roten Kapelle, in Hans Coppi, Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1994, S. 106 -107

[20] Ebd.

[21] Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk. Das Flugblatt ist bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin erhältlich. Oder Online, Stand 28. Februar 2006: http://www.gdw-berlin.de/b17/bilder/3507.pdf

[22] Hans Coppi, Libertas Schulze-Boysen und die Rote Kapelle, Begleitheft zur Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin auf Schloss & Gut Liebenberg, Online Ausgabe, Stand 28. Februar 2006: http://www.gdw-berlin.de/pdf/2004_Libertas_screen.pdf