Die Rote Armee Fraktion (RAF) 

 
Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein üben am 2./3. April 1968 einen Brandanschlag auf 2 Frankfurter Kaufhäuser aus. Schon 2 Tage später werden sie gefasst, wobei Bauteile von Brandsätzen bei ihnen gefunden wurden. Das Landgericht Frankfurt verurteilt die „Kaufhausbrandstifter“ zu 3 Jahren Zuchthaus. Einzig Söhnlein kommt dem Strafantritt nach.

Im Februar 1970 treffen Andreas Baader und Gudrun Ensslin in Berlin die bekannte Journalistin und ehemalige Chefredakteurin von „konkret“ Ulrike Meinhof. In Berlin wird am 4. April Baader verhaftet, daraufhin erfolgt die Befreiung Baaders. Um diesen befreien zu können will Meinhof mit Baader ein Buch schreiben. Darum erfolgt eine Ausführung in das „Deutsche Zentralinistitut für Soziale Fragen.“ Dort wird er gewaltsam von Ulrike Meinhof, Irene Goergens, Ingrid Schubert und weiteren befreit.
Die Gesuchten verschwinden in den Untergrund und beginnen dort mit dem Aufbau der „Roten Armee“. In der Illegalität wollen sie mit dem bewaffneten Widerstand beginnen, dazu erscheint auch Meinhofs Tonbanderklärung mit dem Ausspruch „Natürlich darf geschossen werden“, in der die RAF klar macht, dass sie auch vor Morden nicht zurückschreckt.
Von Juni bis August 1970 beginnen Horst Mahler, Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Peter Homann, Brigitte Asdonk und rund ein Dutzend weiterer Genossen in einem Camp der El Fatah, einer palästinensischen Befreiungsorganisation, eine militärische Ausbildung. Sie bereiten sich auf den Guerilla-Krieg gegen die BRD vor.
Zurück in Berlin baut die Stadtguerilla nach der „Terror-Fibel“ von dem brasilianischen Revolutionsführer Carlos Marighella ihre Logistik auf:
M – Motorisierung
G – Geld
W – Waffen
M – Munition
S – Sprengstoff
Geld beschafft sich die „Baader-Meinhof-Bande“ bei dem berüchtigten „Dreierschlag“: In 3 verschiedenen Kommandos überfallen sie gleichzeitig 3 Banken und erbeuten über 217.000 Mark, die „Kriegskasse“ für folgende Aktionen ist gefüllt.
Sprengstoff, Waffen und Munition werden geklaut oder gekauft. Ebenso werden Autos gestohlen oder mit gefälschten Papieren gemietet. Am 8. Oktober verhaftet die Polizei Horst Mahler und drei weitere Mitglieder der RAF. In den nächsten Monaten überfällt die RAF immer wieder Banken und erbeutetet mehrere 100.000 Mark. Bei mehreren Festnahmen in dieser Zeit werden sowohl RAF-Mitglieder als auch Polizisten erschossen, u.a. die RAF Aktivistin Petra Schelm oder der Polizeibeamte Herbert Schoner.
Am 11. Mai 1972 begeht die RAF einen Anschlag auf das US-Hauptquartier des V. Corps der US-Armee in Frankfurt. Dabei wird der Oberstleutnant Paul Bloomquist getötet und 13 weitere Menschen verletzt. Einen Tag später explodieren 2 Bomben in der Polizeidirektion Augsburg und eine Autobombe vor dem LKA München.
Weitere Anschläge erfolgen am:
19. Mai 1972 auf das Springer Verlagshaus in Hamburg
24. Mai 1972 auf das Heidelberger Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Europa. Dabei werden 3 Menschen getötet, sowie 5 weitere verletzt.Am 1. Juni 1972 werden in Frankfurt Holger Meins, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe verhaftet, 6 Tage später Gudrun Ensslin in Hamburg. Am 15. Juni wird Ulrike Meinhof von der Polizei überwältigt. Die RAF-Köpfe sind gefasst.
Doch bereits die 2. Generation der RAF sammelt sich im Untergrund. Die Gefangenen setzen den Hungerstreik als Druckmittel ein. Sie wollen die Zusammenlegung aller Häftlinge und die Beendigung der Isolationsfolter. An den Folgen des Hungerstreiks stirbt Holger Meins am 24. April 1975. Ein breiter Aufschrei der Empörung und eine Sympathiewelle für die RAF verbreiten sich in der Gesellschaft. Der Hungerstreik als Agitationsmittel hat Erfolg, viele der Gegner der Isolationsfolter gehen später in den Untergrund um in der Illegalität den revolutionären Kampf fortzuführen. Die Illegalen bekommen ihre Anweisungen von den Gefangenen über die Anwälte der Häftlinge zugeführt. Auf diesem Weg werden auch Waffen und Sprengstoff in die Gefängnisanstalt geschmuggelt. Die Anwaltskanzlei Croissant war somit die Verbindung von Illegalen und Häftlingen.
Am 24. April 1975 überfällt das RAF Kommando Holger Meins die bundesdeutsche Botschaft in Stockholm. Sie fordern die Freilassung von 26 Genossen. Während der Geiselnahme erschießen die Terroristen zwei Botschaftsattachés, als eine Bombe zündet ist die Geiselnahme gescheitert.
Ulrike Meinhof, die einstige Starjournalistin rückt immer mehr ins Abseits bei den RAF Köpfen. Ihre Texte werden von Gudrun Ensslin immer öfter geändert, sie versinkt in der Bedeutungslosigkeit innerhalb der RAF (die Bezeichnung Baader-Meinhof-Bande war von Anfang an nicht zutreffend, man hätte eher von der Baader-Ensslin-Bande sprechen müssen). Am 9. Mai 1976 begeht sie in ihrer Zelle Selbstmord.
Die Führungsriege im Gefängnis ist nicht zufrieden mit der Arbeit ihrer Genossen in Freiheit, das Ziel sie zu befreien scheiterte. Deshalb instruieren sie Brigitte Mohnhaupt als neue RAF-Führerin in Freiheit. Am 8. Februar 1977 wird sie in Freiheit entlassen und beginnt als Erstes mit der Neuordnung der Anwaltskanzlei Croissant.
Unter Mohnhaupt und der 2. Generation folgt nun der Deutsche Herbst:
Am 7. April 1977 ermordet das RAF-Kommando Ulrike Meinhof den Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine 2 Begleiter in Karlsruhe. Als Täter werden Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt verurteilt, es ist noch immer ungeklärt wer der Todesschütze war. Es folgt eine gescheiterte Entführung von Dresdner Bank Sprecher Jügen Ponto am 30. Juli 77. Susanne Albrecht ist die Patentochter von Ponto, sie verschafft der RAF Zugang zu Ponto. Er wird erschossen.

