Teil 2 der Serie Frauen im Widerstand am Beispiel der Roten Kapelle

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Inhalt

3. Die Frauen der Roten Kapelle

3.1. Die soziale Herkunft

3.2. Motivation zum Widerstand

 


 

3. Die Frauen der Roten Kapelle

Der Frauenanteil der Roten Kapelle war für den Widerstand im Dritten Reich ungewöhnlich hoch. Die Gestapo hatte nach der Verhaftung der Widerstandskämpfer ein Album angelegt, welches bis heute erhalten geblieben ist. In diesem Album zur Roten Kapelle[23] sind 108 Menschen polizeilich fotografiert worden, darunter 42 Frauen. Diese Frauen entsprechen einen Drittel der Mitglieder der Roten Kapelle. Im Zuge der Verhaftungswelle wurden noch mehr Frauen in Gewahrsam genommen, doch ihre Fotos fehlen im Album, da man ihnen keine Verbindung zum Widerstand nachweisen konnte. Andere Frauen hingegen wie zum Beispiel Ilse Stöbe wurden der Widerstandsgruppe zugeordnet. Auch nach heutiger Kenntnis hatte sie keinen Kontakt zu der Gruppe von Schulze-Boysen/Harnack[24]. Beim Durchsehen des Albums fällt auf, dass von ganz jungen Frauen bis zur Rentnerin alle Altersschichten vertreten waren. Die jüngste war Hannelore Thiel mit 17 Jahren, die älteste die 66-jährige Hedwig Raasch, die Mutter von Hilde Coppi. Innerhalb dieser Altersstruktur kann man die Frauen in vier Gruppen einordnen. Die Gruppe der Anfang-20-Jährigen, dann die Gruppe Mitte 20 bis 30, gefolgt von den 30- bis 40-Jährigen und am Schluss die kleine Gruppe ab 40. Die Gruppe zwischen 20 und 30 Jahren war am stärksten in der Roten Kapelle vertreten. Das hat mit den langjährigen Freundschaften, die auf das Ende der Weimarer Republik zurückgehen, zu tun. Wie in der gesamten Roten Kapelle sind auch diese Freundschaftsverbindungen sehr komplex und nur sehr schwer nachvollziehbar.
Für die Gestapo-Kommissare war diese Situation neu, noch nie hatten sie so viele Frauen einer Widerstandsgruppe festgenommen. Eine der ersten war Libertas Schulze-Boysen. Sie wurde am 8. September 1942 beim Versuch Berlin zu verlassen verhaftet. Zuvor konnte sie noch einiges an belastenden Materialien vernichten. Ihre Vernehmung übernahm der Kriminalsekretär Alfred Göpfert. Dieser dachte sich eine besondere Methode aus, um an Informationen heranzukommen. Er setzte die Sekretärin Gertrud Breiter als Spitzel in die Zelle von Libertas. Diese versuchte durch die angeblich Verurteilte ihre Freunde zu warnen und belastete damit viele von ihnen. Heinz Höhne stellte in seinem Buch „Kennwort Direktor“[25], die These auf, dass Libertas als Kronzeugin ihr Leben retten wollte. Nach dem heutigen Stand der Forschung gibt es „für diese These, (…) keinerlei Beleg. Alles spricht dafür, dass sie diese Aussagen in gutem Glauben machte.“[26]

Nach der Verhaftung von Libertas Schulze-Boysen und Mildred Harnack – sie wurde am 7. September zusammen mit ihrem Mann verhaftet – folgte die eigentliche Verhaftungswelle. Zwischen dem 12. September und dem 18. Oktober 1942 wurden 39 Frauen in Gewahrsam genommen. Im Gestapo-Album sind jedoch 42 Frauen abgebildet. Drei von den Fotos konnten niemandem zugeordnet werden, ihre Namen und ihre Schicksal sind unbekannt. Deshalb ist in der Folge von 39 Frauen die Rede und nicht von den effektiv fotografierten 42.
Greta Kuckhoff beschrieb das Prozedere folgendermassen:

„Einmal wurden wir abgeholt, aber nicht zur Vernehmung. Unsere Fingerabdrücke wurden genommen. Dann Porträtaufnahmen. Mir musste man nicht zureden, das Kinn hochzuhalten – das war sowieso eine Unart von mir. Ich weiss nicht, ob man Rassenkunde mit unseren Köpfen treiben wollte oder wozu man sonst die überscharfen Fotos von vorn und jeweils von der linken und rechten Seite brauchte. (…) Es geschah in einer entwürdigenden Weise. Sie zupften an meinem Ohr herum, ich habe kein freihängendes Ohrläppchen, sie schienen es als Bestätigung irgendeiner Theorie zu empfinden.“[27]

