15. September 1962 Das Präsidentenpaar sieht sich den America's Cup an.
15. September 1962 Das Präsidentenpaar sieht sich den America’s Cup an.

 

Alle First Ladys, die ihrem Mann ins Weiße Haus folgten, wurden unweigerlich an Jackie Kennedy gemessen. Dieser Name steht wie kein anderer in der Geschichte für Stil und Kultur – aber auch für Tragik und unendliches Leid. Mit dem Wahlsieg von John F. Kennedy im Jahr 1961 zog eine Familie ins Weiße Haus ein, die der amerikanischen Demokratie einen royalen Glanz verlieh.

 

Ein behütetes Leben

Jacqueline_Kennedy_after_State_Dinner,_22_May_1962Jacqueline Kennedy wurde in eine wohlhabende Familie geboren und wuchs behütet auf. Bereits früh wurde sie für ihre Schönheit und Intelligenz bewundert – diese Bewunderung sollte sie Zeit ihres Lebens begleiten. Allerdings litt Jacqueline in ihrer Jugend an der Scheidung ihrer Eltern und zog sich vor ihrer Umgebung in ihre eigene Welt zurück. Ihrem Umfeld begegnete sie verschlossen. Auch spätere Freunde beschrieben Jackie als einen introvertierten Menschen.

Vor ihrer Universitätszeit besuchte sie eine Schule, in der ihr vornehmes Verhalten und Konversation vermittelt wurde – dass sie sich im gesellschaftlichen Leben bewegen konnte, zeigt ihre Auszeichnung als Debütantin des Jahres.

 

Sie studierte Geschichte, Literatur, Kunst und Französisch – ein Auslandsjahr verbrachte sie in Paris, das sie rückblickend als schönstes Jahr ihres Lebens beschrieb. Ihr Stiefvater verbot ihr später sogar, nochmals in Frankreich zu leben, da er Sorge hatte, Jacqueline würde nicht mehr in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Ihre Liebe zu Frankreich und der französischen Kultur zeigte sich auch während der Präsidentschaft im Weißen Haus: Den französischen Präsidenten Charles de Gaulles beeindruckte Jackie derart mit ihrem Wissen und Ausdrucksvermögen während einer Parisreise, dass der Präsident munter anmerkte:

 

Ich bin der Mann, der Jackie Kennedy nach Paris begleitet hat.

 

Teil des Kennedy-Clans

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John F. Kennedy hatte Jacqueline mit 23 Jahren kennen gelernt – Jack war ein ambitionierter junger Kongressabgeordneter aus dem Kennedy-Clan, der nach oben strebte. Jackie war wie ihr Mann katholisch und von dessen Ehrgeiz und Idealismus angezogen. Bereits ein Jahr später heirateten die beiden.

 

Mit ihrer Heirat wurde Jacqueline Mitglied der Kennedy-Familie und damit Teil des Geldadels. Jacks Vater war amerikanischer Botschafter und hatte seine Söhne unergiebig zu Höchstleistungen getrieben. Dieser offene, beinahe aggressive Ehrgeiz, der allen Kennedys gemein war, war der jungen Braut fremd – zeitlebens wahrte sie eine gewisse Distanz zu den übrigen Familienmitgliedern.

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Die Ehe belastete die anfängliche Sorge der Eheleute, kinderlos zu bleiben. Jacqueline erlitt 1955 eine Fehlgeburt und 1956 eine Totgeburt. Ihrer Tochter Caroline schenkte sie 1957 und dem Sohn John Jr. 1960 das Leben. Das dritte Kind der Kennedys starb nur 39 Stunden nach der Geburt. Diese Schicksalsschläge setzten Jacqueline psychisch sehr zu, was durch erst vor einigen Jahren entdeckte Briefe an ihren Priester öffentlich bekannt wurde. Zudem war ihre Ehe mit John F. Kennedy nicht glücklich – die ständigen außerehelichen Affären des Präsidenten belasteten die First Lady, auch wenn sie diese stillschweigend hinnahm.

 

Die First Family

Mit dem Wahlsieg von JFK zog eine junge Familie ins Weiße Haus ein – die amerikanische Bevölkerung konnte sich das erste Mal seit über einem Jahrhundert wieder an Babys in der Präsidentenfamilie erfreuen. Jackie, die Geschichte studiert hatte, gestaltete das Weiße Haus in einen Ort der Eleganz und Kultur um. Ihre enorme Popularität wird daran deutlich, dass über 56 Millionen TV-Zuschauer die Sendung sahen, in der Jacqueline das umgestaltete Weiße Haus der Öffentlichkeit präsentierte.

 

I want to restore the White House to its original glory

 

Schnell wurde aus der jungen First Lady eine Stilikone ihrer Generation. Nach dem Tod ihres jüngsten Kindes zog sich Jacqueline aber aus der Öffentlichkeit zurück. Ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvierte sie 4 Monate später bei einer Wahlkampfveranstaltung in Houston, Texas. In dieser wurde ihr Mann erschossen – innerhalb weniger Wochen hatte sie den Tod ihres Kindes und ihres Mannes zu erleiden.

 

Sie bewahrte das politische Erbe ihres Mannes

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ST-285-7-61 16 December 1961 Trip to South America. First Lady addresses audience at La Morita, Venezuela. Photograph by Cecil Stoughton, White House, in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.
16. Dezember 1961 – das Präsidentenpaar in Venezuela

 

Die Bilder des erschossenen Präsidenten mit dem Kopf auf dem Schoß der First Lady gingen um die ganze Welt. Die Rolle Jackies in den folgenden Tagen ist aber weithin unbekannt: Entgegen dem Willen der neuen Administration arbeitete sie verbissen bereits kurz nach dem Tod ihres Mannes am Vermächtnis des Präsidenten: Mit einem Staatsbegräbnis würdigte sie die Präsidentschaft und das Leben ihres Ehemannes und machte ihn unsterblich.

 

Nach dem Attentat entwickelte sich eine Verehrung um Jackie, die jäh mit der Heirat des Reeders und Milliardärs Onassis ein Ende fand – die amerikanische Bevölkerung reagierte bestürzt und empört. Auch diese Ehe war nicht glücklich. Erst ein vor kurzem entdeckter Briefwechsel mit dem ehemaligen britischen Botschafter David Ormsby Gore, einem Freund und Berater von JFK, machen die Motivation hinter der Skandalhochzeit deutlich: Ormsby Gore hatte einer sehr enge Beziehung zu Jackie, die diesen als Bruder und Mentor betrachtete. Seinen Heiratsantrag lehnte sie aber ab, weil sie ihrer Vergangenheit und dem Leid entfliehen wollte.

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Nach dem Tod ihres zweiten Mannes kehrte Jacqueline Kennedy Onassis, die in der Boulevardpresse nur noch als Jackie O. bezeichnet wurde, nach Amerika zurück. Sie lebte zurückgezogen und trat öffentlich vor allem auf, um für die Erhaltung historischer New Yorker Bauwerke einzutreten.

 

Jaqueline Kennedy starb am 19. Mai 1994 an Krebs.