stalinbildWelche Rolle spielte Josef Stalin in den Tagen der Oktoberrevolution 1917 in Petersburg (die den Kommunisten unter Lenin zur Macht verholf und dadurch in den folgenden Jahrzehnten die Weltgeschichte prägte)? Dieser Frage geht unser Mitglied segula in seinem Leserbeitrag nach und informiert über den Machtmissbrauch des roten Diktators der Sowjetunion (1878 – 1953). Teil 2 des Artikels über den sowjetischen Diktator können Sie hier abrufen.

 

Der andere Stalin

Hier wird über den Machtmissbrauch des roten Diktators informiert.

 

Welche Rolle spielte Stalin in den Tagen der Oktoberrevolution 1917 in Petersburg?

Dazu kann man bei einem Zeitzeugen nachlesen: Das Buch „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“ von John Reed. Das ist ein beeindruckendes Zeitdokument aus den persönlichen Erlebnissen eines amerikanischen Journalisten während des Kommunistischen Putsches in Russland.

Nach den von der Stalinführung Jahrzehnte später herausgegebenen Schriften soll ja Stalin heldenhaft gegen die Kerenskitruppen gekämpft haben.

Nur hat John Reed davon als Zeitzeuge nicht viel bemerkt. Stalin kommt kaum vor in seinem Buch „Zehn Tage …“. Er wird gerade zweimal erwähnt, d. h. er hat den Status „ferner liefen“.

Mit einer Suchfunktion habe ich mal ein paar bekannte Namen aus dem „Zehn Tage…“ Buch ausgesucht, wie oft sie erwähnt werden.

Es ergibt sich folgende Reihenfolge:

1.Platz Lenin, 79 mal
2. Platz Trotzki 72 mal
3. Platz Kamenew 32 mal
4. Platz Sinowjew 12 mal
5. Platz Nogin 9 mal
6. Platz Rykow 7 mal
7. Platz Stalin nur 2 mal erwähnt,

 

was für Stalin nicht eben ruhmreich ist, aber er war eben schon mal dabei. Allerdings sollte man aus dieser Aufstellung nicht unbedingt absolut auf die Wertigkeit der Genossen schließen. Man beachte jedoch im Gegensatz zu Stalin die vielen Erwähnungen Trotzkis neben Lenin. Wie gesagt, Berichte eines Zeitzeugen.

Im Jahre 1938, eine Periode, in der viele Kampfgefährten Lenins denunziert und hingerichtet wurden, erschien die

GESCHICHTE

DER KOMMUNISTISCHEN

PARTEI

DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KURZER LEHRGANG

Unter der redktionellen Leitung Stalins, wo das Verhältnis von Stalin und Trotzki schon „ausgeglichener“ war.

Eine Suchfunktion ergibt nun schon diese Reihenfolge der o. a. Genossen:

1.Platz Lenin, 777 mal
2.Platz Stalin, immerhin 188 mal
3.Platz Trotzki, trotz allem 183 mal
4.Platz Bucharin, 68 mal
5.Platz Sinowjew, 65 mal
6.Platz Kamenew, 46 mal
7.Platz Nogin, 2 mal namentlich erwähnt,

 

wobei für Trotzki viel Kritik verwndet wurde.

Ein Schelm, der dabei an Fälschung denkt.

 

Bei den oben angeführten Genossen handelt es sich durchweg um Kampfgefährten Lenins. Stalins krankhaftes Machtstreben brachte es soweit, dass der Großteil der Mitstreiter des Revolutionsführers später liquidiert wurde.

 

Stalin, der Grobian

Am Krankenbette Lenins, der durch einen Schlaganfall daran gebunden war, benahm sich Stalin grob und gegenüber der Gattin Lenins, Nadeshda Krupskaja, auch ungalant, so dass sich beide zu einer Beschwerde genötigt sahen. Die folgenden Auszüge entnehme ich aus der Geheimrede Chrustschows auf dem 20. Parteitag der KPdSU 1956.

 

1. Der Brief von N. K. Krupskaja:

„Lev Borisovi?, wegen des kurzen Briefes, den mirWlad. Il’i? mit Erlaubnis der Ärzte diktiert hat, erlaubte sich Stalin mir gegenüber gestern einen groben Ausfall. Ich bin nicht erst seit gestern in der Partei. In all den dreißig Jahren habe ich von keinem Genossen ein einziges grobes Wort gehört. Die Interessen der Partei und Il’i?s sind mir nicht weniger teuer, als sie es Stalin sind. Ich brauche jetzt ein Maximum an Selbstbeherrschung. Worüber man mit Il’i? sprechen kann und worüber nicht, weiß ich besser als jeder Arzt, denn ich weiß, was ihn aufregt und was nicht, auf alle Fälle weiß ich das besser als Stalin. Ich wende mich an Sie und an Grigorij als Genossen, die W.I. näher als andere stehen, und bitte darum, mich vor grober Einmischung in mein Privatleben zu schützen, vor unwürdigen Beschimpfungen und Drohungen. An dem einstimmigen Beschluß der Kontrollkommission, mit der Stalin zu drohen sich erlaubte, zweifle ich nicht. Ich habe aber weder Kraft noch Zeit, mich mit diesen dummen Intrigen zu beschäftigen. Auch ich bin ein lebendiger Mensch, und meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt.

