Wer kennt sie nicht, die mächtige Römische Armee? Vor über 2000 Jahren begannen ihre Eroberungszüge, die die Welt erzittern ließen und ein Reich schufen, wie es es in der Vergangenheit noch nicht gegeben hatte. Doch: Wer kennt ihren Aufbau? Wer weiß, wie diese komplexe Maschinerie funktionierte, wie sie entstand und warum sie so effektiv war?

Im Folgendem möchte ich diese, und viele weitere Aspekte, interessierten Besuchern erläutern und hoffe auf eine große Rezeption.

Inhaltsverzeichnis

1. Befehlshaber

2. Armee

2.1 Manipellegion

2.2 Kohortenlegion

2.3 Hilfstruppen und Verbündete, auxilia und socii

2.4 Größe und Zusammensetzung

3. Tross und Gefolge

 

 

1. Befehlshaber

 

Zur Kaiserzeit rekrutierten sich die Befehlshaber einer Armee meist aus den höher gestellten Bürgern Roms. Wichtig für die Ernennung waren allerdings der Charakter, Ruf, Integrität und die rhetorische Fähigkeiten, militärische Erfahrung spielte dabei nicht unbedingt eine Rolle (war zwar lobenswert, jedoch reichte theoretisches Wissen). In der frühen Kaiserzeit war es allerdings üblich, dass einen Senator Anfang 30 einige Monate als Militärtribun diente und Mitte/Ende 30 einige Jahre als Legat einer Legion arbeitete.

 

 

2. Armee

 

In der Römischen Armee bildete die Legion das Rückgrat und ihr wurde mehr Bedeutung zugewiesen als den Hilfstruppen (auxilia) und den verbündeten Einheiten(socii). Diese allerdings waren zahlreicher und, nach moderner Einschätzung, genauso wichtig.

 

2.1 Manipellegion

 

Die Manipellegion entstand vermutlich im frühen bis mittleren 4 Jh. v. Chr. nach der Eroberung Roms durch die Gallier und ersetzte die bis dahin verwendete Phalanx. Obwohl sie sich vermutlich schrittweise entwickelte muss sie spätestens 340 v. Chr. eingesetzt worden sein, denn zu diesem Zeitpunkt wird ihre Struktur von Livius beschrieben. Die Manipellegion wurde vermutlich vorzugsweise gegen lose Kampfverbände eingesetzt (z.B. Gallische Krieger),übernahm einen Teil der Waffen anderer Kulturen (Kurzschwert Iberer, Helm Gallier) und passte die Kampfart je nach Gegner und Gelände an.

Sie bestand aus:

1200 velites (Plänkler)

1200 hastati (Nahkampfeinheiten mit Schwert)

1200 principes ( Nahkampfeinheiten mit Schwert)

600 triarii ( Nahkampfeinheiten mit Speer)

300 equites (Kavallerie)

Also 4500 Soldaten insgesamt.

Die hastati und die principes bestanden aus 10 Manipeln zu je 120 Soldaten, die triarii aus 10 Manipeln mit 60 Soldaten je Manipel. Die Reiterei bestand aus 10 turma und jede wurde von einem Dekurio angeführt. Im Notfall konnte die Legion verstärkt werden, die neuen Einheiten wurden dann gleichmäßig auf alle Manipel verteilt, nur die Zahl der triarii blieb gleich. Im Kampf begannen die Fernkämpfer (velites), im Nahkampf folgten die hastati. Konnten diese den Feind nicht bezwingen oder waren sie erschöpft wichen sie hinter die Reihen der principes zurück und, wenn es nötig war, diese wiederum hinter die triarii.

Bild: Die gewöhnlich Aufstellung einer Manipellegion, wobei beachtet werden muss, dass die Aufstellung oft je nach Bedarf an das Gelände angepasst wurde:

 

 

2.2 Kohortenlegion

 

Der Übergang zur Kohortenlegion erfolgte vermutlich schrittweise zwischen dem zweiten Punischen Krieg und der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Die Reform wird traditionell Marius zugeschrieben, der die Kohorte, die drei Manipel umfasste, zur grundlegenden taktischen Einheit machte. Die velites und die triarii entfielen was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass nach der Reform von Gaius Gracchus die Legionäre auf Staatskosten versorgt wurden und eine einheitliche Bewaffnung wohl billiger war. Außerdem war die Kohortenlegion im Kampf gegen die Iberer nützlicher, da diese enge Infanterieverbände und eine wirkungsvolle Kavallerie einsetzten. So wurde eine Einheit benötigt, die zwar kleiner war als eine Legion jedoch größer als ein Manipel, um gewisse taktische Manöver zu erleichtern. Diese Legion war in 10 Kohorten aufgeteilt und jede Kohorte umfasste 6 Zenturien zu je 80 Mann. Außerdem wurden aus jeder Zenturie ein paar Einheiten als Kavalleristen genommen, die (vielleicht) zu den 80 Mann jeder Zenturie zählten und die Legion so nicht soviel Infanterieinheiten besaß wie bisher häufig angenommen (was bis jetzt wegen mangelnder Quellen reine Spekulation bleiben muss). Die 1. Kohorte bestand außerdem aus 5 Doppelzenturien und umfasste so eine Stärke von 800 Mann. Vermutlich traf dies jedoch nicht immer zu und die 1. Kohorte wurde nur aufgestockt, wenn es militärisch notwendig war. Die Zeit, in der die 1. Kohorte aufgestockt werden konnte reicht von der flavischen Zeit bis zum 2 Jh. n. Chr.

