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Die New York Times meldet die Ermordung 

 

Das Thronfolgerehepaar fuhr in Sarajevo in einer Wagenkolonne aus sechs Fahrzeugen, als sie es mit einer ganzen Reihe von Attentätern zu tun bekamen:

Der erste in dieser Reihe war gegen 10.00 Uhr Muhamed Mehmedbašić:
Er war Mitglied von Mlada Bosna. Er wartete mit einer Bombe auf den Thronfolger setzte sie aber nicht ein.
Nach seinem gescheiterten Attentatsversuch gelang es ihm, sich nach Montenegro abzusetzen. Da er sich jedoch ungeschickt verhielt, wurde er dort doch noch festgenommen, konnte aus dem Gefängnis ausbrechen und wurde 1917 erneut festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1919 kam er nach einer Amnestie frei und starb während des Zweiten Weltkrieges.

Der zweite Attentäter, an dem die Wagenkolonne vorbei fuhr, war der zur Tatzeit noch Minderjährige Nedeljko Čabrinović:
Er warf seine Bombe in Richtung des Fahrzeugs des Thronfolgers. Sie prallte dort ab, fiel über das Heck des Fahrzeugs vor das Dritte Fahrzeug der Kolonne und explodierte dort. Oberstleutnant Merizzi und Graf Boos-Waldeck sowie mehrere Schaulustige wurden dabei verletzt. Das Thronfolgerpaar blieb hier noch unverletzt.
Čabrinovićs anschließender Selbstmordversuch scheiterte, so dass er festgenommen werden konnte. Er wurde vom Gericht zu 20 Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Theresienstadt verbüßte. Er starb 1916 an Tuberkulose.

Die Kolonne fuhr danach zum Rathaus, wo Franz Ferdinand wie geplant den Bürgermeister traf. Dessen Begrüßungsrede unterbrach der Thronfolger mit den Worten:
„Herr Bürgermeister, da kommt man nach Sarajevo, um einen Besuch zu machen, und wird mit Bomben beworfen! Das ist empörend.“

Nach diesem Besuch verfügte Franz Ferdinand eine Änderung der Fahrtroute – er wollte nun nicht direkt ins Museum fahren, sondern zunächst den beim ersten Anschlag am Hals verletzten Merizzi im Krankenhaus besuchen. Dazu musste die Kolonne quer durch die ganze Stadt. Nach einer Unterredung übernahm der anwesende Gouverneur von Bosnien-Herzegowina, Oskar Potiorek, die Verantwortung für die Sicherheit des Thronfolgerpaares – insbesondere für Gräfin Sophie Chotek.
Auf dieser Route bog die Kolonne einmal falsch ab und blieb einige Sekunden direkt vor einem Geschäft stehen, an dem sich ein weiterer Attentäter aufhielt: Gavrilo Princip

Auch er war bosnischer Serbe und seit 1912 Mitglied der Mlada Bosna. Princip und zwei seiner Freunde und Mitattentäter wurden in Belgrad auf den Anschlag vorbereitet und erhielten von serbischen Führungsoffizieren einer Geheimorganisation namens „Schwarze Hand“ ein Training im Umgang mit Schusswaffen und Bomben. Princip erwies sich als der beste Schütze der drei. Von dort erhielten sie auch die Waffen und Bomben für den Anschlag auf das Thronfolgerpaar.

Attentat

Princip nutzte die Gelegenheit, um mit seiner Pistole zwei Schüsse auf das Thronfolgerpaar abzugeben. Der erste Schuss traf Gräfin Sophie durch die Fahrzeugwand in den Unterleib und fügte ihr damit Verletzungen zu, an denen sie noch im Wagen innerlich verblutete. Der zweite Schuss traf Thronfolger Franz Ferdinand in den Hals, wobei eine Halsvene zerriss und die Luftröhre verletzt wurde. Auch er starb sofort.
Auch Princips Selbstmordversuch scheiterte, so dass er lebend gefasst werden konnte. Er wurde zu 20 Jahren schwerer Zwangsarbeit in der Festung Theresienstadt verurteilt und starb dort 1918 nach langer Krankheit.
Princip wird noch heute von bosnischen Serben und in Serbien selbst als Nationalheld verehrt.

Es gab noch weitere Beteiligte der Mlada Bosna an der Verschwörung, die aber nicht bewaffnet bzw. nicht unmittelbar in Erscheinung traten. Es handelte sich dabei um Veljko Čubrilović, Miško Jovanović, Mladen und Sreten Stojaković, Jezdimir Dangić, Mitar und Neđa Kerović sowie Jakov Milović.
Insgesamt wurden aufgrund der Verhöre der festgenommenen Attentäter 25 Verschwörer verhaftet. Drei der Attentäter wurden zum Tode verurteilt, die übrigen erhielten langjährige Haftstrafen.

 

In der damaligen zeitgenössischen Presse wurde das Ereignis so aufgenommen, wie etwa in der „Berliner Morgenpost“. Die damalige amtliche Meldung liest sich wie folgt:

„Als der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin sich heute vormittag zum Empfang nach dem Rathause begaben, wurde gegen das Auto eine Bombe geschleudert, welche der Thronfolger mit den Armen zurückstieß. Nachdem das erzherzogliche Auto passiert war, explodierte die Bombe, und die im nachfolgenden Auto befindlichen Herren Graf Boos-Waldeck und Flügeladjutant Merizzi sowie 6 Personen vom Publikum wurden schwer verletzt. Der Attentäter ist ein Photograph namens Gabrinowitch aus Trebinje in der Herzegowina. Nach dem ortsüblichen Empfang im Rathause setzten der Thronfolger und seine Gemahlin die Rundfahrt durch die Stadt fort. In der Nähe des Rathauses feuerte plötzlich der Gymnasiast der achten Klasse Prinzip aus Grabowo mehrere Pistolenschüsse auf das erzherzogliche Paar. Der eine Schuß traf den Thronfolger in den Kopf, der andere seine Gemahlin in den Unterleib.

 

Fortsetzung: Das Attentat von Sarajevo 1914: Nach dem Attentat

 

Weitere Informationen: Dieser Text ist ein Auszug aus der Magazin-Ausgabe „Beginn des ersten Weltkriegs“. Auf 30 Seiten erfahren Sie alles Wissenswerte für die Schule, die Universität und die Allgemeinbildung. Mehr erfahren Sie hier.