Die Goldenen Zwanziger (1924-1929)

 

1. Kulturelle Blütezeit – „Goldene Zwanziger“

 

Nach dem I. Weltkrieg fand Deutschland in Kunst und Wissenschaft wieder Anerkennung. Während den „Goldenen Zwanzigern“ (etwa von 1924 bis 1929) entwickelte sich Berlin zu einem der bedeutendsten Kulturzentren der Welt. Entsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass zwischen 1919 und 1932 18 Deutsche einen Nobelpreis erhielten – darunter Albert Einstein und Thomas Mann.

Thomas Mann

Thomas Mann im Jahr 1929 – Lizenz

Nach dem Krieg etablierten sich Rundfunk und Film als Massenmedium (in Deutschland gab es die meisten Lichtspielhäuser). Die deutsche Ingenieurskunst zeigte sich beispielsweise im Luftschiff des Grafen Zeppelin.
Tendenzen in Literatur, Bildender Kunst und Musik, die durch den Krieg unterbrochen wurden, wurden weitergeführt und zu modernen Formen entwickelt.

Musik: 12-Ton Musik, Jazz, Charleston, Richard Strauss

Literatur: Erich Kästner, Thomas Mann, Hermann Hesse, Rilke

Architektur: „Bauhaus-Stil“ – Walter Gropius

Malerei:

  1. 1918-1923 Ende des Expressionismus
  2. 1923-19129 Neue Sachlichkeit bzw. gegenständliche Malerei: Alltagsleben, Politische Malerei, „Blaue Reiter“ – bedeutende Maler: Otto Dix, Georg Grosz, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Paul Klee, Emil Nolde

2. Innenpolitische Leistungen

Der später ermordete Reichfinanzminister Erzberger machte das übergeordnete Reich durch das Reichsfinanzwesen (Aufteilung des Steueraufkommens – Reich 39%, Länder 23% und Gemeinden 38%) von den Ländern unabhängig (Verfassung von 1871: Reich hat keine eigenen Einnahmen) und konnte so übergeordnete Interessen für die gesamte Republik verwirklichen.

Matthias Erzberger

Reichsfinanzminister Matthias Erzberger – Lizenz

Eine weitere innenpolitische Leistung war die Einbindung der Deutschnationalen Volkspartei (DVP) in die Regierungsverantwortung, sowie die Wahl von Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten, der zwar zum Teil eine restaurative Politik verfolgte, jedoch zur Stabilisierung der Weimarer Republik beitrug.

Weitere innenpolitische Erfolge:

  • 8 Stunden Tag
  • Arbeitslosen-Versicherung

Durch diese Leistungen wurde ein Nachlassen der rechts- und linksradikalen Aktivitäten erreicht.


3. Außenpolitische Leistungen

Oberstes Ziel der Außenpolitik der Weimarer Republik war die Revision des Versailler Vertrags. Hier sind vor allem der Abbau der Reparationen sowie die Beseitigung der internationalen Ausgrenzung gemeint.

Unterzeichnung des Versailler Vertrags

Vertragsunterzeichnung im Spiegelsaal von Versailles – Lizenz

Regelung der Reparationszahlungen seit dem Versailler Vertrag:

Bis zum 29. Januar 1921 war der Umfang und die Zeitdauer sowie die Zahlungsweise, die das Deutsche Reich im Zuge der Reparationszahlungen leisten musste, genau bestimmt. Die Reparationsforderungen beliefen sich auf 226 Milliarden Goldmark, die in 42 Jahresraten zu 2-6 Milliarden Goldmark zu zahlen waren. 12 % der Ausfuhr, etwa 1-2 Milliarden, mussten hinzu geleistet werden. Dabei sollte Frankreich mit 52% den größten Teil erhalten, England 22%, Italien 10%, Belgien 8% und der Rest der Welt 8%.
Durch das Londoner Ultimatum wurde dem Deutschen Reich die Besetzung deutscher Städte angedroht.
Diese Forderungen wurden aber in den laufenden Monaten aufgeweicht: Am 10. Mai 1921 beliefen sich die Forderungen an Deutschland auf 132 Milliarden Goldmark, also etwa die Hälfte im Vergleich zu den, im Januar gestellten, Forderungen.
Diese Zahl verringerte sich kurz darauf weiter. Bis zum 21. Mai 1921 reduzierten sich die Forderungen auf 20 Milliarden Goldmark.

Das Deutsche Reich jedoch war zahlungsunfähig, wobei jedoch die alliierte Kommission für Reparationen ein schuldhaftes Verhalten der Deutschen erkannte: Im Zuge dieses schuldhaften Verhaltens besetzten 60.000 französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet.

Eine wichtige Entwicklung für die Weimarer Republik war am 29. August 1924 der Dawes-Plan, der die Reparationen neu regelte sowie kurzfristige Kredite seitens der USA an Deutschland gewährte. Diese kurzfristigen Kredite wurden jedoch für langfristige Investitionen im öffentlichen und sozialen Bereich verwendet, wodurch es zu einer Kollidierung kam, die schwere Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft während der Weltwirtschaftskrise hatte.
Der im Jahr 1992 veröffentlichte Young-Plan regelte die Höhe und Dauer der Reparationen neu. Im Zuge dieses Plans hätte das Deutsche Reich bis ins Jahr 1988 Entschädigungen leisten müssen.

Auf der Konferenz von Lausanne vom 16. Juni bis zum 23. Juli 1932 wurden die Reparationsforderungen aufgrund der Weltwirtschaftskrise vollständig gestrichen.

 

Die Aufhebung der internationalen Isolation

  • 1922: Vertrag von Rapallo zwischen der entstehenden Sowjetunion und dem Deutschen Reich – über diese Entwicklungen reagiert Frankreich misstrauisch
  • 1925: Konferenz von Locarno – „Verträge zur Entspannung und Sicherheit in Europa“, das Deutsche Reich garantiert die Westgrenzen
  • 1926: Aufnahme in den Völkerbund
  • 1939: Abzug der alliierten Truppen aus dem Rheinland
  • 1932: Aufhebung der Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrags, außerdem wurde eine Gleichbehandlung bei Rüstungsverhandlungen erreicht