Aufgestellt wurde sie meist in einer 4-3-3 oder 5-5 Ordnung oder in einer der Schlacht angepassten Aufstellung für beispielsweise einen Hinterhalt. Wer die Kohorte angeführt hat ist unklar, vielleicht vom höchsten Zenturio, oder von einem Feldherrn der vom Kaiser ausgesucht wurde ( vermutlich variierte auch das je nach Kohorte und wechselnden Bedingungen).

 

 

2.3 Hilfstruppen und Verbündete, auxilia und socii

 

Die Anzahl der socii stimmte ungefähr mit der der Legionäre überein, nur die Kavallerie der Verbündeten überragte die der Römer deutlich an Stärke. In der Republik ist nicht viel über sie bekannt, jedoch stellten sie wohl die beiden Flügel und wurden von Offizieren aus deren Aristokratie angeführt (trotzdem standen die Truppen insgesamt natürlich unter dem Befehl eines Römers). Sie waren vermutlich gleich oder ähnlich ausgerüstet wie die Legionäre, dies galt auch für einen Teil der Hilfstruppen, allerdings nicht für alle. Nach dem Bürgerkrieg (91-87 v. Chr.) erhielten die socii das Bürgerrecht und konnten in der Legion dienen, die von ihnen gestellte Infanterie viel weg. Die auxilia lieferten zudem Spezialeinheiten, wie z.B Schleuderer, Kavallerie, Bogenschützen und (in der Kaiserzeit) die Bataver, die für Angriffe unter/im Wasser bekannt waren. Zudem nahm in der späten Republik die Bedeutung für die Hilfstruppen zu, da die velites abgeschafft wurden und leichte Infanterie benötigt wurde (z.B.zum Verflogen von fliehenden Einheiten). Die Kavallerie der Römer bestand vor allem aus Galliern und Numidern. Die Hilfstruppen wurden in drei Einheiten gegliedert: Die Infanterie-Kohorte, die Kavallerieeinheit, und die teilweise berittene Kohorte (Infanterie und Kavallerie), die wie die Legionärs-Kohorten quingenar (ca. 500 Mann) oder millar (800 Mann) stark sein konnten. Erst in der frühen Kaiserzeit blieben die Hilfstruppen dauerhaft in der Armee, davor nur für die Dauer eines Feldzugs. Außerdem konnte die Zahl der Einheiten im Notfall aufgestockt und auch vor Ort rekrutiert werden. Dies hatte zum Vorteil, dass ein Teil der Einheiten das Gelände schon kannten und passende Kampfmethoden beisteuern konnte.

 

2.4 Größe und Zusammensetzung

 

Am Beispiel der Römischen Armee kann man erkennen, dass kleinere, besser ausgebildete Armeen den großen und schlecht ausgebildeten oft überlegen sind. Außerdem haben größere Armeen Probleme beim Marsch: Die Versorgung ist schwieriger, sie ist anfällig für einen Hinterhalt und die Flussüberquerung wesentlich gefährlicher (Hinterhalt,…). Zudem ist sie in der Schlacht schneller demoralisiert, da sie meist die höheren Verluste zu beklagen hat. Im Gegensatz dazu kann sich eine kompakte Armee einigermaßen gut selbst versorgen (Land bietet Tiere sowie Getreide und es war möglich den Proviant in Dörfern/Städten aufzustocken). Auch zeigen die weit kleineren römischen Armeen Erfolge gegen größere Armeen. Die Zahlen der römischen Geschichtsschreiber sind zwar meist stark übertrieben (10.000 Römer schlagen 230.000 Briten) doch trotzdem sind Erfolge nachweisbar.

In der republikanischen Zeit fasste die Armee eines Prätors, also eine Legion mit verbündeten Einheiten und Hilfstruppen; ca. 10.000 Einheiten Infanterie sowie 2000 Einheiten Kavallerie. Die beiden Konsularmeen bestanden aus 20.000 Infanterie-und 4000 Kavalleriesoldaten.

Die Legion sollte, im Falle einer Meuterei, den Hilfstruppen überlegen sein – allerdings hielten diese sich meist loyal (Ausnahme z.B. Varusschlacht) und ihnen wurde genauso, auch in kritischen Situationen, vertraut.

 

 

3. Tross und Gefolge

 

Der Tross einer Armee bestand aus Trossknechten, Händlern und Wahrsagern. Außerdem schlossen sich manchmal Zivilisten der Armee an, um vom Feldzug, z.B. bei einer Plünderung, zu profitieren.

Dadurch konnte die Größe des Heeres beträchtlich anschwellen und Versorgungsschwierigkeiten konnten auftreten. Es ist nicht genau sicher, wie groß das Gefolge war. Die Anzahl der Trossknechte betrug vermutlich 400-600Mann, die notfalls in der Schlacht helfen konnten (auch wenn sie meist nicht bewaffnet waren) oder die Armee zumindest größer erscheinen lassen konnten. Die Hauptaufgaben der Trossknechte lag darin, Hilfe bei der Versorgung und der Plünderung zu leisten, sie folgten der Armee vermutlich wegen der Aussicht auf Beute. Die Händler kamen, wie der Großteil der Zivilisten auf eigene Gefahr mit. Sie wollten vermutlich Handelsbeziehungen knüpfen, allerdings schliefen alle, außer den Trossknechten und Soldaten, außerhalb des Lagers und oft wurden in Schlachten der ganze Tross niedergestreckt.

Christopher Bischof

 

Quellen:

Kate Gilliver: Auf dem Weg zum Imperium: Die Geschichte der Römischen Armee, erschienen im Nikol Verlag

 

Bilder:

1. Abbildung auf der Trajanssäule, gemeinfrei;

2. Auf dem Weg zum Imperium, Die Geschichte der Römischen Armee, erschienen im Nikol Verlag, Seite 21, oben, vermutlich gemeinfrei (kein Vermerk im Bildnachweis/Verzeichnis)