Der andere Stalin 2

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Der 17. Parteitag der russischen kommunistischen Partei 1934 – der „Parteitag der Sieger

Dieser Parteitag nannte sich „Parteitag der Sieger“, weil ihm die Zerschlagung sogenannter Oppositionsgruppen vorausgingen. Sogenannte Opposition deswegen, weil man in den zurückliegenden Jahren die Trotzkisten, Sinowjew-, Kamenew- und Bucharinleute als Gegener bekämpfte und besiegte.

Jedoch waren Trotzki, Kamenew, Sinowjew und Bucharin Lenins Kampfgefährten, die noch selbst mit Lenin sprachen, an seiner Seite kämpften und vor allem in der Vorbereitung und Durchführung der Revolution, sowie im Bürgerkrieg ein entschieden größeres Profil an den Tag legten als das trübe Licht Stalin. Das musste natürlich nach dem Gewinn der Macht im Nachhinein grundlegend geändert werden.

Stalin, „der Schüler Lenins“, war die neue Richtlinie, nachdem die Weltrevolution ausblieb und der Aufbau des Sozialismus in einem Lande zu Staatsräson erklärt wurde.

Die Delegierten des 17. Parteitages waren zu 80 % in den Jahren der Konspiration (Verschwörung, Vorbereitung der Revolution) und während des Bürgerkrieges bis 1920 bereits in die Partei eingetreten und haben aktiv am Aufbau des Sozialismus in der SU mitgewirkt. Sie waren also die treue bolschewistische Gefolkschaft der Revolution.

Was hat man schon von Stalin vernommen?

Insgesamt waren auf dem 17. Parteitag 1966 Delegierte, davon 60% Arbeiter. Von diesen 1966 Delegierten wurden mehr als die Hälfte – 1108 Personen später auf Grund von Beschuldigungen wegen konterrevolutionärer Verbrechen festgenommen.

Ja was sind denn das für „Sieger?“

Später stellte sich dann heraus, dass die Vorwürfe unbegründet, unsachlich und wider allen gesunden Verstand konstruiert waren.

Auf diesem Parteitag wurden von diesen Delegierten 139 Personen in das Zentralkommitee der Partei gewählt. Davon wurden 98 Personen, das sind 70 %, später verurteilt und erschossen.

Zitat aus der Geheimrede Chrustschows auf dem 20. Parteitag:

Es sei daran erinnert, daß der XVII. Parteitag in die Geschichte als Parteitag der Sieger einging. Die Delegierten für den Parteitag waren aktive Teilnehmer am Aufbau unseres sozialistischen Staates, viele von ihnen kämpften aufopferungsvoll um die Sache der Partei in den Vorrevolutionsjahren, in der Konspiration und an den Fronten des Bürgerkrieges, kämpften tapfer gegen die Feinde, sahen oft dem Tod ins Auge und zitterten nicht. Wie also soll man glauben, daß solche Leute in der Periode nach der politischen Zerschlagung der Zinov’evleute, Trotzkisten und Rechtsabweichler, nach den großen Siegen des sozialistischen Aufbaus sich als „doppelzünglerisch“ herausstellten, ins Lager der Feinde des Sozialismus übergingen?

 

Am letzten Tag des 17. Parteitags der Sieger standen geheime Wahlen zum Zentralkommitee und Partei- und Staatskontrolle an. Zum Generalsekretär der Partei wurde neben Stalin auch der beliebte Leningrader Funktionär Kirow zu Wahl gestellt. Dabei erhielt Kirow nur 3 Gegenstimmen, während fast 300 Delegierte gegen Stalin stimmten. Das durfte nicht sein! Umgehend wurden Stalins Gegenstimmen auch auf 3 reduziert.

Eine Kommission des 20. Parteitages stellte dann fest, dass 267 Stimmzettel fehlten. …

Mikojan notierte in sein Tagebuch, dass Stalin für diesen Parteitag und für Kirow persönlich nur Feindschaft und Rachegedanken übrig hatte.

Die Ermordung Kirows am 1. Dezember 1934

Am 1. Dezember 1934 wurde Kirow von Leonid Nikolajew in Leningrad erschossen. Die Hintergründe des Attentats konnten nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Am selben Abend diktierte Stalin seinem Verwandten, den er später vermutlich aus persönlichen Gründen liquidieren ließ, Jenukidse, folgende 3 Anordnungen zum Fall Kirow:

„I. Den Untersuchungsbehörden ist vorzuschlagen, die Fälle von Personen, die der Vorbereitung bzw. der Verübung von Terrorakten beschuldigt werden, im Schnellverfahren abzuwickeln.

II. Den Gerichtsorganen ist vorzuschlagen, die Vollstreckung der Urteile zur Höchststrafe in Anbetracht von Gnadengesuchen der Verbrecher dieser Kategorie nicht hinauszuschieben, da das Präsidium des ZEK der UdSSR es nicht für möglich hält, solche Gesuche zur Prüfung anzunehmen.

III. Den Organen des NKVD der Union der SSR ist vorzuschlagen, die Veruteilung zur Höchststrafe bei Verbrechern der genannten Kategorien sofort nach der Urteilsverkündung zu vollstrecken.“

Diese Verfügung bildete die Grundlage für massenhafte Verletzung der (sozialistischen) Gerechtigkeit. Es öffnete dem Staatsterror Tür und Tor.

Die Umstände der Ermordung Kirows und dessen „Aufklärung“ sind rätselhaft und verworren. Der Mörder Kirows, Nikolajew, wurde bereits im Oktober 1934 mit einer Waffe in der Nähe Kirows gesehen, festgenommen, aber ohne Untersuchung wieder freigelassen.

Vermutlich hat ein Mitarbeiter aus Kirows Personenschutz dem Mörder Hilfestellung geleistet.

Verdächtig ist, dass ein verdächtiger Personenschützer Kirows, der am Tag nach dem Mord zum Verhör transportiert wurde, bei einem „Verkehrsunfall“ ums Leben kam, während keine der ihn begleitenden Personen verletzt wurden.

Nach der Ermordung Kirows wurden leitende Mitarbeiter des Leningrader NKWD ihrer Funktion enthoben und zu milden Strafen verurteilt, aber 1937 wurden sie erschossen, vermutlich um die Spuren der Organisatoren des Mordes an Kirow zu verwischen.

Für Stalin dienten die Ereignisse, einen Riesenterror und Säuberungen seiner Gegner anzuzetteln, ähnlich wie die Nazis nach dem Reichstagsbrand.

Zum ersten Teil

Wird fortgesetzt