(c) Rowohlt Verlag
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1941 war das entscheidende Jahr im Zweiten Weltkrieg: Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor nahm der Weltkrieg einen neuen Lauf – die bis dahin beinahe unbesiegte Wehrmacht konnte den Krieg gegen das Riesenreich Russland nicht gewinnen und die weitestgehend neutralen Vereinigten Staaten griffen in einen Krieg ein, der verbrecherischer als alles bis dahin bekannte war.

 

Der Osten Europas – noch heute kein Friede

Joachim Käppner schildert in seinem hervorragenden Buch „1941 – Der Angriff auf die ganze Welt“ das schicksalshafte Jahr in packender und erlebnisreicher Weise. Der Redakteur der Süddeutschen Zeitung ist für seine Biographie über Berthold Beitz bekannt – er erhielt hierfür den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis. Sein Buch leitet er mit einem bezeichnenden Vergleich ein: Dort, wo 1941 die Wehrmacht kämpfte, herrscht auch heute Krieg. Die Ukraine ist ein Schauplatz Europas – die Menschen dort durchlebten wie kaum ein anderes Volk die Schrecken des 20. Jahrhunderts: Die nationalsozialistische Diktatur, der Sojwetkommunismus in all seinen Facetten und die Verwürfnisse während des Zerfalls der Sowjetunion. Dass noch heute Konflikte und Kriege in dieser Region geführt werden, hängt auch mit den Ereignissen vor über 70 Jahren zusammen.

 

Europa im Jahr 1941 – ein Befund

Gekonnt zeigt dabei Joachim Käppner die Hintergründe auf und erstellt so einen Befund Europas im Jahr 1941: Auf der einen Seite die von Sieg zu Sieg eilenden Nationalsozialisten, die ihre ideologischen Lebensraumfantasien mit aller Macht und Gewalt durchsetzen möchten, auf der anderen Seite die Briten, die anfangs einzig den Deutschen auf der ganzen Welt Widerstand leisten.

Dabei wird deutlich, wie allein das Vereinigte Königreich anfangs stand: Die USA wollten sich nicht auf den Krieg des alten Kontinents einlassen – zu frisch waren noch die Erinnerungen an den I. Weltkrieg. Erst durch das ebenbürtige Verhältnis von Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill nahmen die Vereinigten Staaten langsam ihre Rolle in der Welt wahr. Frankreich wurde bereits mit Beginn des Krieges besiegt und das – durch die Deutschen tolerierte – Vichy-Regime hasste England. Die ständigen Luftangriffe auf englische Städte zermürbten die Engländer und die militärischen Kräfte waren durch den Afrika-Krieg überspannt. Dort trat mit dem General Rommel zudem ein ebenbürtiger Gegner auf und brachte den Engländern schwere Niederlagen bei. Auch die Invasion Griechenlands konnte nicht verhindert werden.

 

Hitler: Wahnsinn mit Methode

Aber eindrücklich schildert Käppner auch den „Wahnsinn mit Methode“ des Nazi-Reiches: 1941 erreichte Hitler den Höhepunkt seiner Macht – faktisch ganz Europa war unter nationalsozialistischer Herrschaft. Die Wehrmacht hatte sich als effektivste Armee der Welt erwiesen. England selbst war an den Rand der Niederlage gedrängt. Doch bereits damals zeigte sich die Verwundbarkeit des Reiches: Italien als Verbündeter zog das Dritte Reich in Konflikte, die es meiden wollte: Allein auf die Schwäche Italiens ging der Afrika-Feldzug und die Invasion Griechenlands zurück.

Trotz dieser Kriegsschauplätze bereiteten Hitler und die Wehrmacht-Führung den Überfall auf die Sowjetunion vor: Dabei sind die Dimension heute noch unvorstellbar: Über 3 Millionen Soldaten waren an der Operation Barbarossa beteiligt.

 

Überall entlang der 1800 Kilometer langen Grenze brüllten die Motoren der Panzer und Lastwagen auf, 3,3 Millionen deutsche Soldaten und Hunderttausende verbündete Finnen, Rumänen, Slowaken und Ungarn stießen nach Osten vor. (Seite 167)

 

Dabei zeichnet das Buch ein umfassendes Bild dieses globalen Krieges: Auch die strategische Lage Japans wird beschrieben, ebenso wie den Zusammenhang des japanischen Angriffs gegen die USA mit dem Scheitern des Angrifs auf Moskau.

Auch die Schrecken des Holocaust werden in den Gesamtzusammenhang eingearbeitet. Oft jubelte die Bevölkerung den deutschen Besatzern zu, ehe sie merkten, dass diese mit ihrer Blut-und-Boden Ideologie die Zerstörung des Ostens bezweckten. Die Hoffnung, dass die Nachfahren Schillers und Beethovens die Menschen von der Sowjet-Herrschaft befreien würden, mündete bald in neue Schrecken.

 

Ähnlich wie Adam Zamoyskis Werk 1812 über Napoleons Russlandsfeldzug schildert Joachim Käppner den Russlandfeldzug samt der Hintegründe in eindrücklicher Weise.

 

Das Buch erscheint als Hardcover (19,95 €) und E-Book (16,99 €) im Rowohlt Verlag. Weitere Informationen