Tenochtitlan war zur Zeit der Konquistadoren eine der größten, schönsten und reichsten Städte der Welt - heute ist Tenochtitlan die mexikanische Hauptstadt Mexiko-Stadt
Tenochtitlan war zur Zeit der Konquistadoren eine der größten, schönsten und reichsten Städte der Welt – heute ist Tenochtitlan die mexikanische Hauptstadt Mexiko-Stadt

 

Noch heute fasziniert die Geschichte von Hernan Cortes, dem Konquistador, die Menschen. Wie konnte dieser Mann mit seiner gerade einmal knapp über 1.000 Mann starken Armee das aztekische Reich mit Millionen Bewohnern stürzen?

 

Wir Spanier kennen eine Krankheit am Herzen, die nur Gold heilen kann

Hernan Cortes

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Hernan Cortes ergreift seine Chance
  2. Der Beginn der Expedition
  3. Das geschwächte Aztekenreich
  4. Die Ankunft in Tenochtitlan
  5. Die Vertreibung aus der Hauptstadt der Azteken
  6. Cortes wird zum Bezwinger der Azteken

 

Hernan Cortes ergreift seine Chance

Hernan Cortes bezwang die Azteken
Hernan Cortes bezwang die Azteken

 

Hernan Cortes stammte aus dem niederen spanischen Adel. Er diente dem Gouverneur von Kuba, Velazquez und stieg unter diesem zum Oberbefehlshaber von Santiago auf. Allerdings kam es bereits in der Zeit auf Kuba zu Verwerfungen mit Velazquez. Dieser hatte Cortes zum Kommandanten einer Expedition nach Mittelamerika ernannt, um dort die enormen Goldvorräte zu sichern. Nachdem Velazquez jedoch vom Ehrgeiz des jungen Cortes gewarnt wurde, entzog er ihm noch vor der Abreise den Oberbefehl – dies hielt diesen aber nicht auf und er segelte mit seiner bereits angeheuerten Mannschaft los, die ca. 700 Mann umfasste.

Hernan Cortes ist 1485 in Spanien geboren und am 02. Dezember 1547 in der Nähe von Sevilla gestorben. Er war Generalgouverneur von Neuspanien und zwang die Azteken in die Knie. Nicht unumstritten, wird sein Wirken heute überwiegend positiv gesehen – er wird als Gründungsfigur des heutigen Mexikos gesehen

Diese Expedition sollte Cortes zu einem der mächtigsten Männer in der Neuen Welt machen.

 

Der Beginn der Expedition

Er konnte 1519 die Chontal-Maya unterwerfen und diese verpflichten, Tribut zu bezahlen. Als sie noch im selben Jahr bei San Juan de Ulua landeten, wurden sie vom Azteken-Herrscher Moctezuma empfangen, der den Konquistadoren große Geschenke machte, um diese zu besänftigen. Cortes Wunsch, Tenochtitlan zu besuchen, wurde ihm aber nicht erfüllt. Die Goldgeschenke brachten die Spanier aber nicht dazu, das Land wieder zu verlassen, sondern stachelten deren Gier noch an.

 

Eine Karte, die den Feldzug der Spanier bis nach Technotitlan zeigt. Die Karte stammt von Yavidaxiu (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Eine Karte, die den Feldzug der Spanier bis nach Technotitlan zeigt. Die Karte stammt von Yavidaxiu (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Da Cortes aber immer noch abhängig von Velazquez in Kuba war, gründete er eine eigene Kolonie, Veracruz, und lies alle Schiffe versenken, um sich und seinen Männern die Möglichkeit einer Rückkehr zu nehmen. Er widersetzte sich den Befehlen von Velazquez – hochverschuldet wäre er ohne einen Erfolg in Mittelamerika als Verräter in Kuba in Ketten gelegt worden. Von der Expedition war das Schicksal des Cortes nunmehr abhängig.