Von den 39 fotografierten Frauen wurden 18 zum Tode verurteilt. Mildred Harnack-Fish und Erika von Brockdorff wurden zunächst zu sechs bzw. zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, diese wurde in einem zweiten Verfahren in ein Todesurteil umgewandelt. Greta Kuckhoff wurde zunächst zum Tod verurteilt, ihr Gnadengesucht wurde als einziges bestätigt und das Urteil in eine Zuchthausstrafe umgewandelt. Neun Frauen bekamen langjährige Zuchthausstrafen. Zwei wurden ohne einen Prozess in das KZ Ravensbrück überführt und neun Frauen wurden zwischen 1942/43 wieder freigelassen, weil man ihnen keine Widerstandstätigkeit nachweisen konnte.
Wie komplex und weit verzweigt die Widerstandsorganisation war, zeigt sich darin, dass viele Frauen nichts voneinander wussten. Sie lernten einander erst in Haft kennen.
Marta Husemann schrieb als erstes in ihr Hafttagebuch:

„die ganze Abteilung 5 ist voll von unseren Frauen. Es sind sehr viele, die ich nach und nach kennen lerne.“[28]

Bis auf Libertas Schulze-Boysen, Mildred Harnack-Fish, Greta Kuckhoff, Toni Gaudenz und Ilse Stöbe sassen alle Frauen im Gefängnis am Alexanderplatz. Die anderen wurden als besonders gefährlich eingestuft und von den anderen Frauen ferngehalten. Sie waren in der Frauenabteilung des Charlottenburger Gefängnisses untergebracht und kamen erst später ins Gefängnis am Alexanderplatz.

 

3.1 Die soziale Herkunft

Die soziale Herkunft der Frauen war relativ breit. Von der einfachen Herkunft aus dem Proletariat bis zum grossbürgerlichen Haus war alles vorhanden. Die meisten kamen aus wissenschaftlichen, technischen oder künstlerischen Elternhäusern, der kleinere Teil stammte aus Handwerker- oder Beamtenfamilien, und nur jede Siebente kam aus einer Arbeiterfamilie. 15 von ihnen waren schon vor 1933 politisch engagiert. Einige kamen mit der Polizei in Kontakt, weil sie an sozialistischen Demonstrationen teilnahmen. Viele der jüngeren Frauen waren vor der Machtergreifung Mitglied der Kommunistischen Partei oder des KJVD und wurden wegen ihres politischen Engagements verhaftet. Ilse Schaeffer zum Beispiel wurde am 21. Oktober 1936 vom Kammergericht Berlin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie politische Literatur ausgetauscht hatte. Nach zehn Monaten wurde sie vorzeitig entlassen. Davor versuchte die Gestapo jedoch, sie für Spitzeldienste anzuwerben, was sie aber ablehnte.[29].
So unterschiedlich die Herkunft der Frauen auch war, in der Bildung und Berufstätigkeit gab es große Gemeinsamkeiten. Von 36 Frauen kann man anhand des Gestapo-Albums[30] ihren schulischen und beruflichen Werdegang näher betrachten. Bei drei Frauen fehlen diese Angaben. Zehn der Frauen schlossen ihre Schulzeit mit der Volksschule ab. Der weitaus grösste Teil der anderen Frauen besuchte weiterführende Schulen und schloss mit der mittleren Reife ab. Zwölf hatten Abitur und einen Hochschulabschluss. Sechs besuchten eine Handelsschule. Fünf waren Lehrerinnen. Vier absolvierten eine künstlerische Ausbildung und sieben studierten an einer Universität in Berlin. Viele der jüngeren Frauen mussten früh das Gymnasium aus finanziellen Gründen verlassen. so zum Beispiel Ursula Goetze. Nachdem sie das Gymnasium verlassen hatte, besuchte sie die Städtische Höhere Handelsschule in Berlin-Neukölln und liess sich danach als Stenotypistin ausbilden. Nach der Ausbildung legte sie an der Abendschule das Abitur ab und begann 1940 mit einem Studium der Philologie an der Berliner Universität[31].
Die Frauen des Widerstandskreises verband das Bestreben sich weiterzubilden, und sie arbeiteten meist in qualifizierten Berufen. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich die Gruppen über Abendgymnasien, Volkshochschulen oder Privatschulen[32] zu bilden begannen.
Mildred Harnack-Fish studierte in den USA englische Philologie und Literaturgeschichte und schloss 1926 das Studium mit dem Magistra Artis ab. Sie begleitete ihren Mann nach Deutschland und bekam eine Anstellung als Lektorin für amerikanische Literatur an der Berliner Universität. 1932 bis 1936 war sie Lehrerin für englische Sprache und Literaturgeschichte am Berliner Städtischen Abendgymnasium für Erwachsene. An diesem Gymnasium traf sich immer wieder ein Kreis von Studenten zu einem Schulungszirkel und zu politischen Diskussionen unter der Leitung von Mildreds Mann Arvid. Ein Viertel der Frauen sprach mindestens eine Fremdsprache, und ein Drittel lernte durch Reisen oder im Rahmen ihrer Berufsausbildung oder -ausübung andere Länder kennen.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten musste mindestens Maria Terwiel ihre berufliche Laufbahn ändern. Sie war „Halbjüdin“ und studierte in Freiburg und München Rechtswissenschaften. 1933 schrieb sie an ihrer Dissertation, die sie aber aufgrund ihrer Herkunft nie abgab, da sie keine Chance hatte, eine Stelle als Referendarin zu bekommen.
Nicht nur das hohe Bildungsniveau und die politische Aktivität der Frauen wichen von der Norm der Nazi-Ideologie ab. Auch im Familienstand liessen sich die Frauen der Roten Kapelle nicht in das Schema zwängen. 22 Frauen von 39 waren verheiratet und zwölf hatten Kinder, wobei bei vier Frauen diese schon erwachsen waren. Zwölf waren ledig und eine war seit 1914 verwitwet. Zwei Frauen, Hilde Coppi und Liane Berkowitz, waren bei ihrer Verhaftung schwanger und brachten ihre Kinder in der Haft zur Welt. Bei zwei Frauen fehlen diese Angaben.
Die weiblichen Mitglieder der Roten Kapelle wurden von den Männern als gleichberechtigte Partnerinnen angesehen, im Gegensatz zu den Frauen der Verschwörer des 20. Juli 1944. Diese Frauen kamen aus gut- bis grossbürgerlichen und adligen Häusern und genossen eine gute bis sehr gute Schulbildung. Die meisten hatten in jungen Jahren geheiratet und kümmerten sich um die Familie, ganz im Sinn der nationalsozialistischen Ideologie. Sie hielten ihren Männern den Rücken frei und arbeiteten nicht aktiv im Widerstand mit.

