Wer den Namen „Wilhelm Gustloff“ hört denkt zwangsläufig an die grosse Schiffskatastrophe vom 30. Januar 1945, als ein russisches U-Boot das ehemalige KDF-Kreuzfahrtschiff durch Torpedos versenkte. Doch wer war Wilhelm Gustloff?

 

Am 4. Februar 1936 erschiesst der jüdische Medizinstudent David Frankfurter den als „Gauleiter Schweiz“ ausersehenen Deutschen Wilhelm Gustloff in Davos. An der Universität in Frankfurt am Main hat er erlebt, wie die Gewaltherrschaft in Nazi-Deutschland wächst und sich die Schlinge um die jüdische Minderheit mehr und mehr zuzieht. Nach einem Wechsel an die Universität Bern stellt er fest, dass der Antisemitismus auch in der Schweiz wuchert. Doch sowohl Schweizer wie auch Juden wollen die tödliche Gefahr nicht wahrhaben. In seiner Verzweiflung wird David Frankfurter zum Mörder.

 

 

Wem ist es im Bewusstsein geblieben, dass damals hierzulande nicht jeder ein lupenreiner Anti-Nazi war? Das Abzeichen der Nationalsozialisten wurde in jenen Tagen auch hierzulande getragen, am oder unter dem Revers.

 

Nach der Tat stellt sich Frankfurter der Polizei und gibt zu Protokoll: «Ich kann nicht mehr das Unglück des jüdischen Volkes ertragen, es hat mir die Lebensfreude genommen.»

 

Diese Affäre wirft die Frage nach dem Sinn des Widerstands und der Problematik des politischen Attentats auf. Die Tat war in der Schweizer Bevölkerung sehr umstritten. Für die einen war es ein Attentat mit politischem Hintergrund, für die anderen nichts als gemeiner Mord.

 

David Frankfurter wurde 1936 in Chur wegen Mordes zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, nach dem Krieg 1946 jedoch freigesprochen. Sein lebenslänglicher Landesverweis wurde erst Ende der 1960er-Jahre aufgehoben. Frankfurter wanderte nach der Freilassung nach Palästina aus. Am 19. Juli 1982 starb David Frankfurter in Tel Aviv, er wurde 73 Jahre alt.

 

 

Wilhelm Gustloff

Am 30. Januar 1895 wurde Wilhelm Gustloff in Schwerin geboren.

 

Nach der Schulzeit erlernte Gustloff den Beruf des Bankkaufmanns. Weil er ein Lungenleiden hatte wurde er nicht in die Armee einberufen.

 
1917 siedelte Gustloff nach Davos in die Schweiz um, er erhoffte sich Linderung durch das gute Höhenklima. Eine Stellung fand er beim schweizerischen physikalisch-meteorologischen Forschungsinstitut.

1921 trat er dem Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes bei, 1921 wurde er Mitglied der NSDAP und war ab 1932 Landesgruppenleiter er NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz und gleichzeitig auch „Hilfskassen-Obmann“. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Deutschen Reich im Januar 1933 verstärkte Gustloff seine Aktivitäten und legte ein Netz von „Stützpunkten“ in Bern, Glarus, Lausanne und Zuoz und Ortsgruppen in Davos, Lugano, Zürich und Basel an, der Mann war sehr fleissig. Schon 1936 waren 5000 Auslandschweizer Mitglieder der NSDAP, aber 95000 eben nicht.

Natürlich blieb seine Arbeit bei den Behörden in der Schweiz nicht unbemerkt, man drohte Gustloff 1935 ihn auszuweisen. Ernst von Weizsäcker, der deutsche Gesandte versuchte es mit einem Trick, man wollte Gustloff mit diplomatischer Immunität schützen.

 Auslandsorganisation der NSDAP

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Gesandschäftsattaché für Deutschtumsfragen sollte der Titel heissen, mit dem man Gustloff schützen wollte. Doch eine Akkreditierung war nicht möglich, weil Gustloff auch damit wohl ausgewiesen worden wäre. Von Weizsäcker tobte über die Pressefreiheit in der Schweiz, weil sie den Fall Gustloff öffentlich machte. Der Gesamtbundesrat schrieb von Weizsäcker, dass es in der Schweiz nicht üblich sei, die Presse mundtot zu machen. Belastet wurde Gustloff durch den Fall Kittelmann. Hans Kittelmann war Parlamentsstenograf und gleichzeitig Mitglied der NSDAP/AO. Kittelmann wurde nun der NSDAP in Berlin zugeteilt, doch man entliess ihn aus dem Bundeshaus ohne Pensionsansprüche fristlos.

Adolf Hitler machte aus Gustloff einen Märtyrer und liess das KDF Schiff, welches er 1937 vom Stapel laufen liess auf den Namen des umtriebigen „Gauleiters der Schweiz“, Wilhelm Gustloff taufen. Hedwig Gustloff, die Witwe taufte das Schiff.

Meine Quellen: Eigene Aufzeichnungen aus Vorlesungen, Die Schweiz im Krieg von Werner Rings TV-Dokumentation im Schweizer TV ausgestrahlt, Schweizer Schulfernsehen.