Die Überschrift ist streng genommen irreführend. Der Ritterstand hörte nicht auf zu existieren, nur weil die Ritter ihre Bedeutung auf dem Schlachtfeld nach und nach einbüßten. Auch heute noch gibt es ihn, am bekanntesten sind sicherlich die verschiedenen Orden, die in Großbritannien existieren. Elton John und Sean Connery sind nur zwei Beispiele für Personen, die von der Queen in den Ritterstand erhoben worden sind.

Auch aus militärischer Sicht kann man das Ende der Ritter nicht wirklich genau festlegen. Im Allgemeinen nennt man die Einführung des Schiesspulvers als Grund für den Bedeutungsverlust der schweren Reiter auf dem Schlachtfeld. Schaut man ein wenig genauer hin, stimmt das allerdings nicht. Mit Schwarzpulver betriebene Schusswaffen gab es schon zu den Hochzeiten der Ritter, im hohen Mittelalter. Und auch später bildete die Kavallerie noch einen entscheidenden Faktor in der Schlacht. Dass diese nicht mehr nur aus Adligen bestand war aber nicht so sehr das Ergebnis neuer Waffentechnik, sondern einer veränderten Vorgehensweise bei der Anwerbung von Soldaten (die jetzt erstmals auch wirklich Soldaten und keine Krieger mehr waren) und in der Kampftaktik. Söldner wurden immer wichtiger, auch wenn es diese schon im Mittelalter gegeben hatte. Die Offiziere stammten aber so gut wie ausnahmslos aus dem Adel. Das Leistungsprinzip wurde hier erstmals von Napoleon Bonaparte eingeführt, also lange Zeit nach dem Ende des Mittelalters. Auch war es im Adel weiterhin üblich, aktiv an den Kavallerieangriffen teilzunehmen, ein Relikt aus dem Mittelalter. Einige hochrangige Persönlichkeiten wurden im Zuge dieser Kämpfe verwundet oder getötet, beispielsweise der schwedische König Gustav Adolph zur Zeit des 30jährigen Krieges.

Die Vorgehensweise in der Schlacht hatte sich schon zur Zeit des Mittelalters gravierend verändert. Alleinige Angriffe der Ritter waren schon im hohen Mittelalter nur noch selten von Erfolg gekrönt. Dies war vor allem ein Ergebnis der immer weiter steigenden Disziplin der Fußtruppen sowie deren immer besser auf die Abwehr von Reitern spezialisierte Taktik und Ausrüstung. Lange Spieße, Hellebarden, Langbögen und Armbrüste versetzten auch einfache Söldner und Bauern in die Lage, einen Angriff von schwer gepanzerten Rittern abzuwehren. Dies war aber keinesfalls eine neue Entwicklung. Sie konnte bereits 1066 während der Schlacht bei Hastings beobachtet werden. Bereits hier führte der Sturmangriff der normannischen Panzerreiter nicht zum Erfolg, er scheiterte am Schildwall der Angelsachsen. Schwarzpulverwaffen, vor allem die des 15. Jahrhunderts, waren anfangs noch nicht besonders effektiv und vor allem in viel zu geringer Zahl vertreten. Außerdem kam es nicht selten vor, dass sie den Schützen um die Ohren flogen.

Das Söldnerwesen nahm immer weiter zu und wurde immer professioneller. Dies führte zu einer Professionalisierung des Krieges. Diese Soldaten waren in Gruppen organisiert, welche von erfahrenen Anführern angeleitet wurden. Gegen Bezahlung boten sie ihre Dienste den Landesherren an. Diese Gruppen waren nicht nur sehr diszipliniert, sondern auch sehr gut ausgerüstet und ausgebildet. Alles in allem waren sie ein wesentlicher Grund für die schwindende Bedeutung der Ritter. Sie konnten zunächst vor allem durch Städte angeworben werden, da dort die Geldwirtschaft von Anfang an besonders florierte.

Das Ende der kriegsentscheidenden Bedeutung der Ritter duch das aufstrebende Söldnerwesen und die generell wachsende Bedeutung der Infanterie (die man ab jetzt tatsächlich so nennen kann) bedeutete aber nicht, dass  die Berittenen an sich komplett an Bedeutung verloren. Ihre Form änderte sich. Die Rüstungen wurden leichter, die Reiter dadurch schneller. Lanzen und Säbel bildeten noch lange die Standardausrüstung, dazu kamen noch Reiterpistolen. Man muss hier klar zwischen Ritter (=adliger Reiterkrieger) und Kavallerie (=berittener Soldat) unterscheiden. Kavallerie gab es noch bis in die ersten Jahre des zweiten Weltkrieges hinein.

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