Inhalt

 

  • Einleitung
  • Vorgeschichte
  • Ergebnisse
  • Auswirkungen
  • Quellen
  • Diskussionen

 

 


 

Einleitung

Der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer beauftragte im Jahr 2005 eine unabhängige Historikerkommission die nationalsozialistische Vergangenheit des Auswärtigen Amtes zu untersuchen. Die Historiker Eckart Conze (Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg), Norbert Frei (Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena), Peter Hayes (Professor of History and German an der Northwestern University Evanston, Illionois) und Moshe Zimmermann (Professor für Neuere Geschichte an der Hebrew Universität, Jerusalem) stellten nun ihren Bericht vor (der in Buchform unter dem Titel “Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik” im Blessing Verlag erschienen ist).

Vorgeschichte

Dass Joschka Fischer als Bundesaußenminister den Auftrag zur Erforschung der nationalsozialistischen Vergangenheit des Ministeriums gab, hängt mit einem “Aufstand” innerhalb des Ministeriums im Jahr 2004 zusammen. In der Mitarbeiterzeitung “intern AA” wurde im Jahr 2003 ein Nachruf auf den ehemaligen Generalkonsul Franz Nüßlein veröffentlicht. Dieser soll während der nationalsozialistischen Herrschaft in Prag als Oberstaatsanwalt an über 900 Todesurteilen beteiligt gewesen sein. Marga Henseler (eine pensionierte Übersetzerin) wusste von der Vergangenheit Nüßleins und beschwerte sich bei Joschka Fischer – dieser empfing das Schreiben jedoch erst über Gerhard Schröder, den damaligen Bundeskanzler. Fischer verfügte, dass in Zukunft keine Würdigungen für ehemalige NSDAP-Mitglieder erfolgen sollten.
Diese Verfügung führte zu einem Eklat innerhalb des Ministeriums. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde für den verstorbenen Franz Krapf (ehemaliger Nato-Botschafter, der sowohl Mitglied der NSDAP wie auch der SS war) von 128 Ehemaligen eine großformatige Todesanzeige geschaltet. Für den Bundesaußenminister kam diese Reaktion völlig überraschend und in Folge setzte er die Historikerkommission ein.

Ergebnisse

Eckard Conze, ein Autor des Berichts, bezeichnet in einem “Spiegel” Interview das Auswärtige Amt als eine “verbrecherische Organisation” (DER SPIEGEL, Nr 43, 25.10.2010, Seite 40). In den Nürnberger Prozessen wurde die SS mit dem selben Begriff belegt. Im “Spiegel” Interview (a.o.Q.) stützt er diese Aussage auf verschiedene Beispiele: Ein Judenreferent des Auswärtigen Amtes reiste im Jahr 1941 nach Belgrad und vermerkte auf seiner Reisekostenabrechnung als Zweck “Liquidation von Juden in Belgrad” – insofern wusste jeder Buchhalter von den Geschehnissen. Auch waren beispielsweise der Botschafter in Paris und der Leiter der politischen Abteilung mit ihren Stäben bei der Erfassung und Deportation von Juden beteiligt und spielten dabei eine wichtige Rolle. Zusammenfassend waren die allermeisten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes in das Räderwerk des Holocaust eingebunden.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Online Ausgabe (FAZ.net “Die drängende Angst, überflüssig zu werden”), dass bereits 1933 junge Spitzendiplomaten statistisches Material sammelten um die “These der jüdischen Gefahr” zu stützen. Nur 3 Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, schickte das Auswärtige Amt ein Memorandum an alle Auslandsvertretungen – das Dokument sollte dem Ausland die Judenpolitik des Dritten Reiches begreiflich machen. Man muss sich den Zeitpunkt verdeutlichen, um diesen Vorgang verstehen zu können: 3 Monate nach Machtantritt war der nationalsozialistische Staat in keinem Falle gefestigt und konnte somit auch Zwang auf das Ministerium ausüben. Durch Eigeninitiative stellte sich das Auswärtige Amt an die Spitze der nationalsozialistischen Bewegung.
Aber auch die Verstrickungen ehemaliger NS-Diplomaten in die Bundesrepublik ist erschreckend: Trotz besseren Wissens lies Konrad Adenauer alte Seilschaften gewähren und Willy Brandt hielt Ernst Achenbach die Treue, der als Mitarbeiter der Pariser Botschaft maßgeblich an Deportationen beteiligt war. Noch unter Hans-Dietrich Genscher stießen Wissenschaftler auf eine “Mauer des Schweigens” (DER SPIEGEL, Nr 43, 25.10.2010, Seite 38), wenn sie Material einsehen wollten.

Auswirkungen

Das Auswärtige Amt als “Hort des Widerstands” ist eine Legende, erdichtet von Personen, die in den Holocaust und in den nationalsozialistischem Machtapparat tief verstrickt waren. Die Veröffentlichung und die neuen Erkenntnisse, inwieweit das Ministerium im Dritten Reich in den Holocaust involviert war, ist ebenso ein Urteil über eine adlig-großbürgerliche Oberschicht (so bekannte Familien wie die Weizsäckers und die Bismarcks waren im Ministerium vertreten). Niemals wahre Demokraten, waren sie froh die Weimarer Republik in Scherben zu sehen, auch wenn sie die Nazis als Pöbel verachteten. Die von den Nationalsozialisten propagierte Revidierung des Versailler Vertrags und der angestrebte Aufstieg Deutschlands zu einer Weltmacht, wurden gerne von den alten Eliten aufgenommen.
Der jetzige Bundesaußenminister Guido Westerwelle sieht das Buch als “gewichtiges Werk” und einen “Beitrag zur Selbstvergewisserung des Amts”. Er möchte den Bericht in die Attaché-Ausbildung einbeziehen und die Traditionspflege des Ministeriums ändern.


Diskussion

Quellen

  • DER SPIEGEL, Nr 43, 25.10.2010
  • FAZ.net “Die drängende Angst, überflüssig zu werden
  • http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Presse/Reden/2010/101028-BM-Historikerkommission.html
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_N%C3%BC%C3%9Flein
  • http://www.faz.net/s/RubB8A1F85C9BA549618318CE82246337B9/Doc~E571913A5840145A7959CF3D2FE0FBE5B~ATpl~Ecommon~Scontent.html