Wer kennt sie nicht, die mächtige Römische Armee? Vor über 2000 Jahren begannen ihre Eroberungszüge, die die Welt erzittern ließen und ein Reich schufen, wie es es in der Vergangenheit noch nicht gegeben hatte. Doch: Wer kennt ihren Aufbau? Wer weiß, wie diese komplexe Maschinerie funktionierte, wie sie entstand und warum sie so effektiv war?

Im Folgenden möchte ich diese, und viele weitere Aspekte, interessierten Besuchern erläutern und hoffe auf eine große Rezeption.

Inhaltsverzeichnis

1.Gefahren und Vorbereitung

2. Marschordnung

3. Länge der Marschkolonne

4. Die Länge des Marsches

5. Von der Marschordnung zur Schlachtaufstellung

 

 

1.Gefahren und Vorbereitung

 

Die Gefahren auf dem Marsch sind unverkennbar. Oft kam es zu vernichtenden Niederlagen wenn der Feldherr unvorsichtig war und die falsche Marschordnung wählte, gute Beispiele sind so unter anderem die Schlacht am Trasimenischen See oder die Varusschlacht. War die Marschkolonne zu lang oder das Gelände unwegsam konnte die Armee leicht in einen Hinterhalt geraten. Wenn ein Marsch nicht sorgfältig geplant oder die Gefahr, die vom Gegner ausging, nicht richtig eingeschätzt wurde kam es meist zur Katastrophe. Hier ist noch einmal die Varusschlacht zu nennen: Das Gelände war unwegsam, das Wetter schlecht, die Marschordnung für Friedenszeiten gewählt und durch die Begleitung von Zivilisten zerbrach die Kolonne in mehrere kleine Gruppen. Die Germanen unter der Führung von Arminius demoralisierten die Feinde als erstes durch Fernangriffe, später gingen sie in den Nahkampf und zogen sich kurz darauf wieder zurück (hit and run). Die Generäle flüchteten oder begannen Selbstmord, darunter auch Varus, am Ende war die ganze Kolonne vernichtet.

Da die Armee mehr Zeit mit Marschieren als mit Kämpfen verbrachte, wurden dreimal im Monat Übungsmärsche (ca. 32km und 20kg Gepäck) durchgeführt, teils sogar mit erhöhter Geschwindigkeit und Manövern für die Kavallerie. Den Soldaten war es verboten die Marschreihe zu verlassen, teils zur Steigerung der Disziplin, teils um zu verhindern, dass die Soldaten ohne Befehl plünderten. Zur Kontrolle ritten manche Feldherren an der Marschreihe entlang und achteten darauf, dass die Ordnung eingehalten wurde (z.B. Metellus, Marius). Die Legionäre führten auf dem Marsch teilweise Rüstung, Waffen, Säge, Korb, Axt, Hacke, einen Riemen, eine Sichel und den Proviant für drei Tage mit, jedoch trug nicht jeder Legionär die gesamte Ausrüstung bei sich, diese wurde oft aufgeteilt oder separat, wie auch schwere Gegenstände, vom Tross transportiert. Manche Generäle ließen manchmal einen Teil des Gepäcks zurück um zusätzliche Nahrung tragen zu können.

 

 

2. Marschordnung

 

Es gab verschiedene Marschordnungen, sie unterschieden sich je nach Gelände und taktischer Situation, so war also keine wirklich feste Formation für den Marsch vorhanden und oft, so unter anderem auf schmalem Gelände, mussten Variationen einfügen werden. War der Feind nahe, so wählte man eine Marschordnung die sich leicht in eine Schlachtordnung umwandeln ließ. Einer der Ersten, der die Marschformationen beschreibt, ist Polybios (ca. 200v. Chr. – 120v.Chr). Er erklärt, dass das Gepäck entlang der Kolonne verteilt wurde, um zu verhindern, dass bei einem Angriff alles vernichtet wird, außerdem sollten die Soldaten, wohl zum Schutz und zur Aufklärung des hinteren Teils, miteinander in Kontakt bleiben. Laut ihm verwendeten die Römer zu seiner Zeit zwei verschiedene Marschformationen; eine „normale“ und eine die in großer Gefahr verwendet wurde, sie sollte weitgehend der Schlachtaufstellung entsprechen, sodass diese schon durch eine einfache Drehung nach rechts oder links erreicht wurde. Einige Historiker glauben allerdings, dass die triarii, zu ihrem Schutz, in der Mitte der Kolonne marschierten, umgeben von principes und hastati.