Es folgt ein gescheiterter Raketenwerfer-Anschlag auf die Bundesanwaltschaft. Durch die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer wollen die Terroristen ihre gefangenen Genossen freipressen. Am 5. September entführen sie diesen in Köln, sein Chauffeur und seine Leibwächter kommen bei der Entführung ums Leben. Schleyer wird daraufhin vorerst in Köln und später in der Niederlage gefangen gehalten. Durch polizeiliche Versäumnisse konnten die Entführer unentdeckt in Köln untertauchen. Die Polizei bekam einen Hinweis an welchem Ort Schleyer gefangen gehalten wurde, diesem ging sie aber nicht nach. Die RAF Führung der 2. Generation (u.a. Peter-Jürgen Boock, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar) flüchten nach Bagdad. Dort wird ihnen von der PFLP-SC angeboten, dass diese eine Lufthansa Maschine entführt, um den Druck auf die deutsche Bundesregierung zu erhöhen. Am 13. Oktober 1977 wird die Lufthansa Maschine „Landshut“ entführt. Die Terroristen richten den Kapitän der Landshut hin, nachdem dieser kurzzeitig verschwunden war. Am 15. Oktober befreit ein GSG9 Kommando die Landshut und erschießt 3 der 4 Terroristen, die Freipressung der Gefangenen ist gescheitert. Die Bundesregierung lies sich auf keine Erpressung ein, merken nun alle RAF Beteiligten. Noch in dieser Nacht begehen in Stammheim Baader, Ensslin und Raspe Selbstmord. Einen Tag darauf wird die Leiche von Hanns Martin Schleyer im Kofferraum eines Audi gefunden.
In den folgenden Monaten werden mehrere RAF-Mitglieder gefangen genommen oder erschossen. Am 25. Juni folt ein Anschlag auf den Nato-Oberbefehlshaber General Alexander Haig in Belgien. Haig entgeht dem Anschlag unverletzt.
Schon längere Zeit war den Ermittlern aufgefallen, dass die beiden Gruppen RAF und Bewegung 2. Juni verstärkt zusammenarbeiteten, am 2. Juni 1980 wurde dies offiziell, die Bewegung 2.6 löste sich auf und schloss sich der RAF an. Es folgen weitere Anschläge auf US-Einrichtungen, u.a. auf US-General Frederick Kroesen.
Als die Führung der 2. Generation der RAF gefasst wird, verbündet sich die folgende 3. Generation mit der Action Directe (AD) in Frankreich. Sie wollen eine europaweite revolutionäre Front aufbauen. Besondere Gefährlichkeit geht von der letzten Generation der RAF aus, da sie auch auf eher in der Öffentlichkeit unbekannte Wirtschaftsfunktionäre Anschläge verüben. So wird MTU-Chef Ernst Zimmermann ermordet. Am 8. August 1985 begeht die RAF einen Bombenanschlag auf die US-Airbase in Frankfurt, zuvor ermordeten sie den US-Soldaten Edward Pimental um an seinen Ausweis zu kommen. Dieser Mord ruft eine große Entrüstung in der Gesellschaft aus, die RAF schafft es nicht, die Gesellschaft für ihre revolutionären Ziele zu gewinnen, auch die Linke Szene distanziert sich von den Anschlägen. Es folgt die Ermordung von Siemens Vorstandsmitglied Beckurts, dem Abteilungsleiter des Auswärtigen Amtes Gerold von Braunmühl und Deutsche Bank Vorstandssprecher Alfred Herrhausen.

Nach der Wende werden in der ehemaligen DDR 10 RAF-Aussteiger festgenommen, darunter Susanne Albrecht und Inge Viett. Das MfS hat den Aussteigern eine neue Identität verschafft.

Am 1. April 1991 wird Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder von einem Scharfschützen ermordert, ein knappes Jahr später erklärt die RAF in ihrem April-Papier keine Anschläge mehr auf Repräsetanten aus Wirtschaft und Staat zu verüben. Die „Knastsprengung“ erfolgt am 27. März 1993: Das Kommando Katharina Hammerschmidt jagt die neu errichtete Justizvollzugsanstalt Weiterstadt in die Luft, es entsteht ein Schaden von 123 Millionen Mark. Danach versinkt die RAF in Bedeutungslosigkeit. Am 20. April 1998 geht die Auflösungserklärung der RAF bei der Nachrichenagentur Reuters ein. Die RAF zieht Bilanz, sie hat ihr Ziel einer revolutionären Front nicht erreicht, doch eins macht sie nicht: Sie kommt mit keinem Wort auf die Verstorbenen und ihrer Angehöriger zu sprechen.