Der Seevölkersturm

 

Irgendwann um 1200 begegnet man einer Reihe von Zerstörungen verschiedener Paläste auf der Peloponnes. Erst war das messenische Pylos an der Reihe, dann folgten andere Städte wie Mykene und Tyrins. Solche verheerenden Ereignisse bliebeen indessen nicht auf Hellas beschränkt. Überall im Mittelmeerraum trifft man zu dieser Zeit auf dramatische Vorgänge: Das Hethiterreich bricht zusammen, Unruhen auf Kreta deuten das Ende der minoischen Palastzeit an, Zypern wird angegriffen, die alte syrische Handelsstadt Ugarit wird exakt am 9. Januar 1192 v. Chr. zerstört und dem Erdboden gleichgemacht – dieses Datum ist durch eine Sonnenfinsternis bezeugt. All dies zusammen wird unter den Namen des „Seevölkersturms“ gefasst.
Der Begriff der „Seevölker“ wird zweimal in ägyptischen Quellen erwähnt: einmal erscheint er um 1220, zur Zeit des Pharao Merenptah, als „Leute vom Norden“, darunter die sogenannten Akaiwascha, das Nildelta angegriffen hatten. Diese Akaiwascha hat man später mit den Achaiern gleichgesetzt, wie sie bei Homer als Bezeichnung der Griechen auftauchen. Doch ist dies unwahrscheinlich, spricht denn die Quelle davon, dass diese Leute beschnitten waren – was in Griechenland nach allem, was man weiß, niemals Brauch war. Ein anderes Mal werden die „Seevölker“ 1191 unter Pharao Ramses III. erwähnt, der sich brüstet, sie ruhmvoll zurückgeschlagen zu haben. So weiß man bis heute nicht, wer diese sagenhaften Seevölker nun waren – auch die Philister werden gelegentlich darunter gefasst -, Tatsache bleibt, dass in diesen Jahren gewaltige Wanderungsbewegungenen in Einklang mit Bränden, Plünderungen und Massenflucht vorgekommen sind.
In diese Zeit – also etwa zwischen 1250 und 1200 – fällt auch der Trojanische Krieg, Aufhänger der verschiedensten Sagen und Epen, worunter die Ilias des Homer die bekannteste ist.
Wie sich auch der Niedergang von Mykene im einzelnen abgespielt haben mag: Versuche, die Burgen zu restaurieren, schlugen auf lange Frist fehl, daneben auch vereinzelte Wiederaufbauten der Unterstädte, und Griechenland fiel in die 400 Jahre dauernde Epoche der „Dunklen Jahrhunderte“.