Oft wurden Kundschafter eingesetzt um das Gelände zu erkunden, außerdem wurden die am meisten gefährdeten Stellen mit zusätzlichen Truppen verstärkt. Auf sicherem Territorium marschierte die Legion in der Mitte, vorne und hinten die Verbündeten und Hilfstruppen, die Kavallerie bildete Vor- und Nachhut. Der Feldherr ritt mit seiner Leibgarde entweder in der Mitte oder vorne, Belagerungsausrüstung und Tross verteilten sich oder bildeten ebenfalls die Mitte. Die Reihenfolge der Legionen variierte, vorne an der Spitze war es allerdings einfacher sich Nahrung und Wasser zu besorgen, weswegen vielleicht die Reihenfolge ausgelost wurde. Cäsar stellte seine unerfahrene Legion ans Ende (wo ein Angriff unwahrscheinlicher war) damit diese sich, während die erfahrenen Soldaten die Angreifer in Schach hielten, formieren konnten. Hindernisse auf dem Marsch wurden von Ingenieuren und Vermessern beseitigt.

 

3. Länge der Marschkolonne

 

Wenn ein Angriff drohte war es sinnvoll die Marschordnung nicht zu dünn zu halten und Flankenschutz einzusetzen. Wenn keine feste Straße vorhanden war konnte keine feste Marschformation verwendet werden, die Armee war also verwundbar. Man kann deshalb nicht sagen wie lange die Marschkolonne einer Armee mit so und soviel Soldaten war, da es zu viele vom Gelände abhängige Formationen gab. Außerdem fehlen oft genaue Berichte, so zum Beispiel ob die Kohorten millar oder quingenar waren.

 

 

4. Die Länge des Marsches

 

Es ist nicht sicher wie schnell eine Armee war und wie viele Kilometer sie an einem Tag zurücklegen konnte. Die Geschwindigkeit hing sowohl von der Menge des Gefolges, der Belagerungsausrüstung als auch von der Taktik ab. Natürlich gehörte das Üben des Marsches zu der Ausbildung ( 20 römische Meilen in 5 Stunden, eine römische Meile = 1480m, mit Gepäck). Musste eine Armee der anderen zur Hilfe kommen, wurde ein Teil der Strecke im Laufschritt zurückgelegt, nach einem langen Marsch war die Armee jedoch oft erschöpft und konnte in der Schlacht nicht die volle Leistung erbringen.

 

5. Von der Marschordnung zur Schlachtaufstellung

 

 

Kleine Armeen können großen und schlecht aufgestellten Heeren großen Schaden zufügen, besonders bei Angriffen aus dem Hinterhalt. Das haben unter anderem auch die Römer bewiesen, die bekanntlich vielmehr auf eine kompakte, gut ausgebildete Armee als auf einen bloßen Haufen unausgebildeter Soldaten setzten. Ein Vorteil kleiner Heere war und ist es sich schneller an eine gewünschte Situation anpassen zu können, so verlangte es zwar, wenn eine Armee auf dem Marsch angegriffen wurde, große Disziplin sich schnell in die Schlachtformation einzufinden, allerdings dürfte dies kleineren Soldatentruppen wesentlich leichter gefallen sein.

Christopher Bischof

 

Quellen:

Kate Gilliver: Auf dem Weg zum Imperium: Die Geschichte der Römischen Armee, erschienen im Nikol Verlag

Bild: Römische Soldaten, gemeinfrei