N. Krupskaja.“

Diesen Brief schrieb Nadeshda Konstantinovna am 23. Dezember 1922. Nach Ablauf von zweieinhalb Monaten, im März 1923, schickte Lenin an Stalin folgenden Brief:

2. Brief W. I. Lenins:

„An Genossen Stalin.

Streng vertraulich.

Persönlich

Kopie an die Genossen Kamenew und Sinowjew

Werter Gen. Stalin!

Sie besaßen die Grobheit, meine Frau ans Telefon zu rufen und sie zu beschimpfen. Obwohl sie sich Ihnen gegenüber bereit erklärt hat, das Gesagte zu vergessen, haben Sinowjew und Kamenev diese Tatsache durch sie selbst erfahren. Ich habe nicht die Absicht, so leicht zu vergessen, was man mir angetan hat, und selbstverständlich betrachte ich das, was man meiner Frau angetan hat, als etwas, das auch mir angetan wurde. Deshalb bitte ich Sie zu erwägen, ob Sie bereit sind, das Gesagte zurückzunehmen und sich zu entschuldigen, oder ob Sie es vorziehen, die Beziehungen zwischen uns abzubrechen.

Hochachtungsvoll Lenin

5. März 1923.“

Lenin schrieb dann auch in seinem politischen Testament über Stalin:

„Stalin ist zu grob, und dieser Mangel, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen uns Kommunisten durchaus erträglich ist, kann in der Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen, wie man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von Gen. Stalin nur durch einen Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, daß er toleranter, loyaler, höflicher und den Genossen gegenüber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist.“

Auf dem 13. Parteitag der KPdSU wurde dieses Dokument verlesen, wo es um den Verbleib auf dem Posten Stalins als Parteisekretär ging. Die Delegierten sprachen sich für den Verbleib Stalins aus, wenn er die Kritik Lenins beherzige.

 

Stalin – nach dem Tode Lenins 1924:

 

Stalins Machtstreben und überzogenes Geltungsbedürfnis ließen ihn nun den Machtkampf um die Nachfolge Lenins mit überaus unfairen und intigranten Mitteln betreiben.

Sein erster Zorn und Argwohn richtete sich gegen Trotzki, dem äußerst erfolgreichen Revolutionär während des Oktoberumsturzes und des Bürgerkriegs. So einen Helden konnte Stalin neben sich nicht ertragen. Er entwickelte eine regelrechte Phobie gegen Trotzki.

Er soll – die Betonung liegt auf ´soll´- an Trotzki ein falsches Datum der Beisetzung Lenins telegrafiert haben, damit der an dem Zeremoniell nicht teilnehmen konnte.

Aber das ist nicht genug. In einer Rede auf dem Plenum der kommunistischen Fraktion des Zentralrats der Gewerkschaften der Sowjetunion am19. November 1924 zweifelt er den Wahrheitsgehalt des Buches „Zehn Tage die die Welt erschütterten“ von J. Reed an:

 

DIE TATSACHEN ÜBER DEN OKTOBERAUFSTAND

Zunächst über den Oktoberaufstand. Unter den Parteimitgliedern werden eifrig Gerüchte

verbreitet, das ZK als Ganzes sei im Oktober 1917 angeblich gegen den Aufstand gewesen.

Man pflegt zu erzählen, das ZK habe sich am 10. Oktober, als es den Beschluss fasste, den

Aufstand zu organisieren, ursprünglich in seiner Mehrheit gegen den Aufstand ausgesprochen,

dann aber sei ein Arbeiter in die Sitzung des ZK hineingestürzt und habe gerufen: „Ihr

entscheidet euch gegen den Aufstand, ich aber sage euch, dass der Aufstand doch stattfinden

wird, trotz alledem.“ Und erst nach diesen Drohungen soll das ZK, dem angeblich bange

geworden sei, die Frage des Aufstands erneut aufgeworfen und den Beschluss, den Aufstand

zu organisieren, gefasst haben.

Das ist kein einfaches Gerücht, Genossen. Darüber schreibt der bekannte John Reed in seinem Buch „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“, John Reed, der unserer Partei fern stand, der selbstverständlich die Geschichte unserer konspirativen Versammlung vom 10.Oktober nicht kennen konnte und infolgedessen auf die Lügenmärchen hereinfiel, die von den Herren Suchanow in die Welt gesetzt werden. Diese Mär wird dann in einer Reihe von Broschüren, die der Feder von Trotzkisten entstammen, wiedergegeben und wiederholt, unter anderem auch in einer der letzten Broschüren über den Oktober, die von Syrkin verfasst ist. Diese Gerüchte werden durch die letzten literarischen Ergüsse Trotzkis mit Eifer aufrechterhalten.

(Aus Stalin, „Trotzkismus oder Leninismus“)

In dieser Schrift werden die späteren Feinde und Opfer Stalins Kamenew und Sinowjew noch als Leninisten und Bolschewiken bezeichnet, was sich bald ändern sollte.

Trotzki unterlag im Machtkampf um Lenins Nachfolge. Ab 1925 verlor er schrittweise alle Parteiämter. 1927 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, 1928 nach Kasachstan verbannt und 1929 aus der Sowjetunion ausgewiesen.

Das war ein Vorgeschmack, was anderen, dem Bolschewismus treu ergebenen Genossen noch blühen sollte.

1940 wurde Trotzki von einem Agenten der Sowjetischen Geheimpolizei auf Weisung Stalins mit einem Eispickel erschlagen.

Fortsetzung folgt.