Rochus Misch – Ein zuverlässiger Zeitzeuge?

 

Rochus Misch wurde in Alt Schalkowitz in Oberschlesien am 29. Juli 1917 geboren.
Rochus Mischs Vater war Bauarbeiter und Veteran des 1. Weltkrieges, durch einen Lungenschuss war er schwer invalid, kurz vor der Geburt von Rochus starb der Vater, zwei Jahre später 1920 die Mutter an einer Lungenentzündung.
Rochus und sein älterer Bruder wurden nun von den Grosseltern aufgenommen, im Jahr 1922 starb der ältere Bruder bei 
einem Badeunfall, nun war Rochus alleine.

Nach Besuch der Volksschule lernte Misch in Hoyerswerda Maler. Nach einiger Zeit machte er sich mit einem Kollegen in Hornberg im Schwarzwald selbständig (Kein Meisterzwang).

1937 meldete sich Misch freiwillig bei der SS-Verfügungstruppe, einer Vorgängerorganisation der späteren Waffen-SS, Misch war der Prototyp eines Deutschen zur damaligen Zeit, gross, sportlich gut aussehend.
Später wurde Misch am 1. Oktober zur Leibstandarte Adolf Hitler (LAH) zugeteilt, wo er am Anschluss Österreichs und der Besetzung des Sudetenlands (infolge des Münchner Abkommens) teilnahm.

Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde Misch beim den Kämpfen um die Festung Modlin durch einen Lungen- und einen Armdurchschuss sehr schwer verwundet. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Verwundetenabzeichen wurde ihm 1939 verliehen.

Nach der Genesung und auf Empfehlung von Wilhelm Mohnke (LAH) wurde Misch vom damaligen Chefadjutant Wilhelm Brückner dem Führerbegleitkommando zugeteilt. Misch bekam in diesem Kommando doch sehr viel mit und hielt sich von 1940 bis 1945
in Berlin (Reichskanzlei) in Berchtesgaden, auf dem Berghof, in der Wolfsschanze oder im Führerbegleitzug auf. Misch wurde für Funk Telefon und Telex geschult, und war einer der Personenschützer von Hitler.
Rochus Misch heiratete 1942 die spätere SPD-Politikerin Gerda Misch, sie hatten eine Tochter, die aber ihren Vater ablehnte. Sein 1. Auftrag für Hitler war einen Brief nach Wien zu bringen, und zwar zu Hitlers Schwester Paula.

Misch erlebte im Bunker in Berlin viele Tragödien, er hörte wie sich Generale erschossen, er sah die Goebbelskinderl, er sah vielleicht so viel, dass er es später vielleicht nicht mehr richtig ordnen konnte. Er war auf jeden Fall ein wichtiger Zeitzeuge für
die letzten Tage von Hitler im Bunker. Nach dem Selbstmord von Hitler und seiner Frau Eva wurde er offiziell am 2. Mai 1945 als Telefonist verabschiedet, Misch schlug sich nun durch die U-Bahn Tunnel vom U-Bahnhof Kaiserhof über den Bahnhof Berlin
Friedrichstrasse und Weidendammer Brücke bis zum Stettiner Bahnhof durch, er wurde aber kurz vor dem Haus seiner in Berlin ansässigen Familie von den Russen gefangen genommen. Er wurde sofort ins Gefängnis in Berlin gebracht, wo er die Zelle mit dem Privatpilot von Hitler, Hans Baur teilte. Natürlich war die Zelle verwanzt, so dass die Russen die Gespräche abhörten. Wegen seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS insbesondere zur LAH, und natürlich wegen seiner besonderen Stellung bei Hitler wurde er und auch Baur in das Moskauer Militärgefängnis Butyrka verlegt, wo Misch nach eigenen Angaben bei Verhören stark gefoltert wurde. Nach der Lagerhaft wurde Misch 1953 in die Bundesrepublik Deutschland entlassen.

Nach der Rückkehr konnte Misch mit einem Kredit (vermutlich von der HIAG*) von 28.000 DM eine Geschäft für Maler- und Raumausstattungsbedarf in Berlin-Schöneberg eröffnen. Den Betrieb führte er bis zum 68 Geburtstag, er verkaufte danach das Geschäft und setzte sich zur Ruhe. Nachdem Otto Günsche, Hitlers SS-Adjutant 2003 gestorben war, blieb Misch der letzte Zeuge, so hiess auch eine Dokumentation des MDR. Die Biografie von Misch erschien in Frankreich unter dem Namen J’étais Garde du corps d’Hitler, das Buch behandelte den Zeitraumvon 1940 – 1945. In Deutschland hiess das Buch Der Letzte Zeuge.

Rochus Misch, der ehemalige Oberscharführer** distanzierte sich nie von der Tätigkeit für Hitler, bezeichnete er doch Graf von Stauffenberg als „Kameradenmörder“. In einem späteren Interview mit der Zeitschrift P.M. blieb er bei seiner Aussage.
Misch lebte nach dem Tode seiner Frau 1998 alleine, eine polnische Haushälterin kümmerte sich um ihn, und half ihm die Briefe (Körbe jeden Tag), Telefone und Besuche zu bewältigen. Misch fühlte sich geehrt, und schmückte seine Geschichten
geschickt aus. Am 5. September 2013 verstarb Rochus Misch im hohen Alter von 96 Jahren in seinem Haus in Berlin, nur ein paar Strassen entfernt vom ehemaligen Bunker.

* Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS
** Entspricht einem Wehrmachts Feldwebel

Ein kleiner Einblick in Mischs Gedanken:

https://www.youtube.com/watch?v=KUb_AXXHnXI
 
Meine Quellen sind aus eigenen Aufzeichnungen von Vorlesungen