Don Diego Velazquez de Cuellar, Eroberer und Gouverneur von Kuba
Don Diego Velazquez de Cuellar, Eroberer und Gouverneur von Kuba

 

Diego Velazquez wurde 1465 in Spanien geboren und starb 1524 in Kuba. Unter ihm stieg Hernan Cortes auf – es kam aber immer wieder zu Verwerfungen zwischen den Männern. Bei der Eroberung Neuspaniens kam es zwischen den beiden Eroberern zum offenen Kampf. Eine Strafexpedition gegen Cortes konnte dieser aber niederschlagen und sich der Soldaten seines Gegners bemächtigen.

 

Das geschwächte Aztekenreich

Cortes versenkt seine Schiffe und nimmt sich so jede Rückzugsmöglichkeit - damit setzte er sein Schicksal auf eine Karte.
Cortes versenkt seine Schiffe und nimmt sich so jede Rückzugsmöglichkeit – damit setzte er sein Schicksal auf eine Karte.

 

Auf seinem Marsch nach Tenochtitlan konnte Cortes wichtige Erkenntnisse über das gewaltige Aztekenreich gewinnen: Dieses Vielvölkerreich brodelte im Inneren, weil viele unterworfene Stämme gegen die aztekischen Herrscher und deren Grausamkeiten aufbegehren wollten. Mit hohen Tributforderungen und Menschenopfer hatten sich die Indigenen viele Feinde gemacht.  Auch hatten die Azteken kein einheitliches Rechtssystem, keine einheitliche Verwaltung und auch keine einheitliche Sprache. Auch das Gebiet des Reiches war nicht befestigt und geschützt – die große Armee war rein auf Kriegszüge ausgerichtet, mit deren Hilfe man die unterworfenen Völker unter Kontrolle hielt.

So war die Ausgangslage für die Spanier günstig, die die außenpolitische Schwäche der Azteken geschickt für sich auszunutzen wussten.

 

Die Ankunft in Tenochtitlan

Cortez trifft den Fürsten Moctezuma in Technotitlan
Cortez trifft den Fürsten Moctezuma in Technotitlan

 

Am 8. November 1519 kam Cortes in Tenochtitlan an – die Stadt war damals eine der größten und nach den Erzählungen der Spanier auch der schönsten der Welt. Auf dem Marsch nach Tenochtitlan hatte Cortes eine Allianz mit den Tlaxcalans geschlossen, die die Azteken hassten und mit ihrer militärischen Macht einen wichtigen Faktor im weiteren Geschehen spielen sollten. Vor seiner Ankunft hatte er die reiche Stadt Cholula eingenommen und geplündert und so den Azteken seine Macht demonstriert.

 

Fürst Moctezuma
Fürst Moctezuma

 

Der Empfang in Tenochtitlan war keineswegs kriegerisch – vielmehr wurde den Spanier eine Palastanlage vom Fürsten Moctezuma zugewiesen. Wohl auf einen spanischen Mythos geht zurück, dass die Konquistadoren als Götter empfangen wurden. So wurde lang angenommen, dass zum Glück der Spanier der aztekische Kalender und alte Prophezeiungen die Rückkehr des Gottes Quetzalcoatl zu der Zeit ankündigten, als diese in Tenochtitlan eintrafen: Sie seien deshalb willkommen geheißen und von den Azteken wie Götter behandelt worden.

In Tenochtitlan wurden die Spanier mit den Menschenopfern der Azteken konfrontiert und sahen dies als Gotteslästerung. Als sie daraufhin christliche Kreuze und Marienbilder aufstellen wollten, kam es zu Spannungen mit den Einheimischen. Nachdem Cortes zudem erfahren hatte, dass die Azteken seine Garnison in Veracruz angegriffen hatten, wurde ihm seine bedrohliche Lage bewusst und er nahm Moctezuma gefangen und regierte durch diesen.

 

 

In dieser Zeit musste Cortes mit einem Teil seiner Truppen die Stadt verlassen, um gegen Panfilo de Narvaez zu kämpfen, der durch den spanischen Statthalter in Kuba Velazquez mit über 1200 Mann geschickt wurde, um Cortes gefangen zu nehmen. Cortes gelang es, sich de Narvaez zu bemächtigen und einen Großteil seiner Soldaten gefangen zu nehmen, die sich diesem mit dem Versprechen nach Reichtümern anschlossen.

