(c) Alamode Film
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Fritz Bauer war Generalstaatsanwalt in Hessen und damit einer der ranghöchsten Strafverfolger der damals noch jungen Bundesrepublik. Über alle Widerstände hinweg, klagte er Nationalsozialisten an und erreichte so eine Auseinandersetzung der Deutschen mit den Verbrechen in der Hitler-Zeit.

 

Fritz Bauer, der „General“

Fritz Bauer als Heidelberger Student
Fritz Bauer als Heidelberger Student

Einer weithin unbekannten Facette des Schaffens dieses Ausnahme-Juristen widmet sich der Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“: Fritz Bauer war maßgeblich daran beteiligt, dass Adolf Eichmann (SS-Obersturmbannführer und maßgeblich für die massenhafte Verfolgung und Vernichtung der Juden im von Deutschland besetzten Europa verantwortlich) vom Geheimdienst des israelischen Staates, dem Mossad, in seinem argentinischen Versteck aufgespürt und festgenommen werden konnte.

Verbunden wird diese wichtige Episode in Bauers Leben mit einer anschaulichen Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse im jungen Nachkriegsdeutschland: Fritz Bauer war Sozialdemokrat, Jude und homosexuell (wobei Bauer sich nie zu seiner sexuellen Orientierung bekannt hat und eindeutige Belege dafür nicht vorliegen – jedenfalls deuten aber Verdächtigungen der dänischen Fremdenpolizei in diese Richtung). Allein aufgrund dieser Biographie stieß der Generalstaatsanwalt bereits auf erhebliche Widerstände. Die Bundesrepublik der 50er und 60er Jahre war durch das Wirtschaftswunder bestimmt – die Auseinandersetzung mit den Gräueltaten im 3. Reich wurde verdrängt, das Klima war konservativ und repressiv. Der Blick richtete sich nach vorne und nicht zurück.

 

„Ein Unrechtsstaat wie das Dritte Reich ist überhaupt nicht hochverratsfähig.“

– Plädoyer im Remer-Prozess 1952

 

Ein Staatsanwalt, der gegen nationalsozialistische Verbrecher, die sich in ihr neues Leben bestens eingefügt hatten, vorgehen wollte, konnte sich wenig Unterstützung und zahlreicher Kritiker sicher sein. So äußerte Bauer selbst, dass er „in der Justiz wie im Exil lebe“. Dennoch ist sein Wirken für ein demokratischeres Deutschland enorm wichtig gewesen. In seinem Plädoyer im Remer-Prozess schuf er das Bewusstsein, dass die Widerständler um Claus Graf Schenk von Stauffenberg keine Hochverräter waren, sondern eine gerechte Sache verfolgten. Die Ausschwitz-Prozesse rückten die Judenverfolgung in das öffentliche Interesse und dienten damit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen.

 

 

Leider werden diese wichtigen Aspekte von Bauers Wirken im Film nicht thematisiert – dieser fokussiert sich auf die Jagd nach Adolf Eichmann. Dabei steht Bauer ein junger Staatsanwalt zur Seite, der – selbst homosexuell – mit dem gesellschaftlichen Klima kämpft und sich bewusst ist, dass seine Karriere durch seine Neigungen zerstört werden konnte.

Dass Bauer selbst an den Widerständen aus den eigenen Reihen zu scheitern drohte, macht bereits die Eröffnungsszene deutlich, in der er unter Alkohol- und Schlaftabletteneinfluss zu ertrinken droht. Der naheliegenden Schlussfolgerung eines Suizidversuchs tritt er jedoch entschieden entgegen.

 

Der sehenswerte Film erscheint am 11. März 2016 auf DVD, Blu-Ray und als Video on Demand.

 

Offizielle Beschreibung

Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die NS-Zeit hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann beginnt Bauer, die Hintergründe zu recherchieren. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise: In seiner eigenen Behörde verschwinden immer wieder Akten und auch Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt behindern den unliebsamen Bauer in seinen Ermittlungen. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen unsichtbare Gegner beginnt, doch Bauer und Angermann geben nicht auf, wohl wissend, dass ihnen die Jagd auf Eichmann sowohl beruflich als auch privat alles abverlangen wird.

 

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