Alexej von Jawlensky, Mädchenbildnis, 1909, Öl auf Leinwand, 92 x 67,2 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Bild von Situation Kunst - für Max Imdahl
Alexej von Jawlensky, Mädchenbildnis, 1909, Öl auf Leinwand, 92 x 67,2 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Bild von Situation Kunst – für Max Imdahl

Ab dem 5. November 2016 zeigt die Stiftung Situation Kunst im Museum unter Tage (MuT) die Ausstellung „Artige Kunst“. Sie setzt sich in kritisch-analytischer Weise mit der Kunstpolitik im Nationalsozialismus auseinander, die für das Selbstbild des Regimes wesentlich war. Der Titel „Artige Kunst“ regt als Gegenbegriff zur diffamierenden NS-Terminologie der „entarteten Kunst“ dazu an, über das Verhältnis von Kunst und Politik sowie Widerständigkeit und Gehorsam nachzudenken. Gezeigt werden exemplarische Werke der offiziell geduldeten und geförderten Kunst der NS-Zeit, dazu in konfrontativer Gegenüberstellung Werke von verfolgten oder verfemten Künstlern, die ein kritisches Gegenbild zur überwiegenden Einfältigkeit der systemkonformen Kunst entwerfen.

 

Die Ausstellung basiert auf der Überzeugung, dass Museen und öffentliche Ausstellungsinstitutionen nicht zwangsläufig Orte sind, die ihre jeweiligen Exponate nobilitieren. Vielmehr kann und soll ein Museum – insbesondere eine universitätsassoziierte Institution wie Situation Kunst – als Ort kultureller und gesellschaftspolitischer Bildung auch kritische Diskurse befördern und augenöffnend aufklärerisch wirken. Insofern soll es in dem Projekt „Artige Kunst“ keinesfalls darum gehen, die Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus aufzuwerten. Ganz im Gegenteil soll fundiert nachgewiesen werden, dass größten Teilen dieser Kunst ein kritisch hinterfragendes Potenzial ebenso fehlt wie ein humanistischer Anspruch. Dabei ist es das erklärte Ziel der geplanten Aktivität, in einem bisher nicht praktizierten Ausmaß und mit aller notwendigen wissenschaftlichen Differenzierung herauszuarbeiten, inwiefern das staatlich geförderte bzw. geduldete Kunstschaffen im Dritten Reich systemstabilisierend wirkte und welche Entlastungsfunktion es in Zeiten von Krieg und Terror einnahm.

 

Die Konzeption der Ausstellung wird dem Bemühen um Ordnung und Stabilität („artige Kunst“) einerseits und den brutalen, von großen Teilen der Gesellschaft mindestens hingenommenen Verbrechen andererseits Rechnung tragen, letztlich also die innere Zerrissenheit dieser Zeit zu veranschaulichen suchen. Die gezielte, im Einzelfall jeweils argumentativ untermauerte Konfrontation der vermeintlich unpolitischen und harmlos anmutenden offiziellen NS-Kunst mit Werken verfolgter Künstler – wie zum Beispiel Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner und Kurt Schwitters – aber auch mit fotografischen Dokumenten zu Krieg, Zerstörung und Massenmord soll diese Zerrissenheit anschaulich werden lassen und es den Besuchern erlauben, aus der Anschauung eigene Schlüsse zu ziehen.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, Kerber Verlag, 240 Seiten, Softcover, 112 Abbildungen, mit Textbeiträgen von Karen van den Berg, Alexander von Berswordt-Wallrabe, Silke von Berswordt-Wallrabe, Christian Fuhrmeister, Max Imdahl, Stephanie Marchal / Andreas Zeising und Annika Wienert, erhältlich im Museum unter Tage, Situation Kunst.

 

Leihgeber

Deutsches Historisches Museum, Berlin; Museum für Vor- und Frühgeschichte, Berlin; Nationalgalerie Berlin; Bettina und Peter Eickhoff, Bochum; Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Atelier Breker, Düsseldorf; Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Stadtmuseum Düsseldorf; LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster; German Art Gallery, The Netherlands; Felix-Nussbaum-Haus, Osnabrück; Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart; Museum Wiesbaden; Von der Heydt-Museum, Wuppertal sowie weitere Leihgeber, die ungenannt bleiben möchten.

 

Weitere Stationen der Ausstellung

  • Kunsthalle Rostock: 27. April – 18. Juni 2017
  • Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg: 14. Juli – 29. Oktober 2017