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A10298491_photo_jpg_xs_clipdealer.deLiest man heute eine Anleitung zur Behandlung mancher Krankheiten noch vor 100 oder 150 Jahren, schüttelt man vermutlich leicht mit dem Kopf. So wurde Tuberkulose im 19. Jahrhundert als Erbkrankheit eingestuft und durch Frischluftkuren versucht zu heilen. Erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war die medizinische Forschung so weit vorangeschritten, dass der Forscher Robert Koch 1882 das Mykobakterium tuberculosis als Erreger der Krankheit identifizieren konnte.

Während einige medizinische Durchbrüche dieser  Zeit auf Forschung und gezielte Experimente zurückzuführen sind, gelangen andere Entdeckungen eher durch Zufall. Man hatte 1905 den Erreger der Syphilis auf das Bakterium Treponema pallidum zurückführen können. Basierend auf der vorangegangenen Forschungsarbeit des französischen Mediziners Antoine Béchamp sondierte der jüdische Arzt Paul Ehrlich in zahlreichen Laborversuchen schließlich die Substanz Arsphenamin, die gezielt das Bakterium Treponema pallidum bekämpfte, ohne nennenswerte Nebenwirkungen für den Patienten. Er hatte das erste Antibiotikum entwickelt, eine enorme Leistung für die Medizingeschichte. 1910 kam das Medikament unter dem Namen „Salvarsan“ in den Handel.

 

Das Heilmittel gegen tödliche Infektionskrankheiten

Damit konnten nun bisher unheilbare Infektionskrankheiten ohne größere Risiken behandelt werden. So bestand beispielsweise die Kur für Menschen die an Syphilis erkrankt waren daraus, sie mit Quecksilber einzureiben. Oft hatte diese Behandlungsmethode Haarausfall und den Verlust der Zähne zur Folge, und der Patient starb oft an den Nebenwirkungen anstatt an seinem eigentlichen Gebrechen. Seit dem Mittelalter grassierte die Krankheit in ganz Europa, und machte vor keiner Bevölkerungsschicht halt. Bekannte Opfer waren Frédéric Chopin, Ludwig van Beethoven und Oscar Wilde.

Dank der Entdeckung des Antibiotikums sind heutzutage auch andere Krankheiten wie beispielsweise Tuberkulose, Diphterie und Cholera in unseren Breitengraden weitestgehend ausgerottet. Noch im 19. Jahrhundert waren sie in Ballungsgebieten unter schlechten hygienischen Bedingungen und Mangelernährung weit verbreitet. Durch die Bekämpfung mit Antibiotika sind Keime mit der Zeit immer resistenter geworden. Deshalb wird in Deutschland im Zentrum für Infektionsforschung nach immer neueren Antibiotika geforscht.

 

Späte Anerkennung

Für seine Entdeckung erhielt Paul Ehrlich zu Lebzeiten recht wenig Anerkennung. Er  starb nur 5 Jahre nachdem das von ihm entdeckte Antibiotikum auf den Markt kam. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er in Deutschland jedoch lange nicht für seine Arbeit gewürdigt.

Wesentlich bekannter im Zusammenhang mit der Entdeckung eines antibakteriellen Wirkstoffes ist der schottische Mediziner Alexander Fleming, der knapp 20 Jahre später durch Zufall auf den Wirkstoff Penicillin stieß. Ihm waren einige Bakterienproben verschimmelt, und er machte die Entdeckung dass der Schimmelpilz Bakterien abtötete. Allerdings nutzte er seine Entdeckung nicht für die Medizin. Es sollte noch einmal fast 10 Jahre vergehen bis 1938 die Forscher Howard W. Florey und Ernst B. Chain auf der systematischen Suche nach bakterienabtötenden Stoffen auf die Forschungsergebnisse Flemings stießen. Erst 1941 wurde der erste Mensch mit Penicillin behandelt bevor das Medikament Anfang der 1940er Jahre der Allgemeinheit zur Verfügung stand. 1945 erhielten Fleming, Chain und Florey für ihre Entdeckung den Nobelpreis.

 

Der Entdecker des ersten Antibiotikums, Paul Ehrlich, wurde erst ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod für seine Arbeit gewürdigt. Sein Gesicht war lange Zeit auf dem 200-DM-Schein abgebildet.

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