Die Geschichte des Glücksspiels

Wer oder was kann schon von sich behaupten, eine Geschichte von über 5.000 Jahren auf dem Buckel zu haben und noch immer aktuell zu sein? Es gibt wohl wenig, was eine solch lange Zeit übersteht – das Glücksspiel aber hat es geschafft! Die ersten Beweise, dass die Menschen ihr Glück im Spiel versucht haben, gehen bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurück.

Sechs Richtige im Lotto, die Fußballergebnisse richtig vorausgesagt, beim Pokern die beste Strategie gehabt oder beim Roulette alles auf die richtige Zahl gesetzt – all das ist Glücksspiel und in all diesen Bereichen versuchen Menschen, das große Geld zu machen. Die Chance darauf ist freilich verschwindend gering, wenngleich der Nervenkitzel und eben diese geringe Möglichkeit auf den ganz großen Gewinn die Menschen antreiben, weiter ihr Glück zu versuchen. Heutzutage mehr denn je, denn dank des Internets ist in Sachen Glücksspiel heutzutage viel mehr möglich, als früher.

Bevorzugte Glückspiele, Umsätze auf dem deutschen Markt, Durchschnittsalter, Motive
Grafik: Glücksspiel im 21. Jahrhundert. Quelle: eigene Darstellung

 

Die geschichtliche Entwicklung des Glücksspiels

Ab 3.000 vor Christus, Antike
  • Überwiegend Würfelspiele
Ab ca. 500 nach Christus, Mittelalter
  • Würfelspiele
  • Kartenspiele
Ab dem 14. Jahrhundert
  • Lotterieähnliche Glücksspiele vor allem in Holland und Italien
  • Glückshäfen (Glückstöpfe) in Deutschland und der Schweiz
Ab dem 17. Jahrhundert
  • Roulette (Erfindung des französischen Mathematikers Blaise Pascal, wobei es sich um ein Missverständnis handelte.)
Ab dem 18. Jahrhundert
  • Sportwetten (Pferdewetten) in England
  • Gesellschaftsspiele (nachfolgend Brett-, Karten- und Würfelspiele auf dem Glückspielsektor)
Ab dem 19. Jahrhundert
  • Automaten-Glücksspiel vor allem in England und in den USA

 

Alea iacta est – in der Antike fing alles an

Um die Anfänge des Glücksspiels zu finden, müssen wir zeitlich weit zurückgehen und zudem in ein Land, das heute gar nicht mehr existiert: Mesopotamien. In dem Gebiet, das sich in Vorderasien befand und sich vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf erstreckte, wurden einst Reliquien der ersten Glücksspiele gefunden. Dabei handelte es sich um Würfel, die in der Antike aus Knochen und Elfenbein hergestellt waren. Gerade diese Würfel waren es, mit denen alles begann, wurden sie doch auch in den alten indischen Schriften erwähnt und erreichten schließlich über Ägypten und Rom das nördliche Europa. Gespielt wurde damals um Sachwerte, ab dem 9. Jahrhundert dann um Geld, aber prinzipiell um alles, was gerade zur Verfügung stand. Und nicht selten sogar um die eigene Freiheit.

Fünf rote Würfel auf grünem Untergrund.
Bild: Das Würfelspiel ist das älteste bekannte Glücksspiel. Quelle: Ilaszlo – 144259417 / Shutterstock.com

 

Selbst Cäsar war dem Würfelspiel nicht abgeneigt. Auch wenn Glücksspiele im alten Rom nur an den Saturnalien (Festtage des Saturns) erlaubt waren, wäre es nicht verwunderlich, wenn der damalige Feldherr nicht auch mal das eine oder andere Spiel gewagt hätte. Auf jeden Fall waren auch bei ihm die Würfel allgegenwärtig. Warum sonst hätte er nach der Überquerung des Rubicon ausgerufen: „Alea iacta est“ – „die (der) Würfel sind (ist) gefallen“.

