Das Gemälde "Hermannsschlacht" wurde von Friedrich Gunkel geschaffen und im II. Weltkrieg zerstört.
Das Gemälde „Hermannsschlacht“ wurde von Friedrich Gunkel geschaffen und im II. Weltkrieg zerstört.

Arminius war ein Adeliger des germanischen Stammes der Cherusker, welcher es schaffte, den Römern eine der verheerendsten Niederlagen der Geschichte beizubringen. Es ranken sich viele Mythen um Arminius, deshalb wird er häufig mit der Sagengestalt Hermann der Cherusker assoziiert, welche in keinerlei geschichtlicher Relation steht.

Arminius wurde um 17 v. Chr. geboren. Da sein Vater prorömisch eingestellt war und auch die gleichnamige Bewegung leitete, verbrachte Arminius einige Jahre in Rom, wo er als Führer germanischer Verbände in den Ritterstand aufgenommen wurde und die römische Staatsbürgerschaft erwarb. 7/8 n. Chr. kehrte Arminius nach Germanien zurück und heiratete dort wohl Thusnelda, die Tochter eines weiteren mächtigen Cheruskers, was zu Stammeskonflikten führte.

 

Aufstand gegen die Römer – die Varusschlacht

Um 9 n. Chr. sahen Arminius und seine Verbündeten die Zeit gekommen, einen Aufstand gegen die römischen Besatzer zu starten. Arminius, der das Vertrauen des römischen Feldherrn Publius Quinctilius Varus erlangt hatte, führte im Herbst 9 n. Chr. den Angriff auf Varus‘ Truppen an. Das war im Teutoburger Wald bei Kalkriese im Osnabrücker Land.

Die Schlacht wurde von den verbündeten Germanenstämmen gewonnen und über drei Legionen des Varus wurden fast vollständig vernichtet.
Nachdem Kaiser Augustus diese Hiobs-Botschaft erhalten hatte, soll er ausgerufen haben:

Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!

Varus selbst nahm sich kurz daraufhin das Leben. Arminius konnte diesen Sieg erringen, da er die Truppen Varus‘ unter dem Vorwand, er bräuchte Hilfe, einen Aufstand zu zerschlagen, in ein unwegsames Sumpfgelände führte, wo die römischen Truppen keine Formationen bilden konnten, und so leicht zu überraschen waren. Nach dem Tod Varus übergab Kaiser Augustus Germanicus den Befehl über acht Legionen. Dieser schlug die Germanen 16 n. Chr. bei Idistaviso vernichtend, und Arminius konnte nur überleben, indem er sich das Gesicht mit Blut bestrich. Allerdings leisteten die Germanen nach wie vor starken Widerstand gegen die Besatzer, welcher später auch die Einstellung der germanischen Grenzpolitik, und damit den Abzug Germanicus zur Folge hatte.

 

Im Jahre 21 wurde Arminius dann nach langen innerpolitischen Spannungen und Konflikten über die Herrschaft Germaniens von Verwandten ermordet. Arminius wurde ein eigenes Denkmal erbaut, das Hermannsdenkmal in Detmold. Diese Statue ist die größten Deutschlands und zählt zu den bedeutendsten Denkmälern Europas. Das Denkmal wurde 1875 eingeweiht, der Bau aus Kupferplatten wurde bereits 1838 begonnen.

 

Wie ist Arminius zu bewerten?

Der Sieg des Arminius über die Truppen des Weltimperiums Rom 9 n. Chr. wird immer mehr als ein weltgeschichtlicher Umschwung dargestellt und Arminius wurde gerade in Deutschland fast zu einem Nationalhelden. Aber warum ist das so und kann man ihn als den „Befreier Germaniens“ bezeichnen?

Früher, als das Hermanns Denkmal gebaut wurde, war die Bevölkerung potenziell empfänglicher für solche Nationalhelden, heutzutage wird aber eher das Image des „kleinen“ Deutschlands gepflegt, was auf die Weltkriege zurückzuführen ist. Auch konnte das Image des befreiten Deutschlands früher für imperialistische Zwecke genutzt werden, was heute undenkbar wäre. Allerdings war Arminius geschichtlich gesehen, ein kleinerer „Befreier Germaniens“ als viele es heute annehmen.  In Wirklichkeit hatte Arminius nur eine kleine Clangesellschaft und unter seiner Alleinherrschaft litten die Cherusker mehr als  unter  ihren  Invasoren.

Arminius hegte einen derartigen Hass gegen die Kultur und den Lebensstandard der Römer, dass Germanien quasi einen Schritt zurück und in der Lebensqualität deutliche Abstriche machte. Dies zeigte sich unter anderem darin, dass Arminius so weit ging und selbst die Einfuhr von römischen Erzeugnissen wie Öl auf das Schärfste verbot. Für Vergehen dieser Art wurde er dann später auch von seinen eigenen Verwandten ermordet. Im Prinzip liegen die Wurzeln unserer heutigen Lebensweise und unseren Lebensstandards auch nicht in der Clangesellschaft Arminius, sondern in den Teilen Germaniens, die sich mit den Römern verbündeten und so einen Gewinn an Kultur zu  verzeichnen hatten.

 

Aber warum stellte sich Arminius, der doch einige Jahre in Rom gelebt hatte, und dessen Werte kennen gelernt hatte, plötzlich gegen die Besatzer? Da es nur sehr wenige Quellen aus dieser Zeit gibt, kann man über Beweggründe nur mutmaßen: Viele Experten gehen davon aus, dass Arminius seine eigenen Machtinteressen verfolgte. Er wollte eine Einigung der germanischen Stämme herbeiführen, um sich dann zum König krönen zu lassen. Dieses Vorhaben scheiterte aber aus verschiedenen Gründen, weshalb er es nur schaffte, die Macht in einigen Teilen Germaniens an sich zu reißen.

 

Zusammend lässt sich also festhalten, dass die Rolle Arminius zur Einigkeit Germaniens und zum  Fall  des  Römischen  Imperiums sehr überspitzt wird, und sein Beitrag längst nicht entscheidend war.

 

Buch100Personen-Cover

Dieser Artikel wurde von Matthis Mertens und Ludger Hecking verfasst und ist dem Buch 100 Personen entnommen. In dem Buch werden 100 Persönlichkeiten vorgestellt, die die Welt mit ihrem Wirken veränderten.