Auch im Mittelalter spielte das Klima eine entscheidende Rolle, sogar mehr noch als dies auf unsere moderne Zeit zutrifft. Doch auch vieles, was uns heute Probleme bereitet, war in ähnlicher Form auch schon im Mittelalter zu finden. In erster Linie betrifft dies die Ernten, die damals wie heute maßgeblich vom Wetter beeinflusst werden. Ist es zu trocken, zu nass, zu kalt oder zu warm – die Konsequenzen für die Landwirtschaft sind jedes Mal negativ. In einer Zeit, in der das Land in erster Linie auf die Landwirtschaft ausgerichtet war und es keine besonders große Vorratshaltung gab, waren die Auswirkungen aber weit gravierender. Heute können wir notfalls auf Alternativen ausweichen, auch ist das Angebot an Fleisch wesentlich reichhaltiger. Durch die Globalisierung haben wir außerdem Zugriff auf andere Nahrungsressourcen, die ja auch im Normalfall reichlich importiert werden.

War der Mensch des Mittelalters mit einem Ausfall seiner Ernte konfrontiert, konnte ihm meistens nicht einmal seine Nachbarn helfen. Denn diese produzierten häufig nicht viel mehr, als sie selber zum Überleben und für eine erneute Aussaat benötigten. Das bedeutete, dass er weder selbst etwas zum Essen besaß, noch dass er Saatgut für die nächste Saison besaß. In einem solchen Fall blieb den Menschen meist keine andere Möglichkeit, als in die Städte abzuwandern und sich dort Arbeit zu suchen. Die Städte, die immer auf Zuzug angewiesen waren, nahmen diese Menschen in der Regel gerne auf. Die einzigen, die mehr oder weniger Überschüsse erwirtschafteten, waren die landwirtschaftlichen Betriebe der Klöster (vgl. den Artikel über die Zisterzienser).

Ein prominentes Beispiel für die Auswirkungen des Klimas ist die Besiedlung Grönlands durch die Wikinger ab dem Jahr 985. Schon der Name, der ins Deutsche übersetzt „Grünland“ bedeutet, zeigt deutlich, dass es dort etwas anders aussah als heute. Aufgrund der insgesamt höheren Durchschnittstemperatur der Erde war der Süden des Landes eisfrei und von grünen Wiesen bedeckt, auf denen die Wikinger Ackerbau und Viehzucht betreiben konnten. Siedler soll es hier noch bis zum Ende des 12. Jahrhunderts gegeben haben. Einen letzten Besuch aus Europa gab es um das Jahr 1350, allerdings ist von dieser Fahrt überliefert, dass sie keine Überlebenden in den verfallenen Siedlungen mehr vorfand. In der Forschung ist man sich inzwischen relativ sicher, dass die Siedler in Schwierigkeiten gerieten, als die weltweite Durchschnittstemperatur im 11. und 12. Jahrhundert abfiel und damit Landwirtschaft in Grönland immer schwieriger und letzten Endes unmöglich wurde. Auch schien es gewaltsame Konflikte mit den Inuit gegeben zu haben, die einige der Siedlungen auslöschten.

Auch in Europa selbst hatten diese Klimaveränderungen große Auswirkungen. Im 13. Jahrhundert erwärmte sich das Klima in Europa, was zu höheren Ernten und damit zu einem sprunghaften Bevölkerungswachstum führte. Dieses hielt bis zum Jahr 1348 an, dem Beginn der großen Pestepidemie in Europa. Nach dieser Zeit kam es dann wieder zu einem Abfall der Temperatur. Zur Zeit des Bevölkerungswachstums lag die Durchschnittstemperatur ca. um zwei Grad höher als dies heute der Fall ist.

Wie zu sehen ist, gab es mehrere Klimaveränderungen im Laufe des Mittelalters. Aufgrund der höheren Abhängigkeit der Menschen von der Natur hatten sie sehr viel gravierendere Auswirkungen auf die Menschheit, als dies heute der Fall ist. Aber wie wir immer wieder sehen, sind auch wir nicht gegen die Auswirkungen von Veränderungen im Klima immun.

Blog: http://dasmittelalter.wordpress.com/2012/11/01/das-mittelalter-und-das-klima/