 

Des Teufels Gebetsbuch – das Kartenspiel auf dem Vormarsch

Von Indien aus begann das Kartenspiel im sogenannten dunklen Zeitalter, also im Mittelalter. Seinen Siegeszug um die ganze Welt. Zuerst spielte man nur im Orient Karten, im 14. Jahrhundert kam es dann nach Europa. Vor allem in Italien und Frankreich war das Spiel, das man auch scherzhaft „des Teufels Gebetsbuch“ nannte, populär. Als es nach Deutschland kam, wurde die freie Reichsstadt Ulm sogar zum Zentrum der Kartenproduktion im süddeutschen Raum.

Auch wenn sich die europäischen Spiele in Farben und Symbolen unterscheiden, ist überall eine gesellschaftliche Hierarchie zu erkennen. Anfangs verband man mit Bildkarten nicht selten bedeutende Persönlichkeiten. So wurden unter anderem folgende Bilder zugeordnet:

  • Pik König: König David
  • Herz König: Karl der Große
  • Karo König: Gaius Julius Cäsar
  • Kreuz König: Alexander der Große
  • Pik Dame: Athene, die Göttin der Weisheit
  • Kreuz Dame: Maria, die Mutter Jesu
  • Herz Bube: La Hire, der Gefährte von Jeanne D´Arc
  • Kreuz Bube: Ritter Lancelot

 

Zwischen Hinterzimmer und staatlichen Einrichtungen

Im 17. Jahrhundert wurde schließlich das Roulette erfunden. Zugeschrieben wird es dem französischen Mathematiker Blaise Pascal. Er war einer der Pioniere der Wahrscheinlichkeitsrechnung und verfasste im Jahr 1658 seine Schriften „Histoire de la roulette“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das heute bekannte Roulettespiel, sondern um die sogenannten Zykloiden, die im französischen „Roulette“ (kleines Rädchen) genannt wurden.

Drehendes Roulette, Kugel bleibt auf 12 Rot liegen.
Bild: Nur ein bisschen Glück, schon winkt der ganz große Gewinn – wenn es doch so einfach wäre. Quelle: Fer Gregory – 245913085 / Shutterstock.com

 

War Pascal also doch nicht der Erfinder? Mit ziemlicher Sicherheit schon, denn während seiner Forschungen zum Perpetuum Mobile entstand als Nebenprodukt das Roulette. Das Spiel selbst entstand im selben Jahrhundert in Italien. Von da an gab es kein Halten mehr. Im 18. Jahrhundert verbreitete es sich über ganz Europa.

Schon damals erkannten die Staaten, dass mit den beliebten Glücksspielen Geld zu machen ist. Also wurden Glücksspiele verboten und verstaatlicht, sodass nur noch der Staat solche Spiele betreiben durfte. Die Einnahmen flossen in die Staatskassen. So entstanden die Staatslotterien, die es auch heute noch gibt. Mit der Legalisierung des Glücksspiels in Deutschland, die während der napoleonischen Herrschaft stattfand, wurden auch die ersten großen Casinos eröffnet. Vorreiter waren Städte wie Baden-Baden, Wiesbaden und Bad Ems. 1872 wurden alle Casinos verboten und erst wieder im 3. Reich geöffnet.

 

Das Glücksspiel im 21. Jahrhundert

Das Glücksspiel, egal ob in Spielbanken oder bei Lotterien, hat heute einen enormen Einfluss auf die Wirtschaft. So kann der Staat allein durch Steuern jede Menge Geld einnehmen. Im Jahr 2009 waren es in Deutschland 25 Milliarden Euro. Regelmäßig ihr Glück versucht rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung.

Im Hinterkopf immer der Traum vom großen Glück. Auch wenn die Chance auf einen Hauptgewinn verschwindend gering ist, versucht man es weiter, weswegen das Glücksspiel aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken ist. Zu den beliebtesten Herstellern von Casino-Spielen gehören aktuell die sogenannten Merkur Spiele, eine Marke der Gauselmann-Gruppe. Solange der Mensch existiert, wird es diese nervenaufreibenden Spiele wohl auch weiterhin geben. Und dank des Internets wird sich die Palette wohl auch noch um ein Vielfaches erweitern.

 

Quellen:

Ilaszlo – 144259417 / Shutterstock.com

Fer Gregory – 245913085 / Shutterstock.com