Karte Europa

 

Dreibund der Mittelmächte

Österreich-Ungarn, das Deutsche Kaiserreich sowie Italien waren Bündnispartner im sogenannten „Dreibund“, der Im Jahre 1882 geschlossen wurde. Dieser Verpflichtete die Mitglieder bei einem nicht provozierten Angriff auf einen der Bündnispartner, diesem militärisch beizustehen.
1883 trat Rumänien dem Dreibund bei.

Deutsches Reich:
Nach Zustandekommen der Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 nach drei Kriegen isolierte sich das Reich in der Zeit nach Reichskanzler Bismarck u. a. durch die ungeschickte Außenpolitik Wilhelms II. zunehmend. Insbesondere nach der Gründung der „Triple Entente“ im Jahre 1907 zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland sah sich Deutschland in Europa weitgehend isoliert und eingekreist. Generalstabschef Helmuth Johannes von Moltke drängte angesichts des Wettrüstens in Europa bereits 1908 auf einen Präventivkrieg. Für die folgenden Jahre sind weitere Forderungen des Militärs dieser Art belegt.
Hintergrund war die Annahme des Generalstabs, dass Russland und Frankreich etwa für 1916 einen Krieg gegen Deutschland planten. Zu diesem Zeitpunkt – so die weitere Annahme – wäre Deutschland angesichts des Wettrüstens nicht mehr in der Lage, einen Krieg gegen beide Großmächte zu gewinnen.
Zu diesem Zweck wurden für diese Eventualität mehrere Kriegsstrategien ausgearbeitet, von denen seit 1913 der sogenannte „Schlieffen-Plan“ favorisiert wurde. Dieser von Alfred Graf von Schlieffen bereits bis 1905/06 ausgearbeitete Plan sah vor, dass zunächst Frankreich angegriffen und schnell geschlagen werden sollte, bevor Russland vollständig mobil gemacht hätte. Dazu musste Frankreich jedoch auf einer breiteren Front angegriffen werden, als die deutsch-französische Grenze lang war – zumal diese auf französischer Seite auch stark befestigt worden war, so dass dieser Plan die Besetzung Belgiens mit einschloss. Der darauffolgende Feldzug gegen Russland würde laut Schlieffen eine längere Zeit beanspruchen.

Österreich-Ungarn:
Bereits Jahre vor Ausbruch des Krieges forderten hochrangige Militärs von Österreich-Ungarn ein militärisches Vorgehen gegen Serbien. Doch Kaiser Franz Joseph I. hatte sich bisher solchen Forderungen widersetzt. Auch das Attentat von Sarajevo hätte noch nicht zwangsläufig einen Krieg gegen Serbien zur Folge haben müssen. Erst nach Hoyos Reise nach Potsdam und der sogenannte „Blankocheck“ Kaiser Wilhelms II. wurde dieser wahrscheinlicher, wobei der Inhalt der Zusage des Deutschen Kaisers von heutigen Historikern unterschiedlich bewertet wird. Die Übermittlung dieser Zusage nach Wien scheint von der österreichischen Gesandtschaft optimistischer erfolgt zu sein, als diese von deutscher Seite gemeint war. Mit Fortschreiten der Julikrise und besonders mit dem Ultimatum an Serbien wurde ein Krieg immer wahrscheinlicher.

Italien:
Obwohl auch Italien Mitglied des Dreibundes war, wurde der vertraglich zugesagte Beistand im Zuge der Julikrise unsicher. Öffentliche Erklärungen des italienischen Außenministeriums ließen seit dem 14. Juli 1914 erkennen, dass man in Rom vor allem an einem territorialen Ausgleich für Italien im Falle einer Annexion Serbiens durch Österreich-Ungarn interessiert war.

 

Triple Entente

Die Triple Entente wurde 1907 als Militärbündnis zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland gegründet. Sie entwickelte sich aus der bereits 1894 geschlossenen Französisch-Russischen Allianz und der Entente cordinale, die 1904 als Bündnis zwischen Großbritannien und Frankreich entstanden war.

Frankreich:
Frankreich war einerseits an einer Revanche des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 gelegen, in dessen Ergebnis Elsaß-Lothringen von Deutschland annektiert wurde. Auch die Erniedrigung Frankreichs, die durch die Art und Weise, wie die Gründung des Deutschen Kaiserreiches vollzogen wurde (im Spiegelsaal von Versailles), war nach 43 Jahren nicht vergessen. Zudem hatte Bismarck nach dem Krieg zunächst für eine politische Isolierung Frankreichs in Europa gesorgt.
Andererseits gehen heutige Historiker auch davon aus, dass man in Frankreich die deutschen Präventivkriegsplanungen kannte.
Tatsächlich favorisierte auch Frankreich seit 1911 mit dem sogenannten „Plan XVII“ eine offensive Kriegsstrategie. Der Schlieffen-Plan sollte mit dieser Strategie unterlaufen werden und auch von Russland wurde beim Treffen im Juli 1914 ein rascher Angriff gefordert.

Großbritannien:
Großbritannien sah vor allem in der Aufrüstung der deutschen Kriegsflotte eine Gefahr.
Im Jahre 1898 legte Alfred von Tirpitz den sogenannten „Tirpitzplan“ vor, der ein Konzept zum Aufbau einer deutschen Hochseeflotte beinhaltete, welches in den Jahren 1898 und 1900 als „Flottengesetz“ vom deutschen Reichstag verabschiedet wurde. Grundgedanke des „Tirpitzplans“ war der „Risikogedanke“, d. h. die Doktrin, dass die deutsche Flotte so groß sein müsse, dass es den Briten zu riskant sei, einen Seekrieg gegen Deutschland zu riskieren, weil dieser die Seemachtstellung Großbritanniens erschüttern könnte. Als dafür notwendige Stärke der Kriegsmarine sah Tirpitz ein Verhältnis von 2:3 zur Kriegsflotte Großbritanniens als ausreichend an.
Dies kollidierte jedoch mit der Marine-Doktrin der Briten, dem sogenannten „Two-Power-Standard“, der seit etwa 1889 davon ausging, dass die britische Flotte immer mindestens so groß sein müsse, wie die beiden nächstkleineren Kriegsflotten zusammen. Diese Flottenstärke hat die Royal Navy jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht, doch löste das deutsche Flottengesetz ein Wettrüsten zwischen beiden Ländern aus.

Russland:
Die Politik Russlands war seit Mitte des 19. Jh. vor allem darauf ausgerichtet, eine möglichst große Kontrolle über die für den russischen Handel äußerst wichtigen, aber zum Osmanischen Reich gehörenden Meerengen Bosporus und Dardanellen auszuüben. Insbesondere Serbien war im Kampf gegen das Osmanische Reich ein wichtiger, nach Ende des Zweiten Balkankrieges 1913 sogar der einzige Verbündete. So hatte ein Angriff einer Nation auf Serbien zwangsläufig auch eine Konfrontation mit Russland zur Folge – so auch in der Julikrise von 1914, in der Russland mehrere Warnungen an Österreich-Ungarn aussprach. Rückendeckung erhielt Russland offenbar beim Staatsbesuch einer französischen Delegation vom 20. bis 23. Juli 1914, die laut den Auswertungen von Christopher Clark ein festes Zusammenstehen in der kommenden Krise forderte.

 

Weitere Informationen: Dieser Text ist ein Auszug aus der Magazin-Ausgabe „Beginn des ersten Weltkriegs“. Auf 30 Seiten erfahren Sie alles Wissenswerte für die Schule, die Universität und die Allgemeinbildung. Mehr erfahren Sie hier.