 

3.2 Motivation zum Widerstand

Anhand von Biographien und Aufzeichnungen der Frauen kann man ihren sichtbaren Lebensweg nachzeichnen. Was aber schwer nachvollziehbar ist, ist was sie im Innersten bewegte.[33]
Greta Kuckhoff äusserte sich 1975 zu den Motiven, die zur Entstehung der Widerstandsgruppe Rote Kapelle führte, folgendermassen:

„Den Ausgangspunkt für den antifaschistischen Widerstand bildete bei vielen Mitgliedern der „Roten Kapelle“ humanistische Ideale. Aufgewachsen in der geistigen Welt der klassischen deutschen Literatur, Kunst und Philosophie strebten sie nach Menschlichkeit, Gerechtigkeit und einem friedlichem Leben. Sie sahen, dass der Faschismus alle diese Ideale niedertrat und pervertierte. So wuchs der Wille zum Widerstand.“[34]

Die Motive zum Widerstand findet man in der Zusammensetzung der Gruppe. So fanden sich „Christen, Sozialisten, Kommunisten und bürgerlich-humanistisch geprägte Frauen und Männer“[35] zusammen, um gemeinsam gegen das Hitler-Regime zu kämpfen. Ihre Motivation entstand aus den persönlichen Lebenserfahrungen und durch ihre weltanschauliche und politische Überzeugung heraus, nicht aus den ihnen vom Reichskriegsgericht vorgeworfenen niederen Motiven. Manfred Roeder unterstellte der Gruppe, insbesondere den Frauen, unmoralische Menschen zu sein.[36] Oder wie er bei Eva-Maria Buch meinte, sie sei verschlagen wie eine Katholikin und habe die Staatsfeindlichkeit einer Kommunistin.
Nicht alle der 39 Frauen haben Aufzeichnungen hinterlassen. Wenn doch, sind es meistens Briefe und Kassiber von den zum Tod verurteilten Frauen, die erhalten geblieben sind. Diese Aufzeichnungen sagen wenig über die wahren Motive der Verurteilten aus, sondern zeugen eher vom Haftleben und den Sorgen um die Familie. Die Motivation zum Widerstand muss deshalb in ihrem persönlichen und politischen Umfeld gesucht werden.