 

Die Vertreibung aus der Hauptstadt der Azteken

Mit über 1200 Mann kehrte Cortes nach Tenochtitlan zurück, wo ein Aufstand der Azteken ausgebrochen war. Cortes Statthalter Pedro de Alvarado, ein von seinen Männern als brutal beschriebener Soldat, hatte die Teilnehmer des aztekischen Frühlingsfestes niedermetzeln lassen. Auch Moctezuma konnte die Wut seiner Untertanen nicht zügeln und wurde beim Versuch, auf diese einzuwirken, gesteinigt. Dabei war Cortes von seinen Verbündeten vor der gefährlichen Lage in der Stadt gewarnt worden – er schlug aber alle Vorsicht in den Wind, auch weil er die Azteken nicht achtete. In der Stadt sahen sich die Spanier durch eine Übermacht der Azteken umringt. Als hunderte Spanier versuchten, sich den Weg freizukämpfen, kamen sie nicht gegen die Menschenmassen an – zwar tötete jeder Spanier 30 Azteken, dennoch war die Übermacht zu stark.

 

La noche triste - die traurige Nacht bei der hunderte Spanier bei der Flucht aus Technotitlan ihr Leben lassen mussten.
La noche triste – die traurige Nacht bei der hunderte Spanier bei der Flucht aus Technotitlan ihr Leben lassen mussten.

 

Da die Konquistadoren keine Möglichkeit hatten, die Stadt zu erobern oder ihre Stellung an der Palastanlage zu halten, versuchten sie unbemerkt aus der Stadt zu fliehen. Allerdings wurden sie bemerkt und ein blutiges Gemetzel entbrannte – die traurige Nacht „Noche Triste“. Cortes verlor mehr als die Hälfte seiner Soldaten und konnte nur geschwächt entkommen.

 

Bei der Schlacht von Otumba konnten die Spanier eine Übermacht der Azteken dank Disziplin und einer schlagkräftigen Reiterei in die Flucht schlagen.
Bei der Schlacht von Otumba konnten die Spanier eine Übermacht der Azteken dank Disziplin und einer schlagkräftigen Reiterei in die Flucht schlagen.

 

Völlig unterlegen sahen sich die wenigen hundert überlebenden Spanier auf ihrer Flucht über 40.000 Azteken gegenüber – allerdings konnten sie mit militärischer Disziplin und Gehorsam die Azteken in die Flucht schlagen: Die verbliebene Reiterei löste Panik bei den südamerikanischen Ureinwohnern aus und durch das gezielte Töten des Anführers, der an seinem aufwändigen Federschmuck zu erkennen war, waren die Azteken-Krieger führungslos und so in die Flucht zu schlagen.

 

Die Karte zeigt den Rückzug Cortes nach der Flucht aus Tenochtitlan von Yavidaxiu (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Die Karte zeigt den Rückzug Cortes nach der Flucht aus Tenochtitlan von Yavidaxiu (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Dieser unwahrscheinliche Sieg war der Auftakt zum Niedergang Tenochtitlans.

 

Cortes wird zum Bezwinger der Azteken

Die Tlaxcalans unterstützten die Spanier mit tausenden Kriegern und erwiesen sich trotz der Schwäche der Spanier als treue Verbündete. Zudem konnten sich die Spanier erholen und erhielten Nachschub.

Der Ausbruch der Pocken in der Neuen Welt begünstigte Cortes immens: Die Spanier wurden zwar auch von der Krankheit getroffen, doch die Azteken starben zu Tausenden. Zudem gelang es dem Konquistador die Versorgung von Tenochtitlan abzuschneiden, sodass die Ureinwohner hungerten. Indem Cortes das heterogene Aztekenreich mit einer klugen Bündnispolitik und der Unterwerfung zahlreicher Gebiete auseinanderriss und schwächte, legte er den Grundstein für die Eroberung der aztekischen Hauptstadt.

 

Als die Spanier sich dann mit ihren überlegenen Waffen und Technologien den Weg blutig und zerstörerisch freikämpften, waren die Azteken unterlegen – die schönste Stadt der Welt wurde zertrümmert und die Spanier konnten ihren Hunger nach Gold und Ruhm stillen. Cortes – einst hochverschuldet und als Verräter behandelt – wurde zum Helden.