Schweizer SöldnerIm Früh- und Hochmittelalter rekrutierten sich die Krieger aus den Vasallen eines Lehnsgebers. Für das Land, das sie von einem Herren erhalten hatten, mussten die Vasallen im Gegenzug im Kriegsfall eine bestimmte Anzahl an bewaffneten Kriegern stellen. Diese Zahl ergab sich aus der Größe und vor allem aus der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des jeweiligen Lehens. Unterstützung im Kriegsfall konnte aber durchaus auch durch die Zahlung einer Geldsumme erfolgen. Die Dienstzeit war in der Regel auf 40 Tage beschränkt. Eine Armee aus Lehnsaufgeboten konnte also nicht unbegrenzt im Feld gehalten werden. Problematisch konnte es auch werden, wenn eine Person Vasall von zwei verschiedenen Lehnsherren war, die miteinander im Streit lagen. In diesem Fall hatte der Vasall rechtlich gesehen die Möglichkeit, sich aus dem Streit heraus zu halten. In der Praxis war dies allerdings nicht immer machbar. Insbesondere dann nicht, wenn das Herrschaftsgebiet des Vasallen enger an das Gebiet eines der Lehnsherren lag oder einer derselben wesentlich mächtiger und einflussreicher war als sein Gegner.

Im späten Mittelalter kam das Lehnsaufgebot langsam aber sicher an seine Grenzen. Die wachsende Professionalisierung des Krieges erforderte immer spezialisiertere Krieger. Sie mussten nicht nur im Kampf in bestimmten Formationen geschult sein, sondern auch immer komplexere Kriegsmaschinen bauen und bedienen können. Die Feuerwaffen des Mittelalters, obwohl schon existent seit dem 14. Jahrhundert, benötigten nicht nur geübte Schützen, sondern auch Büchsenmeister. Diese waren zumeist keine Soldaten, sondern verstanden sich als Handwerker und Künstler. Von einigen von ihnen sind schöne Werke überliefert, in denen sie ihre Erfindungen festgehalten haben. Zu den bekanntesten zählen das „Kriegsbuch“ des Philipp von Södeneck, das „Wiener Büchsenmeisterbuch“ sowie das „Kriegs- und Püxenwerch“. Diese Kriegsmaschinen waren bereits sehr komplex und sie mussten sehr sorgfältig hergestellt werden, damit sie den ungeheuren Belastungen widerstehen konnten.

Auch gab es zunehmend Militärexperten. Dazu zählte u. a. der Wagenburgmeister, der Experte war für den Einsatz von Kriegswagen. Diese Experten übernahmen auch Ausbildungsaufgaben. Die Söldner stammten aus allen möglichen gesellschaftlichen Schichten. Nicht nur mittellose Menschen schlugen diesen Weg ein. Aus für Adlige war dieser Weg attraktiv. Sie wurden gezielt angeworben, um im Kriegsfall Dienst zu tun. Dabei wurde vertraglich genau festgelegt, wer mit welcher Ausrüstung angeworben wurde, zu welchem Zweck, für welche Dauer und zu welcher Bezahlung. Es wurde auch geregelt, was mit Beute geschehen sollte und in welchem Umfang die Söldner versichert sein sollten. Im Regelfall wurde ihnen nicht nur der Schaden an der Ausrüstung ersetzt, sie sollten sogar aus Kriegsgefangenschaft ausgelöst werden, falls nötig.

Diese Söldnerheere waren alles andere als günstig. Häufig kamen hier Summen zusammen, die kaum noch aufzubringen waren oder ein Adelsgeschlecht über mehrere Generationen hinweg verschuldete. Gute Söldner ließen sich ihre Dienste sehr gut bezahlen. Wurde der Sold nicht bezahlt, konnte es gar dazu kommen, dass Söldner ganze Landstriche ausplünderten oder besetzten, bis sie ihre Bezahlung erhielten. Einige Söldnerkapitäne schafften es sogar, Ländereien und Titel zu erhalten.

Diese Entwicklung im späten Mittelalter war der Vorläufer von dem, was man in der frühen Neuzeit beobachten konnte. Für die Deutschen sollte vor allem die Entstehung der Landsknechte, mit eigener Kultur und teilweise sogar Sprache, von Bedeutung sein.

Blog: http://dasmittelalterderblog.wordpress.com/2013/07/02/die-entstehung-des-soldnerwesens-im-mittelalter/