Libertas Schulze-Boysen wuchs eher unpolitisch auf, und ihre Interessen lagen in der Literatur und dem Schreiben. Sie sympathisierte mit der nationalsozialistischen Bewegung. Nachdem sie am 30. Januar 1933 vor der Reichskanzlei die SA-Kolonnen vorbei marschieren sah, trat sie am 1. März 1933 der NSDAP bei. Mit der Bekanntschaft zu Harro begann sie allmählich, ihre politische Weltanschauung zu ändern und übernahm die oppositionellen Ansichten ihres Mannes. 1937 erklärte sie ihren Austritt aus der NSDAP. Ein Jahr später hilft sie bei der Verteilung einer der ersten illegalen Flugschriften zum Münchner Abkommen.
Cato Bontjes van Beek hingegen wuchs in einem Elternhaus auf, in dem viel über Politik gesprochen wurde. Mietje Bontjes van Beek, die jüngere Schwester Catos, schreibt in ihren Erinnerungen:

„Wir drei Kinder sassen brav und still am Tisch, und versuchten zu verstehen, (…). Als wir grösser wurden, erkannten wir deutlich die Atmosphäre, die das Denken unserer Eltern und ihre politische Haltung bestimmt.“[37]

Die Familie van Beek konnte mit den Nationalsozialisten nichts anfangen, sondern empfand das ganze als eine Bedrohung:

„Wenn auch der Nationalsozialismus Fischerhude äusserlich nicht veränderte und die ländliche Idylle blieb, lebten wir politisch doch wie in einem engen Raum eingeschlossen. Das nahm uns die Luft des freien Atmens fort“.[38]

Cato Bontjes van Beek zog 1939 nach Berlin, um eine Ausbildung als Keramikerin in der väterlichen Werkstatt zu machen. 1940 kamen die so genannten Fremdarbeiter nach Berlin. Als Cato und ihre Schwester diese Frauen und Männer sahen, waren sie erschrocken über diese „hungernden Gestalten (…), so standen sie da, mit apathischen Gesichtern.“[39] Dies veranlasste die beiden jungen Frauen, Kontakt mit den französischen Kriegsgefangenen aufzunehmen. Sie schrieben Briefe an die Franzosen und gaben ihnen Lebensmittel, Zigaretten und andere Dinge für den täglichen Gebrauch. Cato lernte 1941 Libertas kennen und wurde durch sie in den Freundeskreis eingeführt. Zusammen mit ihnen half sie bei der Herstellung des Flugblattes AGIS.

Das grundlegendste Motiv der Frauen und Männer der Gruppe war in allererster Linie das Ziel, die nationalsozialistische Herrschaft zu beseitigen und ab1939 den deutschen Angriffskrieg zu beenden.[40] Hier unterscheiden sie sich nicht vom gesamten Widerstand.

Die Widerstandstätigkeit der Frauen innerhalb der Roten Kapelle war sehr unterschiedlich. Einige benutzten ihr berufliches Umfeld, um Informationen zu sammeln. Libertas Schulze-Boysen arbeitete bei der Kulturfilmzentrale des Reichspropagandaministeriums. Sie sammelte und archivierte Fotografien über Verbrechen der Nationalsozialisten in den besetzten Gebieten. In der Bildstelle baute sie eine Dunkelkammer auf und beschaffte sich einen Schriftkopierapparat. Weiter half sie bei der Akquirierung neuer Mitstreiter und Mitstreiterinnen und verteilte für die Gruppe Flugblätter.
Cato Bontjes van Beek beteiligte sich an dem Flugblatt AGIS „Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk.“
Mildred Harnack-Fish studierte zusammen mit ihrem Mann die russische Planwirtschaft. Sie war Mitglied in der von ihm mitbegründeten ARPLAN und reiste mit der Gruppe vom 20.August – 12. September 1932 in die Sowjetunion. Neben den Bekanntschaften innerhalb der sowjetischen Botschaft pflegte sie auch zu Martha Dodd, der Tochter des amerikanischen Botschafters, eine enge Freundschaft.
Alle Frauen der Roten Kapelle haben sich an den Diskussionsabenden der einzelnen Freundeskreise beteiligt. Mildred Harnack-Fish brachte aus dem Abendgymnasium immer wieder neue Mitstreiterinnen mit. Neben diesen Diskussionszirkeln halfen sie bei den Vervielfältigungen der Flugblätter und deren Versand mit. Maria Terwiel und Joy Weisenborn verbreiteten im Sommer 1941 die Predigten des Bischofs von Münster Graf von Galen gegen Euthanasie in Berlin. Dann halfen sie, politisch und rassisch verfolgte Bürger zu unterstützen und stellten ihre Wohnungen für Treffen oder Übernachtungen zur Verfügung.

Der hohe Frauenanteil der Widerstandsorganisation könnte den Schluss zulassen, sie hätten sich speziell um Frauenfragen gekümmert. Dem war nicht so. In ihren Flugblättern findet man ausser dem Satz: „Die Frauen trauern dem entschwundenen Familien- und Lebensglück nach.“[41] nichts, was auf Frauenpolitik hindeutet. Die Frauen der Roten Kapelle haben die Flugblätter nicht selber verfasst, das war Aufgabe der Männer. Auch die Kontakte zur sowjetischen Botschaft pflegten die Männer. Greta Kuckhoff schrieb in ihrem Lebensbericht, dass sie in vieles nicht oder nur zum Teil eingeweiht worden war, weil die Männer sie und ihren Sohn schützen wollten[42]. Die Frauen waren „an fast allen Aktivitäten beteiligt, doch die entscheidenden Impulse in diesem Widerstandsverbund gingen von den Männern aus.“[43] Viele der Frauen wurden in ihrem Denken und Handeln von den Männern geprägt, wie man bei Libertas Schulze-Boysen sehr gut erkennen konnte. Solche Verbindungen waren in der Roten Kapelle nichts Ungewöhnliches, das kann man auch am Beispiel von Eva Maria Buch sehr gut erkennen. Sie lernte bei ihrer Arbeit in einer Buchhandlung den Kommunisten Wilhelm Guddorf kennen. Durch ihn lernte sie „eine ganz andere als die ihr vertraute Sichtweise auf die gesellschaftlichen Verhältnisse kennen.“ Eva Maria nahm mit ihm an Zusammenkünften der Roten Kapelle teil und beteiligte sich an der illegalen Arbeit ihres Freundes.

 

Lesen Sie in Teil 3: Rote Kapelle nach 1945

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[23] Regina Griebel, Marlies Coburger, Heinrich Scheel, Erfasst? Das Gestapo – Album zur Roten Kapelle, Audioscop, Berlin, 1992

[24] Marlies Coburger, Frauen der Berliner Roten Kapelle in Hans Coppi, Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, 1994, Berlin, S. 93

[25] Hans Coppi, Harro und Libertas Schulze-Boysen, in Hans Coppi, Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin, 1994, S. 201

[26] Johannes Tuchel, Zwischen kriminalistischer Recherche und brutaler Folter. Zur Tätigkeit der Gestapo „Sonderkommission Rote Kapelle“. In Gerhard Paul (Hrsg) Die Gestapo Mythos und Realität, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1995, S. 380

[27] Kuckhoff, Vom Rosenkranz, S. 334 – 335

[28] Corburger, Die Frauen der Roten Kapelle, S. 91

[29] Griebel, Gestapo-Album, S. 186

[30] Folgende Angaben stammen aus dem Gestapo Album und von Beatrix Herlemann, Die Einheit der Vielfalt Frauen der Roten Kapelle, in Christl Wickert, Frauen gegen die Diktatur, S. 99

[31] Griebel, Gestapo-Album, S. 230

[32] Herlemann, Die Einheit der Vielfalt, S. 100

[33] Coburger, Die Frauen der Roten Kapelle, S. 100

[34] www.politeia.uni-bonn.de/archiv/kuckhoff/kuckhoff_a6.html Stand, 28. Februar 2006

[35] Coburger, Die Frauen der Roten Kapelle, S. 100

[36] Roloff, Die Rote Kapelle, S. 253

[37] Mietje Bontjes van Beek, Verbrennt diese Briefe! Kindheit und Jugend im Hitlerreich, Fischerhude Berlin Allgäu 1922 – 1945, Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude, 1998, S. 18

[38] Ebd., S. 45

[39] Ebd., S. 74

[40] Johannes Tuchel, Motive und Grundüberzeugungen des Widerstandes der Harnack/Schulze-Boysen-Organisation, Zum Denken und Handeln von Liane Berkowitz, in Kurt Schilde, Eva Maria und die Rote Kapelle, Erinnerungen an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Overall Verlag, Berlin, 1993, S. 97

[41] Flugblatt der Roten Kapelle: „Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk, S. 1

[42] Kuckhoff, Vom Rosenkranz, S. 259

[43] Coburger, Die Frauen der Roten Kapelle, S. 99